Münchner Kulturstreit: Nida-Rümelin vs. Dorn - DER SPIEGEL
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Münchner Kulturstreit Nida-Rümelin vs. Dorn

Kuriose Wechselspiele in der Münchner Theater-Szene machten Dieter Dorn zum neuen Intendanten am Residenztheater. Beginnt in München jetzt die große Kulturschlacht? Die Protagonisten verhalten sich bislang friedlich.
Von Sven Siedenberg
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Jetzt also ist es raus: Dieter Dorn, Chef der Münchner Kammerspiele, wird im September 2001 der Nachfolger von Eberhard Witt als Intendant des Bayerischen Staatsschauspiels. Dorn sei "eine herausragende künstlerische Persönlichkeit" und ein Intendant "erster Güte", sagte der Bayerische Kunstminister Hans Zehetmair bei einer Pressekonferenz in München, auf der die beiden auch den Vertrag (Laufzeit: fünf Jahre) unterzeichneten.

Möglich wurde dieser Seitensprung von der einen Seite der Maximilianstraße auf die andere durch den Münchner Kulturreferenten und SPD-Mann Julian Nida-Rümelin. Der plante vor eineinhalb Jahren, selbst gerade frisch ins Amt gehoben, mit der Ernennung eines neuen Kammerspiel-Intendanten seinen ersten großen Theatercoup. Auf die Idee, den im Jahre 2001 auslaufenden Kontrakt von Dieter Dorn zu verlängern, kam er nicht. Der sei zu alt, befand er, nämlich schon 65 (bei Vertragsende) und reif für den Ruhestand.

Also schaute er sich nach einem jüngeren Kandidaten um. Und siehe da, er fand den 54-jährigen Frank Baumbauer. Der leitet bis Sommer 2001 das Hamburger Schauspielhaus und wollte sowieso zurück nach München, wo seine Mutter wohnt und er zwischen 1983 und 1986 schon einmal Chef des Residenztheaters war. Im vergangenen Frühjahr war die Sache dann perfekt: Der Kulturreferent präsentierte seinen Wunschkandidaten Baumbauer als Dorn-Nachfolger.

Dorn fühlte sich daraufhin hingemeuchelt und dachte gar nicht daran, sich auf seine Arbeit als Regisseur zu beschränken: Auch weiterhin, sagte er trotzig, wolle er Intendant sein. Nur wo? Frankfurt war ihm zu popelig, Berlin zu laut und dreckig. Eine glückliche Fügung sorgte schließlich dafür, dass Eberhard Witt im vergangenen Sommer wieder einmal wegen einer Petitesse (angeblich wurde der Vertrag für seine als avantgardistisch geltende Chefdramaturgin Elisabeth Schweeger im Ministerium vorsätzlich verschleppt) seinen Rücktritt bei Kultusminister Hans Zehetmair einreichte. Der nahm diesmal dankend an und fragte sogleich bei Dorn an, ob er gewillt sei, unter einem CSU-Minister zu arbeiten und das Staatsschauspiel zu übernehmen. Er war gewillt.

Was sich jetzt ändert? Vorerst wenig. Denn Dorn bringt seine Theaterfamilie mit, bewährte Künstlerkräfte wie Jürgen Rose (Chefausstatter) und Hans-Joachim Ruckhäberle (Chefdramaturg) und viele jener erlesenen Schauspieler, die die Münchner Kammerspiele in den vergangenen 25 Jahren an die Spitze der Sprechtheater im deutschen Sprachraum geführt haben. Ansonsten bringt der Seitensprung mehr Geld (für Dorn) und neue Probleme (für Baumbauer). Und fürs Publikum? Vielleicht beginnt jetzt die große Kulturschlacht, auf die man in München ja noch immer vergeblich hofft. Noch allerdings pflegen die Theater-Kontrahenten weiterhin einen sehr höflichen Umgangston. Weshalb Dorn seinen Wechsel denn auch eine "freundliche Übernahme" nennt. Und Baumbauer dem Residenztheater und seinen Mitarbeitern für die Zeit der neuen Intendanz "alles Gute" wünscht.

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