Neue ProSieben-Show: Schlag den Elton! - DER SPIEGEL
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Neue ProSieben-Show Schlag den Elton!

Länger und früher, aber nicht besser: ProSieben hat das pubertäre Schau-Duell "Elton vs. Simon" von der Late Night in die Prime Time gehoben und gibt Stefan Raabs ehemaligem Showpraktikanten Elton Gelegenheit, sich als Siegertyp zu inszenieren. Lustig ist das nicht.
Von Insa Moog
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Niemand kann mehr Ein-Euro-Stücke in seinem Schlüpfer unterbringen als Elton. Zumindest Simon Gosejohann bringt es spontan nur auf knapp 300. Eltons Bilanz nach zwei Minuten Schaufeln und Stopfen unter Zeitdruck: eine akute Wertsteigerung seiner Unterwäsche um 1998 Euro – in Münzen. Dass Gosejohann und Elton auch im Team ihr Geld wert sind, darauf hofft nun ProSieben und schickt die beiden dienstags mit "Elton vs. Simon" ins Quotenrennen zur Prime Time.

Sie bezeichnen sich als "Freunde und Kontrahenten": Simon Gosejohann, 32, früherer Viva-2-Redakteur und -Moderator, ist seit 2002 mit der Show "Comedystreet" auf ProSieben zu sehen, Gegenspieler Elton, eigentlich Alexander Duszat, hat eine besonders harte Schule genossen. Der ehemalige Volontär des Fernsehsenders Hamburg 1 hatte 2001 mit seinem Straßen-Comedyformat "Elton Street" die Aufmerksamkeit von Stefan Raab erregt. Er holte Elton nach Köln, wo er als "Showpraktikant" und Reporter in Raabs Sendung auftrat. Später bekam er mit "Elton TV" ein eigenes Format im Privatfernsehen.

Sein "Praktikum bei "TV Total" hat er inzwischen "erfolgreich abgeschlossen". Ein Praktikumszeugnis ist auf Eltons Homepage zwar nicht abrufbar, aber dass der 37-jährige Nachwuchsentertainer viel von seinem "Chef" Stefan Raab gelernt hat, ist nicht zu übersehen: Der gestrige Auftakt zur achtteiligen Showreihe "Elton vs. Simon" geriet zur arg pubertären Praktikanten-Version von "Schlag den Raab".

Pate für das Schauduell "Elton vs. Simon" stand eigentlich die gleichnamige Comedyreihe. Zwei Staffeln lang traten die Widersacher Elton und Gosejohann von 2005 bis 2006 gegeneinander an - in immer neuen, abstrusen Disziplinen. Wer im Schlaflabor länger wach bleiben oder schneller Glühbirnen wechseln kann: Fragen wie diese füllten das ehemals 30-minütige Format, das ProSieben in der Late-Night-Schiene zu nachtschlafender Zeit zeigte. Knapp 35 Prozent der "jungen Zuschauer" wollten das laut Produktionsfirma Brainpool auch zu später Stunde noch sehen.

Kung-Fu und Selbstbefriedigung

Anlass genug für den Sender, Elton und Simon nun bereits um 21.15 Uhr auf die Zielgruppe loszulassen. Innerhalb einer Stunde Sendezeit sollen sie sich in maximal sieben Spielen aneinander messen. Wer vier davon gewinnt, darf dem Verlierer eine "schlimme Bestrafung" zufügen. Neu im XL-Format: Moderatorin Johanna Klum, Mitglied der großen ProSieben-Verwertungskette, die bei Raabs Casting-Show "SSDSDSSWEMUGABRTLAD" bereits mit Elton moderieren durfte. Die frühere MTV- und Viva-Ansagerin hat aber offensichtlich Schwierigkeiten, ihre Texte im geeigneten Tonfall zu sprechen. Sie schwankt immer wieder zwischen flapsiger Strenge und stockender Wortsuche. Als sie Simon Gosejohann als den "Mann, der sagt, Schmerz kenn' ich nicht" ankündigt, klingt sie kaum souveräner als Namensschwester und Hobbymoderatorin Heidi Klum.

Mit "Kung-Fu und Selbstbefriedigung" halte er sich fit, verrät Gosejohann dann auch gleich zu Beginn der Show vollkommen schmerzfrei. Eine wenig erfolgversprechende Trainingsstrategie, wie sich bald zeigt. Elton, vollschlank und fünf Jahre älter als sein Kollege, rennt deutlich schneller als der dünne Blonde: Im 20-Meter-Sprint erreicht er prompt 33 Stundenkilometer, Simon auch im dritten Versuch nur 30.

Dahinter steckt allerdings wieder Stefan Raab: Ihm hatte Elton im Schauboxkampf gegen Regina Halmich im vergangenen Jahr ein K.o. vor der fünften Runde prognostiziert – und die Wette verloren. Eltons Wetteinsatz war die Teilnahme am New York Marathon im November 2007 – er lief mit und schaffte es. In Form ist er immer noch.

"Hätt ich nicht gedacht", sagt Simon, meint Eltons Überlegenheit im Sprint und schnappt nach Luft. "Ich eigentlich auch nicht", sagt Johanna Klum, kichert und zieht die Schultern hoch. Elton schweigt und schmunzelt. Vielleicht, weil er bereits weiß, dass er auch die nächste Disziplin – Wettbaggern, im wörtlichen Sinne – für sich entscheiden wird. Es folgt der erste von insgesamt zwei Einspielern mit Wettkämpfen, die bereits vor der Aufzeichnung und außerhalb des Studios ausgetragen wurden.

Besser baggern, Münzen sammeln und Tischtennis spielen

Reihenfolge und Zeitpunkt der Einzelwettbewerbe sind also offensichtlich vollkommen beliebig. Das nimmt dem ohnehin nicht sonderlich spannenden Geschehen schon mal viel von der versprochenen Dramatik. Die leidet obendrein darunter, dass Simon auch noch schlechter baggern, Münzen sammeln und Tischtennis spielen kann als Elton. Der Raab-Praktikant quittiert das - ganz der Ziehvater - mit einem zufriedenen Grinsen, während Gosejohann zunehmend irritiert vor sich hin plappert und schließlich mit gespieltem Erstaunen jammert: "Wie machst du das?"

Nur ein einziges Mal kann Gosejohann den schier übermächtigen Elton bezwingen: Beim gegenseitigen Aktmalen gerät Simons nackter Elton einfach besser als Eltons nackter Simon, das entscheidet allerdings das Studiopublikum per Knopfdruck. Doch es ist längst zu spät, um Simon und das neue Show-Format vor der großen Langeweile zu retten.

"Elton, erklär doch nochmal, was es mit deiner Strafe für Simon so auf sich hat", piepst Klum. Es öffnet sich eine große Flügeltür. "Der Simon trinkt ja gern Kaffee", setzt Elton an. Hinter der Tür erscheint nun ein kleines Tischchen mit Kaffeemühle und Wasserkocher. Aber der Kaffeefilter fehlt. "Ich hol mal einen", in dramatischer Geste zieht Elton eine gräulich verfärbte Tennissocke vom Fuß. Simon rollt wie gewünscht mit den Augen, trinkt unter dem Johlen des Publikums den "Socken-Kaffee" aus einem Glas: "Das schmeckt wirklich nicht gut" – und gut aussehen tut es auch nicht.

Die müde Pilotfolge lässt kaum hoffen, dass es in der nächsten Woche bei "Elton vs. Simon" zu einem spannenderen Wettbewerb kommen kann: Zu deutlich und zu inszeniert ist Eltons Überlegenheit in den willkürlich ausgesuchten Disziplinen. Scheint, als hätte Raabs ehemaliger Prügelknabe fürs erste seinen eigenen Hofnarren gefunden - und kostet das auf Kosten der Show-Dramaturgie aus. Lustig ist das nicht. Schlag den Elton, Simon!


"Elton vs. Simon": Dienstags, 21.15 Uhr, ProSieben

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