Potsdamer Platz: Nostalgie statt Neonlicht - DER SPIEGEL
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Potsdamer Platz Nostalgie statt Neonlicht

Zwischen der Glas- und Stahl-Architektur am Potsdamer Platz soll alter Glanz aufpoliert werden: Im frisch restaurierten Grand Hotel Esplanade wird sogar das berühmte "Café Josty" neu eröffnet.
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Nach dem Wiederaufbau des legendären Hotel Adlon öffnet am 27. April auch das Grand Hotel Esplanade am Potsdamer Platz erneut seine Pforten. Im Frühstücksaal des Nobelhotels findet sich ein Herzstück des Stadtviertels - "Café Josty". Es erinnert an das gleichnamige Café, in dem in den zwanziger Jahren Schriftsteller wie Erich Kästner und der spätere Hollywood-Regisseur Billy Wilder in ihren Milchkaffees rührten.

Damals fanden im Grandhotel auch Tanztees statt. Internationale Prominenz wie Charly Chaplin logierte im feinen Haus. Von dieser Atmosphäre will nun der 36-jährige Österreicher Gerhard Lengauer in seinem neuen Haus so manches aufleben lassen. Es soll nach Kaffee duften, nach Buttercreme- und Sahnetorten. Fein und behaglich werde es zugehen, sagte der Gastronom voraus. Selbst die Marken der angebotenen Zigarren und Zigaretten sollen auf der Speisekarte stehen.

Vom Ruinengrundstück zum Glaspalast

Das Grand Hotel Esplanade war 1908 eröffnet worden. Es erlebte zwei glanzvolle Jahrzehnte. Was nach den Bomben auf Berlin übrig blieb, waren vor allem der Frühstückssaal und der Kaisersaal. Beide dienten in dem Ruinengrundstück nach 1945 als Filmkulisse, Bar und Restaurant. Der Sony-Konzern kaufte schließlich 1991 das Gelände mit dem Esplanade. Er investierte nach eigenen Angaben 50 Millionen Mark in die Sanierung sowie den Bau des Sony-Centers. Architekt Helmut Jahn hat diesen modernen Glaspalast entworfen.

Die Original-Säle des einstigen Grandhotels mit Stuck und Marmor wirken nun im Gesamtkomplex wie eine Reliquie aus der "guten alten Zeit". Dass auch der Kaisersaal erhalten blieb, ist nicht allein den Denkmalschützern, sondern auch den Investoren zu verdanken. Sie finanzierten die spektakulärste Aktion des Umbaus: die Verschiebung des 1300 Tonnen schweren Saals auf einem Luftkissen um 75 Meter zu seinem jetzigen Standort im Gebäudekomplex, der dem Bauherrn besser in das Konzept passte. 20 Tage hatte dieses Unternehmen gedauert.

Lüster und Ledersessel

Lengauer will jetzt im neuen Café Josty moderne Gastronomie mit Komfort und nostalgischer Atmosphäre zusammenbringen. Rote Ledersessel und Sofas sollen in der Bar des Cafés stehen. Darüber wölben sich Stuckdecken aus der Kaiserzeit. Dazu wurde auch Originalbeleuchtung gefunden, nämlich Kronleuchter aus dem berühmten Hotel. Selbst der Bar-Bereich soll "hochherrschaftlich aussehen", sagt der Hausherr. Er wurde immerhin mit hohem Aufwand im Stil der Kaiserzeit restauriert. Das Café wird nach Überzeugung der Investoren mit zum Flair des neu gestalteten Potsdamer Platzes beitragen. Es wird von Städteplanern als eine Ergänzung zu der Nobelmeile zwischen dem Brandenburger Tor mit Pariser Platz, dem dort beginnenden Boulevard Unter den Linden mit dem Hotel Adlon und der Lindenlife-Kette bis zur Stadtmitte gesehen.

Von Joe F. Bodenstein, ap