Radikales Sparprogramm Protest gegen Stellenabbau bei Sat.1
Berlin - Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) protestiert gegen einen drohenden Stellenabbau beim Medienkonzern ProSiebenSat.1 aus "puren Renditeerwägungen der Eigentümer". Der DJV-Bundesvorsitzende Michael Konken sagte in Berlin, es sei ein medienpolitischer Skandal, dass die Senderkette offensichtlich ihr komplettes Informationsangebot streichen und auf diese Weise rund 250 Arbeitsplätze im Bereich des Fernsehjournalismus vernichten wolle.
Die Zeitung "Euro am Sonntag" hatte am Wochenende vorab unter Berufung auf Unternehmenskreise berichtet, dass bis zu 300 Stellen gestrichen werden sollen. In anderen Medienberichten war von rund 200 bedrohten Jobs an den Standorten Berlin und München die Rede.
Nach SPIEGEL-Informationen soll beim kriselnden Kanal Sat.1 die quotenstarke Sendung "Sat.1 am Mittag" ganz wegfallen - die circa 35 Mitarbeiter seien angeblich leicht zu kündigen. Auch die Sendungen "Sat.1 am Abend" und Sat.1 News - Die Nacht" stünden auf der Abschussliste; bei der "Blitz"-Redaktion seien Kürzungen im Gespräch.
Am Dienstag findet in München eine Hauptversammlung statt, auf der womöglich Details bekannt gegeben werden. Der Betriebsrat des Konzerns will sich energisch dafür einsetzen, soziale Härten zu vermeiden, hieß es. Am Donnerstag soll in München ein standortübergreifendes Treffen mit allen Betriebsratsvorsitzenden und der Geschäftsführung stattfinden.
Als Hintergrund der geplanten Entlassungen gilt der Renditedruck der neuen Eigentümer, die Finanzinvestoren KKR und Permira. Thomas Krenz, Deutschland-Chef von Permira, und ProSiebenSat1.-Finanzchef Lothar Lanz hatten vor Monaten noch versichert, man werde keine Jobs abbauen. Laut SPIEGEL räumt nun aber selbst Sender-Chef Guillaume de Posch ein, dass ein solcher Schritt geplant sei.
Posch will die Rendite in den nächsten Jahren von derzeit 22,2 Prozent auf bis zu 30 Prozent erhöhen, außerdem drücken über vier Milliarden Euro Schulden. Dennoch will sich der Aufsichtsrat auf der Hauptversammlung höhere Gehälter genehmigen lassen.
dan/ddp