RAF-Ausstellung Bundeszentrale für politische Bildung steigt aus
Berlin - Er gehe davon aus, dass sich eine Kooperation mit dem neuen Konzept des Berliner Ausstellungshauses "Kunst-Werke" vom Wochenende erledigt habe, sagte der Präsident der Zentrale, Thomas Krüger, am Dienstag im Inforadio Berlin-Brandenburg. Er kündigte zugleich an, dass die Bundeszentrale für politische Bildung jetzt möglicherweise einen eigenen Weg in der Befassung mit dem Thema RAF gehen werde.
Der Beirat des Hauptstadt-Kulturfonds hält dennoch an seiner Finanzzusage über 100.000 Euro für die umstrittene Ausstellung fest. Der alte wie der neue Beirat hätten auf ihrer jüngsten Sitzung beschlossen, an der Förderzusage vom Januar festzuhalten, sagte die Kuratorin des Fonds, Adrienne Goehler, am Dienstag. Die Ausstellungsmacher müssten bis zur nächsten Sitzung im November allerdings noch ein neues Finanzierungskonzept vorlegen.
Zunächst seien die Ausstellungsmacher mit ihrem ersten Entwurf von einer Verknüpfung von künstlerischer und zeitgeschichtlicher Sicht an die Zentrale herangetreten, sagte Krüger. Nun wollten sie sich auf den reinen Kunst-Aspekt konzentrieren. Nach der scharfen Kritik von zahlreichen Politikern und den Angehörigen der RAF-Opfer hatte das Ausstellungshaus sein Konzept verändert. "Die Kunst muss bei dieser Ausstellung im Mittelpunkt stehen", heißt es jetzt.
"Leider ist durch die wirklich hysterische Diskussion in der Öffentlichkeit eine andere Situation eingetreten, aus der die 'Kunst-Werke' Konsequenzen gezogen haben - das ist ihr gutes Recht. Ich finde das sehr bedauerlich", sagte Krüger. "Ich glaube, dass gerade die Verknüpfung dieser beiden Komponenten auch junge Leute erreicht hätte, die zum Beispiel rein dokumentarischen Ausstellungen eher distanziert gegenüberstehen." Das sei die Chance einer solchen Kooperation gewesen.
Die Bundeszentrale werde nun eventuell selbst eine Ausstellung über die Terrororganisation Rote-Armee-Fraktion vorbereiten, weil sie "nie und zu keiner Zeit in ihrer 51-jährigen Geschichte zeitgeschichtliche Tabuthemen akzeptiert" habe, sagte deren Präsident. Gerade die scharfe öffentliche Diskussion verweise auf einen enormen Bedarf, das Thema RAF in der Öffentlichkeit zu verhandeln.