Munch-Raub: Prozessbeginn in Oslo - DER SPIEGEL
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Munch-Raub Prozessbeginn in Oslo

Maskierte Männer, gezückte Pistolen: Der spektakuläre Raub der Munch-Werke "Der Schrei" und "Madonna" erschütterte Ende 2004 die Kunstwelt. Heute hat in Oslo der Prozess gegen sechs Verdächtige begonnen - sie alle beteuern ihre Unschuld.
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Oslo - Fünf Männer sind wegen schweren Diebstahls angeklagt, ihnen drohen bis zu 17 Jahre Haft. Ein sechster wegen Hehlerei Angeklagter muss mit bis zu sechs Jahren Gefängnis rechnen. Alle Angeklagten beteuerten heute beim Prozessauftakt ihre Unschuld. Ein weiterer Dieb ist nach Polizeiangaben noch immer auf der Flucht.

Im August 2004 waren zwei bewaffnete und maskierte Täter tagsüber in das Munch-Museum in Oslo gestürmt, hatten die weltberühmten Gemälde "Der Schrei" und "Madonna" des norwegischen Expressionisten von der Wand gerissen und waren in einem bereitstehenden Wagen geflohen. Von den Kunstwerken fehlt bis heute jede Spur.

Bei den sechs Angeklagten im Alter zwischen 30 und 39 Jahren handelt es sich nach Überzeugung der Ermittler um einen der beiden Diebe, den Fahrer des Fluchtwagens, den Drahtzieher des Kunstraubes und zwei Komplizen. Ebenfalls angeklagt ist der Besitzer eines Busses, in dem die beiden Gemälde zunächst versteckt wurden. Staatsanwalt Terje Nyboe hatte sich im Vorfeld des Verfahrens überzeugt gezeigt, eine Verurteilung der sechs Männer zu erreichen.

Den Ermittlungen zufolge schnitten die Diebe die Gemälde mit einem Wert von rund 80 Millionen Euro bei ihrer Flucht aus den Rahmen, wahrscheinlich weil sie darin Sender vermuteten. Später ließen sie ihr Fluchtfahrzeug stehen und sprühten es mit Löschschaum aus, um alle DNA-Spuren zu verwischen. Nach Polizeiangaben wurden die Gemälde zunächst rund einen Monat lang in einem Bus versteckt, der dem wegen Hehlerei Angeklagten gehörte. Ende September 2004 seien sie von dort abgeholt und in ein bis heute unbekanntes Versteck gebracht worden.

Eine norwegische Zeitung berichtete vor mehreren Monaten, die wegen ihrer Berühmtheit quasi unverkäuflichen Meisterwerke seien vermutlich verbrannt worden, um Spuren zu verwischen. Die Polizei geht jedoch davon aus, dass die Bilder sich noch immer in Norwegen befinden und eines Tages wieder auftauchen. Die Stadt Oslo hat 250.000 Euro Belohnung für ihre Wiederbeschaffung ausgesetzt.

Kurz nach seinem Beginn wurde der Prozess bis Donnerstag vertagt. Der Verteidigung soll bis dahin Gelegenheit zur Auswertung von Abhörprotokollen der Polizei gegeben werden. Das Verfahren ist zunächst auf fünf Wochen terminiert.

Der Raub hatte damals zu einer scharfen Kritik an mangelhaften Sicherheitsvorkehrungen berühmter Sammlungen geführt. Tatsächlich waren die Wachleute des Museums nicht bewaffnet gewesen, die Bilder nicht gegen Diebstahl versichert. "Fast so einfach, wie einen Kiosk zu überfallen", hatte damals die Tagszeitung "Aftenposten" geschrieben. 1994 war bereits eine andere Version des "Schreis" gestohlen worden. Die Diebe hatten ein Fenster der Nationalgalerie eingeschlagen, um in das Gebäude zu gelangen.

afp/dan/rom