Neuer Duden Vereinfachung durch Inkonsequenz
Mannheim - Mitten in der neu aufgeflammten Diskussion über die Rechtschreibreform kommt Ende nächster Woche ein neuer Duden heraus. Die ersten Rezensionsexemplare wurden am Dienstag an Journalisten versandt. Die 22. Auflage des 1880 von Konrad Duden begründeten Wörterbuchs erscheint mit 5000 neuen Wörtern und sehr vorsichtigen Zugeständnissen bei umstrittenen Regelungen der Reform.
Gegenüber der vor vier Jahren erschienenen 21. Auflage hat der neue Rechtschreibduden mit 1152 Seiten einen um rund ein Viertel größeren Umfang. Dazu tragen neben den neuen Begriffen auch 300 "Infokästen" auf gelbem Grund bei, in denen Stichwörter mit besonders schwierigen Schreibungsproblemen in unterschiedlichem Kontext erläutert werden.
"Ziel der vorliegenden 22. Auflage des Rechtschreibdudens ist es, die neue Rechtschreibung im Licht der seit ihrer Einführung vorliegenden Erfahrungen so übersichtlich und verständlich aufzubereiten, dass sie in der alltäglichen Schreibpraxis von jedermann möglichst einfach angewendet werden kann", heißt es im Vorwort. Kritiker der Reform wie der "FAZ"-Rezensent Theodor Ickler halten der Dudenredaktion jedoch zahlreiche Widersprüche, willkürliche Festlegungen und Abweichungen von der amtlichen Schreibung vor. Die Tageszeitung "Die Welt" hatte vor wenigen Wochen über eine "Geheimaktion" berichtet, wonach der Duden die neue Rechtschreibung in großen Teilen zurücknehmen wolle. Die Wörterbuch-Redaktion dementierte dies heftig mit dem Hinweis auf "böse Gerüchte" aus dem Lager der Reformgegner.
Zur besonders umstrittenen Frage der Getrennt- oder Zusammenschreibung von Wortgruppen erklärt die Dudenredaktion, dass die Unterscheidung "nicht immer eindeutig möglich" sei. Deshalb sollte in Zweifelsfällen "sowohl Getrenntschreibung als auch Zusammenschreibung toleriert werden".
Auch in der neuen Auflage sind die mit der Rechtschreibreform geänderten Schreibweisen rot markiert. Die traditionellen Schreibweisen und Trennungen, die ab 2005 in amtlichen Schriftwerken nicht mehr verwendet werden sollen, sind auch weiterhin aufgeführt.