Neues Tabloid-Format "Süddeutsche" will klein beigeben
München - Die Tests für das geplante Tabloid-Format der "Süddeutschen Zeitung" ("SZ") seien gut verlaufen, die Gesellschafter müssten dem Projekt aber noch zustimmen, sagte "SZ"-Chefredakteur Hans-Werner Kilz am Donnerstag in München. Nach Angaben von Verlags-Geschäftsführer Klaus Josef Lutz soll eine Entscheidung spätestens im ersten Quartal 2005 fallen.
Mit der Ausgabe im populären Kleinformat, die derzeit noch den Arbeitstitel "SZ2" trägt, will der Verlag vor allem 14- bis 39-Jährige erreichen. Es sei auch eine Beilage innerhalb des Hauptblattes vorstellbar, sagte Kilz. Er deutete aber an, dass er eine tägliche Ausgabe im Tabloid-Format bevorzuge. Damit träte die "SZ" gegen Springers "Welt kompakt" und "News" von der Verlagsgruppe Handelsblatt an - beides Tabloid-Ableger großer Tageszeitungen, die in den vergangenen Monaten lanciert wurden. Kilz betonte, dass die "SZ2" einen eigenen Stil haben und eine "Zeitung zum Lesen" sein solle.
Nach Überwindung der Existenz bedrohenden Finanzkrise im letzten Jahr will der Süddeutsche Verlag seinen Erholungskurs auch mit weiteren neuen Projekten fortsetzen. Der Verlag sieht sich derzeit auf gutem Wege. "Wir sind über den Berg und schreiben schwarze Zahlen", sagte Lutz. Der Konzern-Umsatz steige in diesem Jahr, im Geschäftsfeld "Süddeutsche Zeitung" legten die Erlöse sogar deutlich zu. Die Zuwächse seien auch der immens erfolgreichen "SZ-Bibliothek" mit inzwischen schon 7,5 Millionen verkauften Büchern und der neuen CD-Reihe zu verdanken. Auch im Anzeigengeschäft gebe es positive Signale, zum Beispiel bei Stellen- und Marken-Anzeigen. Da die Strukturkrise aber weiter existiere, setze der Verlag verstärkt auf Zusatzerlöse. Für das kommende Jahr seien drei Projekte in der Pipeline.
Zunächst kommt jedoch an diesem Samstag mit einer Startauflage von 200.000 Stück das Magazin "Süddeutsche Zeitung Wissen" an die Kioske. Mit dem neuen Wissens-Magazin tritt die "SZ" gegen die ebenfalls neue Zeitschrift "Zeit-Wissen" an, die seit heute - ebenfalls mit einer Auflage von 200.000 Stück - erstmals erhältlich ist. Gruner + Jahr hatte seinen neuen Wissen-Ableger "Geo kompakt" bereits am 10. November mit einer Auflage von 80.000 Exemplaren gestartet.
"Wir sehen das sportlich", sagte Lutz. Nach Einschätzung des Süddeutschen Verlags gibt es bei den Lesern ein großes Interesse an verständlich aufbereiteten Themen aus Wissenschaft, Medizin und Technik. Die Gewinnschwelle solle möglichst schnell erreicht werden, der Verlag rechnet mit einer verkauften Auflage von mindestens 100.000 Exemplaren. Das Magazin kostet vier Euro und soll etwa sechs Mal im Jahr erscheinen.