Neustart in Bremen: Shakespeare statt Schabernack - DER SPIEGEL
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Neustart in Bremen: Das Bier steckt in der Büchs

Foto: Jörg Landsberg

Neustart in Bremen Shakespeare statt Schabernack

Glamour ade: Nach allerlei Event-Trallala und Marketinggetöse kommt das Theater Bremen wieder in ruhigeres Fahrwasser. Ein neues Leitungsteam will Vertrauen zurückgewinnen - und startet lustvoll in die Spielzeit.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Das größte Theater in Bremen gab es in den vergangenen Jahren abseits des Theaters: Der Generalintendant Hans-Joachim Frey fuhr einen marketingorientierten Kurs, setzte auf Glamour und Events - und steuerte das Vier-Sparten-Haus in ein Rekorddefizit. In diesem Sommer schied er vorzeitig aus dem Amt. Welch ein Drama.

Bis ein neuer Generalintendant das Ruder übernimmt, werden zwei Jahre vergehen: Erst im Sommer 2012 heuert Michael Börgerding an, einst Chefdramaturg am Thalia Theater Hamburg und zurzeit Leiter der dortigen Theaterakademie. In der Zwischenzeit ist ein Leitungsgremium verantwortlich, bestehend aus dem künstlerischen Betriebsdirektor Martin Wiebke sowie den Chefs der vier Sparten Marcel Klett (Schauspiel), Hans-Georg Wegner (Oper), Patricia Stöckemann (Tanz) und Rebecca Hohmann (Kinder- und Jugendtheater Moks). Der alte Kapitän ist von Bord, der neue ist noch nicht da, und so können sie machen, was sie wollen: zum Beispiel die Spielzeit erstmals seit Jahren wieder mit einem Schauspiel eröffnen, mit Shakespeares "Was ihr wollt". Premiere ist am Donnerstag, den 2. September.

"In den vergangenen Jahren stand das Musiktheater in Bremen sehr im Fokus, so dass unsere drei anderen Sparten hinten runtergefallen sind", sagt Schauspieldirektor Klett. "Das müssen wir ändern." Hinter sich lassen wolle das Team auch die Zeiten, in denen Hochglanzproduktionen den Blick verstellt hätten auf die Qualitätsproduktionen, die es durchaus gegeben habe: "Wir eröffnen bewusst mit einem großen Klassiker, mit einem Stück, bei dem wir richtig zaubern können mit Schauspielern, Bühnenbild, Kostümen und Musik." Ziel sei es, verlorenes Vertrauen in der Stadt zurückzugewinnen: "Wir wollen die Leistungsfähigkeit dieses Hauses zeigen."

Quotengarant und Kassenknüller

Nun ist ein Shakespeare-Klassiker, eine Verwechslungskomödie noch dazu, eine recht sichere Nummer, ein Quotengarant und Kassenknüller, "aber es handelt sich auch nicht um Charleys Tante", wie Regisseur Robert Schuster sagt. Er schwärmt davon, wie modern Shakespeares Stück sei, wie klug er sich der Liebe und dem Liebeswirrwarr widme, wie herrlich er das Komische mit dem Tragischen paare: "Das Stück ist dem Sommernachtstraum ähnlich, aber noch philosophischer."

Eines des berühmtesten Zitate aus dem Stück hat Schuster zur Leitidee seiner Inszenierung inspiriert: "Wenn die Musik der Liebe Nahrung ist, spielt weiter! Gebt mir volles Maß!" Gemeinsam mit dem Berliner Musiker Jörg Goulasch hat Schuster eine Band aus dem Schauspielensemble geformt, die während der Vorstellungen live auf der Bühne singen und spielen wird: "eine Spannbreite von ernsten, vielleicht traurigen Klängen bis hin zu Popmusik mit Schlagzeug und E-Gitarre". Schuster lobt die "sehr schwungvolle Arbeitsatmosphäre" am Haus, von einer Übergangslethargie, die er vor Probenbeginn befürchtet habe, sei nichts zu spüren: "Alle freuen sich auf die zwei Jahre und auch auf die Zeit danach. Unsere Inszenierung könnte ein sehr lustvoller Beginn werden."

Darauf setzt natürlich auch Schauspieldirektor Klett, der hofft, "ein bisschen Vorarbeit für Börgerding leisten" zu können: "Es gibt große ästhetische Überschneidungen zwischen uns." Zwar würde er es verstehen, sagt er, wenn Börgerding in zwei Jahren einen kompletten Neubeginn anstreben sollte. Aber falls nicht, stünden die Spartenchefs zur Verfügung: "Niemand würde sich einer künftigen Mitarbeit verschließen."


Was ihr wollt: Premiere am 2. September um 19.30 Uhr, weitere Vorstellungen am 5. und 12. September um 18 Uhr sowie am 18., 25. und 30. September um 19.30 Uhr,
Theater Bremen , Kartentelefon 0421/3653333.2