Raabs Nacht der Stars: Mach mal Pause, Stefan! - DER SPIEGEL
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Raabs Nacht der Stars Mach mal Pause, Stefan!

Alte Gags, bekannte Swing-Nummern, B- statt A-Promis: Mit seiner gestern Abend ausgestrahlten "Nacht der Stars" hat sich ProSiebens Allzweckwaffe keinen Gefallen getan. Die Show markiert dennoch einen neuen Trend des Senders, Mitt- und Enddreißiger zu umgarnen.
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Der Anfang war ganz Parodie: Da ließ sich Stefan Raab Zigarre rauchend auf dem Weg vom Backstage-Bereich zur Bühne filmen, von dienstbaren Geistern eine Fliege zum schicken Smoking umbinden, simulierte, in bester Juhnke/Sinatra-Manier schnell einen zu kippen, und gab bereitgestellten Groupies Autogramme. Auch seine "Servus, Grüezi und Hallo"-Begrüßung passte noch zum "Ich parodiere die große Show"-Gestus, mit dem das ProSieben-Aushängeschild seine gestrige "Nacht der Stars" eröffnete.

Es dauerte aber nicht lange, bis die Ernsthaftigkeit der Veranstaltung sicht- und hörbar wurde: Raabs "Last Christmas"-Duett mit Ex-GZSZ-Starlet Jeanette Biedermann war mit "so romantisch, so sexy" zwar etwas sehr emphatisch beschrieben, aber die begleitende 20-köpfige "Heavy Tones"-Bigband bestand aus seriösen Musikern und Comedian Wigald Boning überraschte an Querflöte und Saxofon.

Nun ist ja seit langem und durch eine Vielzahl sogenannter TV-Events bekannt, dass der Universal-Entertainer Raab mehrere Gesichter hat: Schließlich richtet der gelernte Metzger, der einst als Viva-Moderator begann, für seinen derzeitigen Heimatsender so unterschiedliche Veranstaltungen wie Boxen, Turmspringen und Wok-"Weltmeisterschaften" aus und genießt praktisch völlige Narrenfreiheit. Und dass neben all diesen Facetten - darunter die nicht zu vernachlässigende des Geschäftsmannes - die Musik im Raabschen Kosmos eine zentrale Rolle spielt, weiß man auch: Raab ist nicht nur Hitlieferant ("Maschendrahtzaun"), Grand-Prix-Teilnehmer ("Wadde hadde dudde da") und Produzent ("Can't Wait Until Tonight"), sondern auch Talentscout und Ausrichter des Anti-ARD-Wettbewerbs "Bundesvision Song Contest", der am 9. Februar zum zweiten Mal stattfindet.

Das gestrige Format markiert dennoch einen speziellen neuen Trend: Die Mitt- bis Enddreißiger der einstigen Spaß-Generation werden halt doch langsam erwachsen, und der Zielgruppensender ProSieben will mitgehen und sein Spektrum erweitern. Kürzlich kündete bereits - bei aller auch hier vorhandenen ironischen Brechung - ein Tanzturnier mit Oliver Pocher auf demselben Kanal von der Sehnsucht nach Stil und Glamour. Raab selbst, offenkundig inspiriert vom Robbie-Williams-Album "Swing when you're winning", präsentierte bereits im Frühjahr ein Swing-Special. Wahrscheinlich war es saisonal bedingt, dass es nun zu dieser Neuauflage kam, und genau darin bestand das Problem.


Viele der dargebotenen Nummern hatte der interessierte Zuschauer schon gesehen: Reinhard Meys "Über den Wolken" in englischer Version etwa beim Deutschen Fernsehpreis, Robbie Williams' "Rock DJ" bei oben genannter Swingshow, und auch den Gag mit der Stimmveränderung per Heliumzufuhr hat Raab schon gebracht. Da half auch sein unablässig vorgetragener Hinweis, alles sei live und "jeder Pups echt" nicht weiter - zumal er nicht ganz stimmte; es handelte sich um eine Aufzeichnung.

Bei allem Respekt vor Raabs disziplinierter Koordinationsleistung als Conférencier, Sänger und Instrumentalist (am Schlagzeug solo und im Trio mit Max Mutzke und Tom Gäbel) - die Show hatte den faden Beigeschmack des Reproduzierten. Vielleicht hätte sich der unablässig performende Raab selbst ein paar mehr Pausen gönnen sollen, vielleicht hätte eine etwas größere musikalische Bandbreite für mehr Pep gesorgt - so jedenfalls verbreitete die andauernde Verswingung von halbwegs witzig ins Englische übertragenen Schlagern (Wolfgang Petrys "Das ist Wahnsinn" feierte als "That's crazy" Wiederauferstehung) mit zunehmender Dauer doch eine gewisse Eintönigkeit.

Dagegen vermochten auch starke Gastauftritte von Ex-Spice-Girl Mel C oder US-Sänger Michael Bublé nichts auszurichten. Abgesehen davon, dass viele Gäste eben nicht die mehrfach angepriesenen "Besten der Besten" waren, sondern doch nur Oli. P und Ex-No-Angel Lucy, die "Flugzeuge im Bauch" darboten. Oder Thomas Anders mit einem grausamen Verschnitt des Modern-Talking-Hits "You're My Heart, You're My Soul".

Entsprechend dürftig fiel mit 1,43 Millionen Zuschauern die Quote aus (Marktanteil: 4,3 Prozent), in der Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen sah es unwesentlich besser aus (1,13 Millionen Zuschauer/8,6 Prozent Marktanteil). Zum Vergleich: Mit dem 15 Jahre alten Spielfilm "Kevin - Allein zu Haus" erzielte Vox zeitgleich mehr als 14 Prozent Marktanteil. Sorgen muss man sich deswegen um Raab natürlich nicht: Wer so fest in der ProSieben-"Star Force" verankert ist und so viel Freude an der televisionären Aktion hat, den ficht ein solcher kleiner Einbruch nicht an. Bereits am 31.12. ist Raab mit einem "TV total - Silvester-Spezial" wieder auf Sendung.