Olympiastadien-Bildband Gefaltete Pappkartons
Heute ist der fünfte Olympia-Tag in Peking. Wer nicht dort in "Beijing" ist und trotzdem wissen will, wie die Sportstätten aussehen, wo sie liegen und wie deren Umgebung aussieht, ob sie neu oder renoviert sind, wer die Planer, Architekten oder Ingenieure sind und wer außerdem noch an technischen Details interessiert ist, der sollte sich das Buch "Olympic Architecture Beijing 2008" besorgen die einzige, von den staatlichen Organen Chinas autorisierte, offizielle Dokumentation aller Olympiabauten. Erschienen ist es im Schweizer Birkhäuser Verlag, herausgegeben vom Beijing Institute of Architectural Design, das bereits 1949 gegründet wurde und seitdem dem Grundsatz "Architecture Serves Society" folgt so die Erklärung im Vorwort. Gewidmet ist das Buch global allen, die an der Konstruktion der Olympiasportstätten mitwirkten damit also auch den Wanderarbeitern aus der Provinz, die für zehn Cent pro Stunde an den Bauten geschuftet haben natürlich ohne Arbeitsschutz, Versicherung, Freizeit oder Unterkunft.
Nach einem kurzen Grußwort von Chunhua Song früher "Vice Minister, Ministry of Construction" heute "President Architectural Society of China" kommt ein kurzes Vorwort von Xiaodi Zhu, "President and Chief Architect Beijing Institute of Architectural Design". Die Wettbewerbsgewinner hätten die Ideale "Green Olympics, Hightech Olympics and People's Olympics" erfüllt, und mit der geplanten nacholympischen Nutzung nicht nur der Stadt, sondern der ganzen Welt ein großes Architekturerbe hinterlassen.
Nach dem Inhaltsverzeichnis gibt es einen übersichtlichen doppelseitigen Lageplan mit eingezeichneten Verkehrsverbindungen und kleinen Fotos der Olympiabauten. Die Einführung "One World, One Dream" von Guoxin Ma, Architekt und Ingenieur, erläutert das Konzept und die programmatischen Ansprüche, die Planung, Entwicklung und den Bau seit 2001. Zwar schreibt er über chinesische Tradition, kulturelle Hintergründe und Ideale, erwähnt aber z.B. nicht die Problematik der Umsiedlung von 1,5 Millionen Pekinger Bürgern aufgrund der radikalen Stadterneuerung und Planung.
In drei Kapitel ist das Buch geordnet. Kapitel eins listet alle 15 neuen olympischen Gebäude auf und beginnt natürlich mit dem Nationalstadion: Das "Vogelnest" von Herzog & de Meuron wird wie alle folgenden Wettkampfstätten kurz vorgestellt Projektname, Ort, Fertigstellung, Architekten und Ingenieure, Konstruktion, Grundstücksgröße, Quadratmeter, Stockwerke, Kapazität vor und nach der Olympiade. Dann folgen auf 18 Seiten Fotos und eine Projektbeschreibung. Besonders schön ist die Lage des Nationalstadions zu sehen auf der einen Seite umgeben von Hochhäusern, auf der anderen von riesigen Verkehrsadern, einer Wasserfläche und während der Bauzeit von riesengroßen Brachen. Fünf kleine Abbildungen verdeutlichen das statische Prinzip des tragenden Stahlträgergeflechts, in das das Zuschaueroval eingehängt ist. Andere Bilder zeigen den Innenraum, die Dachkonstruktion und Details der Trägerverbindungen.
Leider fehlt eine Abbildung des ursprünglichen Wettbewerbs, denn man würde gern wissen, ob die einschneidenden Sparmaßnahmen während der Bauzeit dem Entwurf geschadet haben. Damals wurde in China entschieden, dass 20 Prozent Stahl eingespart werden muss, und das bewegliche Dach wurde gestrichen.
Auf 16 Seiten folgt das National Aquatics Center mit seiner hellblauen Wasserblasen-Kunststoffmembranen-Außenhaut, die Sonnenenergie speichert und damit das Wasser heizt. Hier sind auch Grundrisse, Schnitte und Details zu sehen. Nicht alle Neubauten sind Meisterleistungen, eines erinnert an gefaltete Pappkarton-Architektur der sechziger Jahre, ein anderes einfach nur an Wellblechstaffelungen allerdings sind alle Gebäude gut mit informativen Fotografien dokumentiert.
Das zweite Kapitel listet die 14 renovierten und erweiterten Stadien auf leider wird der Zustand vor dem Umbau nicht abgebildet.
Im dritten Kapitel werden die acht temporären Sportgebäude und andere mit Olympia zusammenhängende Einrichtungen gezeigt, z.B. die "Fencing Hall of National Convention Center", das "Laoshan Bicycle Moto Cross Venue", den "Chaoyang Park Beach Volleyball Ground" oder das "National Convention Center".
Richtig schön ist das Buch nicht. Wegen der Farben zum Beispiel. Der Himmel ist zu blau, die Nachtaufnahmen und Sonnenuntergangsbilder sind zu dramatisch rot und lila, die Wasserflächen so türkis und der Sand so orange, dass man an den legendären chinesischen Bonbonverkäufer denken muss, der im früheren sozialistischen China einen Orden dafür bekam, dass er exakt ein halbes Kilo Bonbons ohne Hilfsmittel einfach mit den Händen abwiegen konnte.
Aber für Architekturliebhaber, Architekten und Ingenieure ist das Buch mit seinen 500 Abbildungen eine sehr gute Dokumentation mit vielen technischen Details aller Bauten.
Buch Beijing Institute of Architectural Design: "Olympic Architecture. Beijing 2008". In englischer Sprache. Birkhäuser Verlag, Basel; 314 Seiten; 39,90 Euro.