Radikaler Sparkurs BBC will 2900 Stellen streichen
London - 320 Millionen Pfund (463 Millionen Euro) will der britische Fernseh- und Radiosender BBC jährlich sparen. Erste Maßnahme des radikalen Sparkonzepst: die Streichung von 2900 der insgesamt 27.000 Stellen im Laufe der nächsten drei Jahre.
Nur so könne die Zukunft des Senders gesichert werden, erklärte Generaldirektor Mark Thompson heute in London. Die Regierung werde die Finanzierung der BBC über Rundfunkgebühren nur dann beibehalten, wenn sie davon überzeugt sei, dass das Geld nicht verschwendet werde, sagte der Senderchef. 2006 läuft die Lizenzvereinbarung mit der Regierung aus und wird derzeit von der Regierung überprüft. Die britische Rundfunkgewerkschaft Bectu reagierte schockiert und kündigte Streiks an
Die Stellenstreichungen erfolgen vor allem in der Verwaltung. Die BBC müsse mehr Geld in Inhalte und weniger für bürokratische Abläufe investieren, so Thompson. Allerdings sollen im kommenden Jahr auch in den Nachrichtenredaktionen Journalistenstellen wegfallen.
Etwa 2000 Beschäftigte müssen im Laufe der nächsten fünf Jahre außerdem von London nach Manchester umziehen. Thompson verspricht sich von der Maßnahme eine besser auf die Wünsche der Hörer und Zuschauer abgestimmtes Programm. Bislang wurde der BBC von ihren Kritikern oft vorgeworfen, ein "Metropolen-Sender" zu sein, der sich hauptsächlich auf die Meinungen und Interessen der Londoner Elite repräsentiert.
Thompson, der ehemalige Chef des Privatsenders Channel 4, hatte in diesem Jahr den Chefposten von Greg Dyke übernommen, der wegen der Kelly-Affäre zurückgetreten war. Unter Berufung auf den Waffenexperten David Kelly hatte die BBC im vergangenen Jahr berichtet, die Regierung Blair habe die von Saddam Hussein ausgehende Gefahr bewusst aufgebauscht, um das britische Engagement im Irak-Krieg zu legitimieren.
Als Kelly als Quelle öffentlich bekannt wurde, nahm sich dieser das Leben. Die nachfolgende Untersuchung unter Lordrichter Brian Hutton kam zu dem Schluss, dass die BBC Kellys Vorwürfe verzerrt und die Regierung teilweise zu Unrecht angegriffen hatte - für den weltweit für seine Unabhängigkeit und Verlässlichkeit geschätzten Sender ein schwerer Schlag.