Pop-Art Die enthüllte Madonna
London - Ein bisschen beleidigt ist Peter Howson, 44, schon, dass sich das Objekt seiner kreativen Betätigung noch nicht zu seinen neuesten Werken geäußert hat. Über die letzten zehn Jahre hinweg widmete sich der renommierte Künstler immer wieder der Pop-Ikone Madonna und schuf diverse Porträts der Sängerin, die nun - nachdem sie in der britischen Presse bereits unbesehen kontrovers diskutiert wurden - endlich der Öffentlichkeit präsentiert werden.
Lukrative Einladungen von Galerien aus New York, Paris und Los Angeles lehnte Howson ab, er wollte seine neuen Arbeiten ganz bewusst in der kleinen Maclaurin Art Gallery im schottischen Ayr ausstellen: "Ich hatte eine meiner ersten Vernissagen hier und bin sehr begeistert, dass sie einverstanden waren, meine neuen Gemälde hier zu zeigen", sagte der aus Prestwick in Ayrshire stammende Künstler gegenüber der "BBC".
Obwohl Howson der festen Überzeugung ist, dass Madonna sich angesichts seiner Werke "geschmeichelt" fühlen dürfte, gibt er zu, sich nicht ganz sicher über die Reaktion ihres Ehemanns Guy Ritchie zu sein, denn einige der Gemälde Howsons zeigen die Sängerin nackt. "Er wird wahrscheinlich herkommen und mich verhauen", scherzte der Künstler im Vorwege der Ausstellungseröffnung am Mittwoch.
Das Anliegen des Künstlers war es, "Madonna als mächtige und charismatische Person" zu zeigen und nebenbei ihre religiöse Erziehung und ihr öffentliches Image thematisch einzuflechten. Howson inszenierte die Sängerin in biblischen Themen und Mariendarstellungen und porträtierte die Pop-Ikone in kräftigen Farben mit opulenten Körperformen. Die Sängerin, eine eifrige Sammlerin von Howson-Gemälden, hatte sich in den vergangenen Jahren öfter mit dem Maler getroffen, um ihm - keusch und bekleidet - Modell zu sitzen. Nackt-Sessions lehnte sie vehement ab. Für seine Akt-Gemälde musste Howson sich also allein auf seine Vorstellungskraft stützen - kein Grund für Eifersüchteleien seitens des Ehemanns, der seiner Gattin - gerüchteweise - sogar verboten hatte, sich Howson unbekleidet zu zeigen.
Peter Howson wurde Anfang der achtziger Jahre als Vertreter der "New Glasgow Boys" bekannt. Seine Gemälde wurde unter anderem in der Londoner Tate Gallery und im New Yorker Museum of Modern Art ausgestellt. Während des Balkan-Konflikts wurde Howson von der britischen Regierung zum "offiziellen Kriegskünstler" ernannt. Die neue Ausstellung markiere "einen Neuanfang" für den lange alkohol- und drogenabhängigen Künstler, er fühle sich "wie neugeboren", sagte er zu BBC.
Die Schau, in der auch Howsons Interpretationen der Terrorattentate vom 11. September zu sehen sind, heißt schlicht "New Works" und läuft bis zum 4. Juni in Schottland, bevor sie auf eine Wandertournee durch international renommierte Galerien gehen soll.