Neue US-Sitcom Mutterwitze mit Sex-Appeal
Wundert es wirklich jemanden, wenn eine Single-Mutti noch Jahre nach der Niederkunft Schwangerschaftsunterhosen trägt?
An die Wäsche kann ihr ja eh niemand gehen.
Wann denn auch?
Alleinerziehend. Das Wort klingt ja schon wie eine Zumutung und beschreibt leider allzu oft auch eine. Verheißt es doch den Alleinerziehenden - meist Frauen - entweder eine Existenz als Arbeitstier, das sich zwischen (Teilzeit-)Job und Kind(ern) aufreibt und allein aus Zeitmangel von den Freuden des Single-Lebens ausgeschlossen ist.
Oder als Outcast, der mit Unterhalt von Vater Staat und/oder Kindesvater gerade mal so über die Runden kommt und dessen gesellschaftliche Aktivitäten sich daher auf wöchentliche Besuche im Lebensmitteldiscounter beschränken.
Christine Campbell ist da in einer vergleichsweise komfortablen Lage. Als Besitzerin eines Fitnessclubs ist ihr Single-Mom-Dasein solide finanziert. Auch die Kindererziehung verantwortet die Gute nicht alleine. Ex-Gatte Richard ist ein verantwortungsvoller, netter Kerl, der sich nicht nur um den gemeinsamen Sohn Richie kümmert, sondern bei Bedarf auch um die emotionalen Notstände seiner Verflossenen.
Bliebe da die Sache mit der Schwangerschaftsunterwäsche. Und die Frage, wer sie Christine nach drei Jahren Enthaltsamkeit mal wieder so richtig vom Leib reißen könnte.
Auf diese schlichte Grundfrage reduziert sich die US-Erfolgssitcom "The New Adventures of Old Christine", die am Montag auf Comedy Central Deutschlandpremiere feiert. Denn obwohl Christine eine gute Ex-Ehe führt ("Meine Scheidung läuft besser als die meisten Ehen"), wirft es sie schon ein bisschen aus der Bahn, als ihr geschiedener Mann mit einer Neuen aufkreuzt, die blutjung ist, blond und auch noch denselben Namen trägt wie sie selbst.
Fortan heißt Christine deswegen Old Christine.
Alt will sie sich aber gar nicht fühlen, weshalb gilt: ran an den Mann.
Ein reines Dating-Drama ist die Serie aber nicht. Christine, gespielt von Julia Louis-Dreyfus, ist eine moderne middle class mom, die sich mit all jenen Zumutungen - seien sie nun herangetragen oder hausgemacht - herumschlägt, die ihre persönliche und gesellschaftliche Situation nun mal so mit sich bringt.
Was etwa hat die Mittelklasse mehr als Bildung, um den eigenen sozialen Status zu sichern oder gar zu erhöhen? Eben.
Also schickt Christine ihren Sohn in eine schicke, viel zu teure Privatschule. Dort sieht sie sich dann regelmäßig zwei wesentlich besser gestellten Hausfrauen-Hexen ausgeliefert, die mit nonchalanten Boshaftigkeiten ("Wir haben gehört, Sie arbeiten?") das Status-Selbstbewusstsein der diesbezüglich ohnehin verunsicherten Christine erschüttern.
Hauptdarstellerin Louis-Dreyfus feierte ihren Karrieredurchbruch als Elaine in der großartigen Neunziger-Sitcom "Seinfeld". Jene berühmte "Serie um nichts" wurde genreprägend, gerade weil sie ein paar Großstadtneurotiker dabei zeigte, wie sie nichts anderes tun, als ihr Leben wegzuplappern.
An "Seinfeld", das muss man kaum betonen, kommen die von dem eher als konservativ geltenden Sender CBS produzierten "The New Adventures of Old Christine" nicht heran. Zu viele Pointen sind vorhersagbar, die Charaktere insgesamt zu bieder, und ein laugh track, also Gelächter aus der Konserve, wirkt heutzutage furchtbar altmodisch. Und die Serie fällt auch hinter die politisch unkorrekten Gag-Granaten von Comediennes wie Sarah Silverman oder Tina Fey zurück, die ja derzeit den US-Frauenhumor so herrlich aggressiv emanzipieren.
Sehenswert ist "Christine" dennoch, vor allem wegen Julia Louis-Dreyfus. Denn die 48-Jährige, die für diese Rolle mit einem Emmy ausgezeichnet wurde, ist sich für fast nichts zu schade, wenn sie die latent überforderte, neurotische, aber stets liebenswerte Mittelklassemutti gibt.
Fern von jeglicher Ulknudligkeit brilliert sie mit einer sehr physischen Comedy-Performance, stöhnt und ächzt sich durch den Dating-Dschungel, zieht Grimassen - und sieht dabei trotzdem immer irgendwie reizend aus. Ein bisschen wie Bridget Jones für Erwachsene wirkt das Ganze manchmal, zumal das Drehbuch dann doch noch oft genug für ätzende Selbstironie sorgt ("Meine Brüste sehen nur gut aus, wenn ich einen Kopfstand mache").
Ein echtes Ärgernis gibt es dennoch, für das die Serienmacher allerdings keinerlei Verantwortung tragen. Die deutsche Stimme von Christine wurde, so scheint's, von einer professionellen Porno-Synchroniteuse gesprochen. Mit rauchzart-frivoler Säuselei zerstört die nicht nur jede flinkzüngige Pointe - sondern auch den Glauben daran, dass die deutsche Christine je eine Schwangerschaftsunterhose getragen haben könnte.
"The New Adventures of Old Christine", Comedy Central, Montag, 21.10 Uhr