Promi-Epiphanie: Ich habe Suri gesehen! - DER SPIEGEL
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Promi-Epiphanie Ich habe Suri gesehen!

Es gibt kein Bild von ihr, dafür erscheint sie regelmäßig amerikanischen Prominenten: Suri, Tochter von Hollywood-Star Tom Cruise, ist die angesagteste Epiphanie der Popkultur.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Zuletzt ist sie Penelope Cruz erschienen: Die spanische Schauspielerin schwärmte von einem der schönsten Babys, das sie je gesehen habe. Gemeint war Suri, die Tochter von Hollywood-Superstar Tom Cruise, mittlerweile dreieinhalb Monate alt und bislang nur als Augenzeugenbericht verfügbar.

Weil Cruise und Partnerin Katie Holmes ihre Tochter bislang nicht zum fotografischen Abschuss freigegeben haben, kursieren bereits Gerüchte: Existiert sie wirklich? Gärtner versicherten einem Hochglanzmagazin, die Mutter mit Kind auf der Veranda erkannt zu haben; ein Lieferant bezeugte: "Ich habe eine Wiege gesehen."

Das Kind selbst aber kommt auf die Auserwählten wie eine Erscheinung: Vor Cruz hatte "King of Queens"-Darstellerin Leah Reminini bestätigt, das Kind sei wunderschön. Und auch Jada Pinkett-Smith wurde Zeugin des Wunders: Suri, ein herrliches Kind.

So hat sich die Popwelt eine zeitgemäße Epiphanie geschaffen. Wie in der Antike eine Gottheit sich den Menschen offenbarte, so zeigt sich Suri einigen wenigen (mit Starruhm) Gesegneten. Sie können die frohe Botschaft weitertragen, die das Boulevard-Blatt "B.Z." unlängst jubilierend zusammenfasste: "Suri existiert!"

Bilderverbot und Offenbarungseifer: Wenn da nicht die reine Leere der Transzendenz im Schwange ist. Du sollst dir kein Bildnis machen, donnerte damals der gestaltlose Gott am Sinai - heute erschallen die Hymnen auf die beispiellose Schönheit der Schöpfung aus Hollywood.

Ein schnödes Foto würde der Erhabenheit dieses Phänomens nicht gerecht; solchen Erscheinungen kommt allenthalben die abstrakte Kunst bei. Für sie gilt ebenfalls das Bilderverbot, in ihrer höchsten Form - in Malewitschs "Schwarzem Quadrat" zum Beispiel - bildet sie nichts mehr ab als sich selbst. Wie der biblische Gottesname wird sie restlos selbstbezüglich: Ich bin, der ich bin.

Man braucht also kein Bild von Suri, ein weißes Viereck im Fotoalbum genügt. Dazu höret die Stimme der von heiligem Schauer Beseelten.

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