Nach "Big Brother" Kommt es noch schlimmer?
Düsseldorf - "Das Risiko sehe ich nicht in Big Brother selbst, das Risiko sehe ich, dass mit diesem Format wieder die übliche Medienspirale in Gang gesetzt wird", sagte der Direktor des Europäischen Medieninstituts, Professor Jo Groebel, im Westdeutschen Rundfunk.
Der Bielefelder Sozialwissenschaftler Christian Palentien stimmt zu: "Nachahmer gehen noch einen Schritt weiter." Wollten andere Sender auf Grund des wachsenden Quotendrucks in der Zuschauergunst nicht zurückfallen, seien diese nun gezwungen, ähnliche Shows ins Programm zu nehmen, meinte Palentien. Wenn diese Schwelle überschritten werde, dann verletzten Medien ihre Verantwortung.
Notwendig seien deshalb freiwillige Vereinbarungen der Sender zur Programm-Zurückhaltung oder gesetzliche Einschränkungen. Schon heute sei das Publikum nicht mehr vorrangig an Informationen oder kurzfristiger Zerstreuung interessiert: "An diese Stelle ist vielmehr ein ausgeprägter Voyeurismus getreten", so Palentien.
Der Geschäftsführer von Endemol Deutschland, Axel Beyer, hat mit Widerstand gegen seine Sendung "Big Brother" gerechnet. Er glaube allerdings nicht, dass sie verboten werde, sagte er in einem Interview mit der Deutschen Welle. Die Sendung sei sicherlich Geschmacksache. Er sei sich aber sicher, damit nicht gegen Gesetze oder "gegen das, was man heute im Fernsehen zeigen darf", zu verstoßen.
Die Direktoren der Landesmedienanstalten werden am Montag über ein mögliches Verbot von "Big Brother" beraten. Bei der Serie werden zehn Kandidaten in einem Wohncontainer in praktisch allen Lebenslagen rund um die Uhr von Kameras beobachtet.