Pariser Kunstmesse Akte statt Aktien
Der Ort hat immerhin Prestige. Die Artparis findet dort statt, wo vor einigen Wochen der Nachlass von Yves Saint Laurent unter den Hammer kam: Unter dem Glasgewölbe des Grand Palais. Die Kunstmesse gilt als einer der wichtigsten französischen Beiträge zum internationalen Kunst-Rummel, sie versammelt 115 Galeristen aus 14 Ländern - und bietet einen bunten Querschnitt durch den Publikumsgeschmack. Chinesische Fotorealisten hängen neben Europas Vertretern der Konzeptkunst, Pop-Art und nachempfundene Popart mischt sich mit Klassikern wie Vasarely.
"Hier werden Künstler angeboten, die - bislang noch - weniger berühmt sind, und es gibt keine Vorauswahl durch die Veranstalter", erklärt Matthieu Poirier, Dozent an der Pariser Universität, den Unterschied. "Dennoch gibt es immer wieder interessante Entdeckungen historisch wichtiger Werke", so der Sorbonne-Forscher, trotz der "überwiegend kommerziellen Ausrichtung der Schau." Dafür sind die angebotenen Werke auf diesem Zweitmarkt der Kunst aber auch erschwinglicher. Die Spanne reicht von kleinen Drucken um die 200 Euro bis zu Werken internationaler Künstler, die mit über 150.000 Euro aufgelistet sind.
Kunst in Zeiten der Krise: Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen schlagen auf die Messe durch, auch wenn beim Ausschank auf der Empore der Champagner fließt und die VIP-Gäste immer noch per Limousinen-Service chauffiert werden. Doch die Galeristen haben sich rarer gemacht. "Die ausländischen Händler sind in diesem Jahr zögerlicher und machen nur noch 30 Prozent aus, statt im Vorjahr 40 Prozent", klagt Henri Jobbé-Duval, künstlerischer Leiter des Kunstmarkts. "Und einige der hiesigen Häuser für moderne Kunst sind ebenfalls ferngeblieben."
Die Messeleitung macht aus der Not eine Tugend und hat, erstmals in diesem Umfang, 15 Galeristen für moderne Fotokunst eingeladen, dazu eine Reihe von Spezialisten für Comic-Zeichnungen und Straßenkunst. Die Stände der Artparis Photography, gruppiert um die traditionellen Teilnehmer, sind damit Trendsetter der Schau - und ihre Werke so verschieden wie ihre geografische Herkunft.
Die Rechnung scheint aufzugehen: Denn, überraschend genug, von Preisverfall ist - Wirtschafts- und Finanzkrise zum Trotz - nichts zu spüren.
"Gerade die Menschen, die mit der Spekulation von Aktien schlechte Erfahrungen gemacht haben, suchen jetzt beständige Werte", sagt Albert Baumgarten, Galerist aus Freiburg: "Statt der virtuellen Anlage die Flucht in die Sachwerte - und dabei auch noch verbunden mit ästhetischem Genuss." Der 58-Jährige, sonst jahrelang auf der Art Cologne vertreten, hat sich zum ersten Mal für Paris entschieden, denn "das Interesse ist groß, der Markt hier wesentlich internationaler als in Deutschland und das Publikum breit gestreut".