Neue TV-Serien Probleme in den Spitzen
München - Für Sat.1 ist es eine unverdiente Niederlage, denn der Privatsender hatte den Mut, mit "Bis in die Spitzen" eine deutsche Serie an den Start zu bringen, die nicht nur humorvoll und hochdramatisch ist, sondern auch noch über ein gutes Drehbuch und hervorragende Darsteller verfügt. Dementsprechend war das Kritikerlob groß für die vor zwei Wochen gestartete Adaption der britischen Serie "Cutting It" über zwei konkurrierende Friseurläden.
Doch trotz aller Medienresonanz und kostspieliger Werbung (ganz Berlin war mit Plakaten gepflastert) blieb die Quote bisher hinter den Erwartungen zurück. Nur rund zwei Millionen Zuschauer schalteten Montags um 21.15 Uhr ein. Zwar interessiert sich ein überdurchschnittlich hoher Anteil der werberelevanten Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen für das Format (rund zehn Prozent), aber insgesamt wurde die Hoffnung des Senders auf einen hohen Marktanteil nicht erfüllt.
Sat.1-Chef Roger Schawinski räumte diese Unzufriedenheit heute auf den Münchner Medientagen ein. "Wir waren dem Zuschauer mit dieser Serie vermutlich zu weit voraus." Er wolle seinen Weg jedoch fortsetzen und an "Bis in die Spitzen" festhalten, sagte Schawinski laut einer Meldung der Nachrichtenagentur dpa. Verantwortlich für die Quotenmisere am Montagabend ist vermutlich auch die starke Konkurrenz. Das Friseurinnen-Drama muss sich gegen das Erfolgsformat "Hinter Gittern" (RTL) durchsetzen und kämpft mit den US-Krimiserien "Numbers" und "Criminal Intent" auf ProSieben und Vox.
Doch nicht nur Sat.1 hat Sorgen, auch das ZDF kann mit der neuen Telenovela "Julia - Wege zum Glück" nicht an die Erfolge des Vorgängerformats "Bianca - Wege zum Glück" anknüpfen, sagte der zuständige ZDF-Redaktionsleiter Claus Beling in München, hatte aber gleich eine Erklärung parat: "Unsere erste Erkenntnis ist, dass sich viele Zuschauer nicht anderen Programmen widmen, sondern sich der neuen Telenovela verweigern, weil sich sagen: Wir wollen nicht noch einmal süchtig werden."