Private Handybilder: Sänger Daniel Michel von Liedfett - DER SPIEGEL
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Private Handybilder "Einmal nicht den Pimmel zeigen"

Viele von uns haben unzählige Fotos auf dem Handy gespeichert - und eines davon ist das wichtigste. Für "Eins aus tausend" spricht Anne Backhaus mit Menschen über ihr Lieblingsbild. Dieses Mal: Der Sänger Daniel Michel.
Daniel Michels Lieblingsfoto: Mal ohne Genital
Daniel Michels Lieblingsfoto: Mal ohne Genital

Daniel Michels Lieblingsfoto: Mal ohne Genital

Foto: Daniel Michel
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?
Zur Person

Daniel Michel, 35, lebt in Hamburg, ist Schauspieler und Sänger der Pop-Band "Liedfett" . "Ich stehe auf Sinnloses und fotografiere einzig zur Belustigung", sagt Michel. "Ernsthaft würde ich nur Fotos von Street Art machen, aber das tue ich nie, weil die ja dazu gedacht ist, auf der Straße gesehen zu werden." Michel hat 1180 Fotos auf seinem Handy.

SPIEGEL ONLINE: Herr Michel, Ihr Lieblingsbild zeigt einen nackten Frauenschoß. Ich fürchte, das kann ich nicht veröffentlichen.

Michel: Ach, kommen Sie, das ist Kunst! Außerdem habe ich Sie reingelegt, das ist mein Schritt. Ich habe einfach alles nach hinten geklemmt.

SPIEGEL ONLINE: Das sieht allerdings nicht so aus. Warum ist Ihnen das Bild denn wichtig?

Michel: Das Foto habe ich extra für unsere WhatsApp-Tourgruppe gemacht. Es ist das Profilbild des wichtigsten Chataustausches der Welt.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie vielleicht noch ein anderes Foto, das Ihren Gefühlen für die Chat-Gruppe entspricht?

Michel: Na gut, das hier.

SPIEGEL ONLINE: Die Band vereint, mit Tattoos am Hals. Sind nur sie drei in der Chat-Gruppe?

Schauspieler und Sänger Michel: Bloß kein richtiger Mann sein!

Schauspieler und Sänger Michel: Bloß kein richtiger Mann sein!

Foto: Anne Backhaus

Michel: Wir sind insgesamt sieben Leute, der Neueste ist Kolle. Er hat sich extra WhatsApp angeschafft, um dabei zu sein. Ich bin mir sicher, er hat es bisher keinen Tag bereut.

SPIEGEL ONLINE: Was teilen Sie dort?

Michel: Vor allem viele Fotos. Es gibt inzwischen so viele Bilder, die machen uns noch die nächsten Jahre glücklich.

SPIEGEL ONLINE: Was fotografieren Sie denn?

Michel: Hässliche Dinge. Morgens im Hotel, genau dann, wenn man überhaupt nicht aufstehen will, muss man als erstes ein Foto von sich in die Gruppe posten. Das geht dann über den Tag so weiter, da wird alles rausgeballert. Völlig demontiert, aber wir lachen uns darüber kaputt und sind täglich 22 Mal da drin. Wer den Gruppenchat gesehen hat, den kann nichts mehr schocken. Manches, was wir tun, finden wir sogar selber zu abstoßend.

SPIEGEL ONLINE: Sie kommen ja auch auf der Bühne ziemlich rüpelhaft daher, da verwundert das eigentlich nicht.

Michel: Seien Sie froh, dass Sie nicht in der Gruppe sind! Wollen Sie rein? Man muss dabei gewesen sein, um uns wirklich zu verstehen. Wir fühlen uns zum Beispiel gar nicht so männlich, wie wir immer tun. Meine Freundin meinte letztens: "Ich will einen richtigen Mann." Da habe ich gerufen: "Nicht mit mir!"

SPIEGEL ONLINE: Sind Sie schon länger zusammen?

Michel: Ja, und ich habe sogar das Schrittfoto in ihrem Bett gemacht. Da lag ich direkt nach einer Tour und habe ihr erklärt, dass ich zwei Tage Pause brauche und gepflegt werden muss. Ich war ein leidender Schweinehund, aber für das Foto hatte ich zum Glück noch Kraft.

SPIEGEL ONLINE: Warum haben Sie Ihren Penis weggeklemmt, wenn in Ihrer Gruppe doch alles gezeigt wird?

Michel: Ich arbeite auch als Schauspieler und irgendwann ist mir aufgefallen, dass man in jedem meiner Filme meinen Pimmel sieht. Das war mir vorher nie bewusst und als ich es realisiert habe, dachte ich, ab jetzt wird das anders. Einmal nicht den Pimmel zeigen! Bisher hat das bei meinen Rollen nicht geklappt, dafür aber zumindest bei dem Gruppenchat-Profilfoto. Die Band ist mir zum ersten Mal dankbar.


Zur Autorin
Foto: Anne Backhaus

Anne Backhaus, Jahrgang 1982, bekam die Idee für "Eins aus tausend", als sich auf ihrem Handy 3574 Fotos angesammelt hatten und sie aus Speichermangel löschen musste. Das ging viel leichter als befürchtet. Backhaus lebt in Hamburg, im Anschluss an ihr Volontariat bei SPIEGEL ONLINE arbeitete sie als Video-Reporterin für die Redaktion. Heute reist sie als Autorin und Filmemacherin um die ganze Welt. Von den Menschen, die sie unterwegs trifft, finden sich einige mit ihrer Foto-Geschichte hier wieder.