Pinakothek der Moderne "Geburtsstunde eines Weltmuseums"
München - "So ein Rosthaufen", rief ein Zaungast bei der feierlichen Eröffnung der Pinakothek der Moderne am Montag in München. Das despektierliche Urteil galt der monumentalen Eisenskulptur des baskischen Bildhauers Eduardo Chillida, die Bundespräsident Johannes Rau, der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber und sein Kunstminister Hans Zehetmair gemeinsam enthüllten. Zehetmair antwortete der Stimme aus dem Volk: "Du verstehst was vom Bier, aber der hier versteht was von Kunst!"
Der unbekannte Kritiker stand mit seinem Urteil ohnehin allein da. Nachdem schon die Fachleute des Lobes voll gewesen waren, "einen großen Wurf" feierten wie das ARD-Kulturmagazin "Titel, Thesen, Temperamente" oder die Pinakothek der Moderne verglichen mit dem Centre Pompidou in Paris und dem Museum of Modern Art in New York wie die "Süddeutsche Zeitung", hatten die Festredner Mühe, noch höhere Töne anzuschlagen.
Bei einem Rundgang äußerte sich Rau "ungeheuer beeindruckt" von den Sammlungen. Stoiber sprach von einem "neuen Juwel der europäischen Kulturlandschaft" und "einem großen Tag für Deutschland und die Kunst". Der Generaldirektor der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, Reinhold Baumstark, pries die Eröffnung der dritten Pinakothek als "Geburtsstunde eines Weltmuseums" und nutzte die Gelegenheit für den Wahlkampf. Neben den beiden Pinakotheken von König Ludwig I. sei die Pinakothek der Moderne schönster Ausdruck von Stoibers Regierungstätigkeit in Bayern: eine "Sternstunde der Kulturpolitik".
Auf dem Weg dahin habe es allerdings manchmal "gehagelt, geblitzt und gedonnert", räumte Zehetmair ein. Er und Stoiber nutzten die Gelegenheit, den versammelten Mäzenen und Tausenden von Bürgern zu danken, die insgesamt über 13 Millionen Euro gespendet und den knapp kalkulierten Museumsbau so erst möglich gemacht hatten. Und dem lange fast angefeindeten jungen Architekten Stephan Braunfels gestanden sie nun endlich zu, dass er ein Meisterwerk geschaffen habe. "Jetzt herrscht Sonnenschein", sagte Zehetmair.
Auf 12.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche werden den Besuchern neben der modernen Kunst zugleich drei international bedeutende Sammlungen für Design, Grafik und Architektur präsentiert. Das ermöglicht erstmals, Bezüge zwischen den Kunstgattungen unmittelbar anschaulich zu machen. "Sehen Sie Minister Zehetmair: Der geht nicht durch die Ausstellung, der wandelt!" sagte Stoiber zu Rau, bevor sie von Picassos Gemälden weiter schlenderten zu einem stromlinienförmigen Tatra-Automobil von 1937.
Die meisten Werke und Objekte hatten bislang ein Schattendasein in verstreuten Ausstellungen und Depots geführt - unter anderem in einem Seitenflügel des von den Nazis errichteten Hauses der Kunst. Baumstark erinnerte an die "Zeiten der Schande", in denen die Nazis die moderne Kunst mit einer großen Ausstellung in München als entartet verfemt hatten. Jetzt hätten der Freistaat und Münchner Bürger dieser Kunst eine "Kathedrale des Lichts und der Schönheit" errichtet.
Bayern werde "allen Ansätzen zu einem kulturellen Zentralismus auch künftig eine Absage erteilen", sagte Stoiber. Der föderalistische Wettbewerb zwischen den Ländern sei die Grundlage für kulturellen Reichtum und Vielfalt in Deutschland. Auf Nachfrage erklärte er, das Amt des Kulturstaatsministers des Bundes würde er als Kanzler beibehalten.