"Peng! Die Westernshow": Schlag den Balder - DER SPIEGEL
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"Peng! Die Westernshow" Schlag den Balder

In Zeiten knapper Kassen setzt der krisengeschüttelte Sender Sat.1 auf einen alten Troubadour des Privatfernsehens: Hugo Egon Balder. "Peng! Die Westernshow" ging an den Start – sinnlos, trashig, infantil, aber nicht ohne Charme.
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Nein, ein Notfalleinsatz war es nicht. Bereits im August hat sich Sat.1 in aller Form 27 Sendungstitel des Kalibers "Muh! Die Bauernshow", "Klirr! Die Rittershow" und "Platsch! Die Piratenshow" gesichert. Und schon damals meldeten gut informierte Branchendienste, dass der Sender ab November "themenbezogene Eventshows" von und mit Hugo Egon Balder plane.

Trotzdem passte "Peng! Die Westernshow", mit der am Freitag eine zunächst vierteilige Testreihe startete, wie die Faust aufs Auge zur aktuellen Situation des krisengeschüttelten Kanals. So erkennbar kostengünstig mutete der Gaga-Klamauk an, so nahtlos fügte er sich in den herrschenden Trend zum preiswert produzierten Jahrmarkts-TV ("Singing Bee") ein, dass er auch als programmplanerische Sofortmaßnahme des Investoren-gesteuerten, in die Verlustzone geratenen und von Quotensorgen geplagten Konzerns ProSiebenSat.1 durchgegangen wäre.

Er sei ja inzwischen "ein alter lahmer Häuptling", der nicht mehr so könne, wie er wolle, verkündete Showmaster Balder kokett zur Eröffnung. Damit war auch gleich die Anwesenheit zweier ihm assistierender "Squaws" namens Texas-Trude und Pistolen-Paula erklärt - und die simple Show-Prämisse, dass nun an seiner Stelle ein Team aus drei Studio-Zuschauern gegen eine gleich starke Prominenten-Mannschaft Aufgaben aller Art zu absolvieren habe. "Schlag den Balder" mit Stellvertretern, sozusagen. Den Publikumsteilnehmern, so Balder, winke als Belohnung "richtig schönes Bargeld".

Ohne viel Umschweife wurden die angetretenen "Prominenten" Barbara Schöneberger, Ingo Naujoks und Oliver Petszokat präsentiert und die Studiokandidaten gekürt. Kurz erläuterte Balder die Spielregeln ("bei Gleichstand gewinnt mein Team"), dann ging’s los mit alberner Kirmes-Action wie Seilspringen, Lassowerfen und Kartenhausbauen in Saloon-Kulisse.

Erwartungsgemäß gestaltete sich der Übungsparcour sinnbefreit, trashig und infantil bis anzüglich. Und natürlich fügte er sich ins Boulevard-Profil des immer noch als Vollprogramm firmierenden Senders Sat.1. Doch übermäßiger Kulturpessimismus wollte erstaunlicherweise trotzdem nicht aufkommen.

Mit zunehmender Dauer konnte man sich eines zärtlichen Gefühls für die Low-Budget-Unterhaltung des altgedienten Torten- ("Alles nichts oder?!") und "Tutti Frutti"-Troubadours Balder nicht erwehren. Fast fühlte man sich an die glorreichen TV-Abenteuerspiele der Kulenkampff- und Frankenfeld-Zeit erinnert. Obwohl aufgezeichnet, verströmte die Sendung eine gewisse spontane Anarchie.

Mit dem modernen Allzweck-Matador Petszokat, der seine Sportlichkeit schon in Formaten von (Eis-)Tanz bis Karaoke unter Beweis gestellt hat, mit Barbara Schöneberger, die, von allen öffentlich-rechtlichen Anstandszwängen befreit, wie in die eigene Trash-Vergangenheit zurückversetzt wirkte, und mit dem bärbeißigen Mimen Ingo Naujoks hatte Balder ein überaus stimmiges Team für die Auftaktshow gewonnen. Wohl nicht umsonst wurde diese bereits im Oktober aufgezeichnete Revue als Ouvertüre für die Reihe gewählt.

Angenehm unverkrampft, sich selbst nicht im Geringsten ernst nehmend und mit ansteckend-unverhohlener Freude am Nonsens kämpften sich die Teilnehmer durch Prüfungen wie Reiten auf einem aufblasbaren Kunststoffbullen, Tomahawk-Werfen und Tischdeckenziehen, Gläser-über-die-Theke-Schubsen und Pistolenschießen. Klar parteiisch und immer wieder willkürlich das Regelwerk verändernd, führte Balder durch den Spielereigen. In diesem Kontext wirkten sogar die Musik-Acts The Boss Hoss und Gus Backus ("Da sprach der alte Häuptling der Indianer: Wild ist der Westen, schwer ist der Beruf") geradezu lässig-sentimental.

Zu guter Letzt galt es bei einem Wiedererkennungsspiel zuvor von Balder als "Bud Weiser", "Bloody Mary" und "Sitting Horst" gekennzeichnete Zuschauer möglichst schnell auf die Bühne zu holen. Allem Bemühen des Moderators zum Trotz konnten die Publikumskandidaten nicht gegen das Promiteam gewinnen – bekamen vom Zeremonienmeister aber trotzdem "500 Euro cash auf die Hand".

Ganz auf diesem Billigpreis-Niveau wird der Sender seinen wiederentdeckten Show-Dinosaurier wohl nicht bezahlen. Das Low-Budget-Retro-Konzept aber scheint ähnlich wie die zuletzt durchexerzierte Balder-Showreihe ("Jetzt geht’s auf den Rummel!") schlüssig in die Zeit zu passen. Schon fix verabredet sind die Folgen "Holldriöh! Die Alpenshow", "Schlotter! Die Gruselshow" und "Aloha! Die Südseeshow". Wie viele der restlichen 23 reservierten Mottoshows noch umgesetzt werden, muss die Pubikumsresonanz erweisen.