Österreich: Künstler laufen Sturm - DER SPIEGEL
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Österreich Künstler laufen Sturm

Die österreichische Schule für Dichtung wandert aus und schließt sich damit der langen Reihe österreichischer Künstler an, die gegen die blau-schwarze Regierung Protest erheben.
Von Birgit Lutz
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Wien - An einen neuen Ort, das Internet, hat die bisher in Wien unterrichtende Schule für Dichtung  ihre Stunden verlegt. Wenn eine künstlerfeindliche Partei, die weder mit der eigenen Sprache noch mit den Sprachen der anderen zivilisiert umgehen könne, an den Schalter der Macht gelange, bedeute dies nichts gutes, begründen die Schulleiter ihren Schritt. An der Institution haben neben österreichischen Autoren wie H.C. Artmann, Wolfgang Bauer, und Marlene Streeruwitz auch schon zahlreiche ausländische Künstler wie Nick Cave, Blixa Bargeld oder Angela Garcia unterrichtet.

Die Schule für Dichtung steht mit ihrer Reaktion nicht allein: Seit Beginn der Koalitionsverhandlungen zwischen ÖVP und FPÖ haben zahlreiche Künstler gegen die blau-schwarze Regierung protestiert. Die Proteste sind so vielfältig, dass das Wiener Burgtheater eine Podiumsdiskussion zur Frage "Gehen oder Bleiben - ist die Freiheit der Kunst in Gefahr?" angekündigt hat. An der Diskussion am kommenden Sonntagvormittag wollen sich unter anderen Luc Bondy, Klaus Maria Brandauer, Elfriede Jelinek, Johann Kresnik und Robert Menasse beteiligen. Die Moderation übernimmt Burgtheater-Direktor Klaus Bachler.

Zuvor hatten der künstlerische Leiter der Salzburger Festspiele, Gerard Mortier und Sylvain Cambreling, der Chefdirigent des Wiener Klangforums, ihre Rücktritte angekündigt.

Die mit dem Oskar-Kokoschka-Preis ausgezeichnete Medienkünstlerin Valie Export lehnte eine Übergabe des Preises durch einen Minister der neuen ÖVP-FPÖ-Regierung ab. Der Oskar-Kokoschka-Preis ist mit 250.000 Schilling (knapp 36.000 Mark) die am höchsten dotierte Auszeichnung für bildende Kunst in Österreich.

Die österreichische Schriftstellerin und Theaterautorin Elfriede Jelinek will die Aufführung ihrer Stücke in Österreich verbieten. Für sie sei dies die einzige Möglichkeit, auf die von ihr als "ekelhaft" empfundenen aktuellen politischen Verhältnisse in Österreich zu reagieren.

Die Erben der Schriftstellerin Ingeborg Bachmann haben dem Land Kärnten verboten, den Namen zu verwenden.

Der Sänger Rainhard Fendrich, der ursprünglich angekündigt hatte, er werde bei einer blau-schwarzen Regierung das Land verlassen, hat sein Vorhaben inzwischen geändert. "Ich glaube, dass ein Künstler gerade in so einer Zeit das Land nicht verlassen sollte - wenn er nicht vertrieben wird", sagte er in einem Interview mit dem österreichischen Magazin "profil".

Frank Baumbauer, der bis 2001 engagierte Intendant der Salzburger Festspiele ist ebenfalls Fendrichs Meinung. "Ich fürchte, ein Abgang im Zorn wirkt nicht lange nach. Der ist schnell vergessen. Und die Gegenseite reibt sich dann auch noch die Hände", sagte er in einem Gespräch mit dem SPIEGEL. Seine Position wolle er für Opposition und, wenn nötig, für Widerstand nutzen.

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