Philosophen Unbekannter Descartes-Brief entdeckt
Berlin - Der am 2. Oktober 1640 in Leiden an den niederländischen Diplomaten Joachim de Wicquefort (1600-1670) geschriebene Brief ist in Französisch verfasst, sagte ein Sprecher der Staatsbibliothek am Montag. Descartes befasst sich darin mit dem Manuskript der lateinischen Übersetzung seines Werkes "Météores", das der Philosoph mehr als ein Jahr zuvor an den Amsterdamer Professor Caspar Barlaeus (1584-1648) ausgeliehen hatte. Dieser wollte eine Kritik zu dem damals noch nicht gedruckten Werk verfassen. Als die Kritik jedoch auf sich warten ließ, bat Descartes seinen Freund Wicquefort, bei Barlaeus auf die Rückgabe des Manuskripts zu drängen.
"Der Fund ist sensationell, weil man Descartes bisher für komplett aufgearbeitet hielt", sagte Jeanette Lamble, Pressesprecherin der Staatsbibliothek zu Berlin. Die Briefe von und an den Philosophen wurden wiederholt veröffentlicht. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts konnten nur noch vereinzelt unbekannte Briefe Descartes' entdeckt werden. Der letzte Neufund liegt mehr als 25 Jahre zurück. Das jetzt in der Staatsbibliothek zu Berlin entdeckte Schreiben kam im Jahr 1926 aus dem Besitz des Berliner Industriellen Ludwig Darmstaedter (1846-1927) in die damalige Preußische Bibliothek. Die riesige Sammlung Darmstaedter mit insgesamt 218.000 Autographen wurde seit 1909 nach und nach als Geschenk an die heutige Staatsbibliothek zu Berlin übergeben.
Der unbekannte Brief Descartes' war nach Angaben der Bibliothek bereits im Mai diesen Jahres durch den Philosophen Erik-Jan Bos von der Universität Utrecht entdeckt worden. Er bereitet eine Neuausgabe der Descartes-Briefe des Jahres 1643 vor. Den Brief fand er in einer Mappe aus der Sammlung Darmstaedter, in der ansonsten bekannte Materialien von und zu Descartes aufbewahrt werden. Zusammen mit der Wissenschaftlerin Corinna Vermeulen hat Bos den Brief in der philosophischen Fachzeitschrift "studia leibnitiana" mit einem historischen und philologischen Kommentar veröffentlicht.