Pia Lücke in Paris: Tagebuch eines Models - DER SPIEGEL
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Pia Lücke in Paris Tagebuch eines Models

Pia Lücke hat es geschafft. Vielleicht. Bis zur Modewoche in Paris ist sie schon mal gekommen auf dem schweren Weg der Models. SPIEGEL ONLINE erzählt sie für die Dauer der Modewoche täglich, was sie so erlebt.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Paris - Pia Lücke ist 22, kommt aus Hamburg und studiert im dänischen Aalborg Germanistik und Kulturgeschichte. Doch seit Anfang Januar verbringt sie nun ihre Tage nicht mehr mit althochdeutschen Schriften, sondern damit, von Casting zu Casting zu hasten und ihre Set-Card zu zeigen. Ende 1999 hatte Pia in Peking an dem Modelwettbewerb "Supermodel of the World" der Agentur Eileen Ford New York teilgenommen. Dort wurde auch deren Pariser Agentur auf sie aufmerksam und lud sie prompt zur Modewoche nach Paris ein.

SPIEGEL ONLINE: Wie sah denn heute Ihr Tag bis jetzt aus?

Lücke: Ziemlich langweilig, ich liege nämlich mit Grippe im Bett. Ich hoffe aber, dass ich morgen wieder fit bin.

SPIEGEL ONLINE: Seit wann sind Sie in Paris?

Lücke: Ich bin am 3. Januar angekommen. Bis jetzt war ich bei einigen Castings, unter anderem bei Thierry Mugler, Chanel und Yves-Saint-Laurent. Man geht da hin und zeigt sein Buch mit seinen Fotos vor und wird von oben bis unten gemustert. Wenn es um Magazinfotos geht, muss man einfach nur dastehen. Wenn es um Shows geht, muss man ein Paar Schritte machen, damit die auch sehen können, wie man läuft. Das ist eigentlich schon alles.

SPIEGEL ONLINE: Welche Bedeutung haben diese Castings?

Lücke: Von ihnen hängt eigentlich alles ab. Wenn man gebucht wird und Jobs bekommt, wird man auch bekannter.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie denn schon einen der ganz Großen persönlich gesehen?

Lücke(lacht): Nein, bis jetzt noch nicht.

SPIEGEL ONLINE: Fühlen Sie bei den Castings nicht wie bei einer Fleischbeschau?

Lücke: Überhaupt nicht. Es ist ja nicht so, dass ich begafft werde. Ich fühle mich sehr wohl dabei.

SPIEGEL ONLINE: Ist modeln für Sie ein Traumberuf?

Lücke: Für mich ist das alles eigentlich eher wie aus heiterem Himmel gekommen. Ich muss auch sagen, dass ich ja relativ alt für das Geschäft bin. Deshalb habe ich wohl auch eine andere Sichtweise als einige andere hier. Ich kenne die Nachteile des Modelberufs. Dass man schnell sehr einsam sein kann, dass man sich unter Umständen irgendwann tatsächlich nur noch wie auf einer Fleischbeschau fühlt und so weiter. Ich denke, ich bin nicht so naiv wie die meisten hier, denn die sind so zwischen 17 und 18, teilweise sind auch 14-Jährige darunter. Und die sehen das natürlich mit ganz anderen Augen.

SPIEGEL ONLINE: Wie soll es jetzt weitergehen?

Lücke: Ich gehe weiter zu Castings und werde sehen was dabei herauskommt. Es bleibt also erst mal spannend.

Das Interview führte Birgit Lutz