Quotendilemma: Sat.1 kippt "Talk der Woche" - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Quotendilemma Sat.1 kippt "Talk der Woche"

Am 7. August startete Bettina Rusts "Talk der Woche". Die Erwartungen waren hoch, die Moderatorin galt als Idealbesetzung für ein vielseitiges Gespräch jenseits der gängigen Talkshow-Standards. Doch die Quote sackte tiefer und tiefer. Jetzt zog Sat.1 die Konsequenzen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Anfang August bat sie der "Tagesspiegel" zum Interview und fragte, wie hoch ihre Vorgabe bei der Quote sei. "Ich habe keine", hatte Bettina Rust damals geantwortet und angefügt: "Vielleicht werden sie irgendwann morgens bei mir klopfen und sagen: 'Frau Rust, Sie wissen es vielleicht nicht, aber Sie haben vier Monate lang unter drei Prozent gehabt. Jetzt ist es vorbei'."

Das Klopfen kam, heute sollte es auch die Öffentlichkeit vernehmen: Ein Sprecher von Sat.1 gab das Aus von Rusts Sendung "Talk der Woche" bekannt. Man habe sich mit der Moderatorin und der Produktionsfirma AVE darauf geeinigt, die Zusammenarbeit mit sofortiger Wirkung zu beenden.

Noch vergangenen Sonntag hatte Rust ihre Sendung mit einem verzweifelten Appell an die Zuschauer eröffnet: "Mich hat geärgert, dass die Quote in der letzten Woche so desaströs war", sagte die 38-jährige Journalistin. "Ich weiß nicht, ob Sie daran schuld waren. Bitte, bleiben Sie dran!"

Am darauf folgenden Montag war klar: Die als Konkurrenz zum Polit-Talk "Sabine Christiansen" lancierte Sendung versank endgültig im Quotentief. Nur 770.000 Zuschauer hatten eingeschaltet, in der für die Werbung wichtigen Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen laut Sat.1 sogar nur 370.000.

Hatte die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" noch am Anfang geschwärmt, "so eine wie sie hat dem Fernsehen gefehlt" - dem Sender fehlten vor allem Marktanteile: 4,4 Prozent schaffte der "Talk" im Schnitt bei der von Werbetreibenden als besonders konsumfreudig eingestuften Zielgruppe im Alter von 14 bis 49, angepeilt waren jedoch zehn.

Sat.1-Geschäftsführer Roger Schawinski erklärte der dpa, er habe sich das Format "sehr lange gewünscht", die Zuschauerzahlen seien jedoch "eindeutig". Man werde deshalb nicht versuchen, mit einem anderen Konzept eine Talk-Runde zu starten, wie Sat.1-Sprecherin Kristina Faßler der Nachrichtenagentur ddp erklärte.

Faßler unterstrich, dass keine der aktuellen Talk-Sendungen im deutschen Fernsehen bei den 14 bis 49 Jahre alten Zuschauern einen Marktanteil von über 6,6 Prozent erreiche. Offenkundig würden politisch orientierte Gesprächsrunden massiv von jüngeren Zuschauern abgelehnt. Rust selbst trug es mit Fassung: "Es wäre toll gewesen, wenn mehr Leute Spaß an der Sendung gehabt hätten. Das ist nicht so, und deshalb ist die Entscheidung richtig."

Spaß ist auch das Stichwort bei der weiteren Programmgestaltung auf Rusts ehemaligem Sendetermin: Ab kommenden Sonntag zeigt Sat.1 ab 22.30 Uhr die Comedyshows "Die dreisten Drei" und "Mensch Markus".