Reaktionen "Er wollte so gerne ein Tragöde sein"
Berlin - "Mein Mann ist friedlich eingeschlafen", teilte Juhnkes Ehefrau Susanne heute Vormittag erschüttert mit. Sie war seit 1971 mit Harald Juhnke verheiratet und hat lange Jahre erfolglos mit ihm gemeinsam gegen seine Alkoholsucht gekämpft.
"Konsequenterweise starb er am 1. April - und das ist diesmal keiner seiner Witze", sagte Claus Peymann, Intendant des Berliner Ensembles, der Nachrichtenagentur dpa. Harald Juhnke sei ein "großer Berliner Clown, Komiker, grandioser Entertainer und Anarchist" gewesen. Wie alle großen Komiker, so Peymann, habe Juhnke "so gerne ein Tragöde" sein wollen. Durch sein langes Sterben sei er dann am Ende doch noch eine geworden. Nach Peymanns Ansicht ist nun das "alte West-Berlin" fast ganz verschwunden, nachdem vor Harald Juhnke schon "Minetti, Marianne Hoppe und Brigitte Mira ihre Bühnen verlassen haben".
Der Deutsche Bühnenverein in Köln würdigte Juhnkes schauspielerische Leistungen an den deutschen Theatern. Trotz großem Medienrummel um seine legendären Fernsehauftritte sei der Komiker immer der Theaterwelt verbunden geblieben, sagte der Präsident des Bundesverbandes Deutscher Theater, Klaus Zehelein, heute in Köln.
Bernd Wilms, Intendant des Deutschen Theater Berlin, bezeichnete Juhnke als "wunderbaren Schauspieler", der seinen Rollen zugleich Leichtigkeit und Tiefe gab . "Ich glaube, dass er immer ein großes Kind gewesen ist, ein bisschen Peter-Pan-haft, wie einer, der nicht erwachsen werden kann und nicht erwachsen werden will", zitiert die Nachrichtenagentur dpa Wilms.
Der Intendant des Maxim Gorki Theaters, Volker Hesse, erinnerte an einen großen Erfolg Juhnkes in seinem Haus. Der dpa sagte er: "Sein 'Hauptmann von Köpenick' in der Regie von Katharina Thalbach war ein Ereignis in Berlin, das die Menschen dieses Theater stürmen ließ. Juhnke bewegte tief durch seine lakonische Gestaltung des Filous und des geprügelten Hundes, den Zuckmayer ihm vorgegeben hat. Wir denken mit Dankbarkeit und Zuneigung in diesem Theater an ihn." Katharina Thalbach erklärte: "Er konnte einen so sehr zum Lachen bringen, aber auch so sehr anrühren. Ich weine, aber ich hoffe, er wird den Himmel erheitern und einen Ehrenplatz als Stern bekommen."
Die Berliner Kudamm-Bühnen trauern um einen "großen Volksschauspieler". "Darüber hinaus verliert unsere Familie einen sehr guten, persönlichen Freund", sagte der Direktor von Komödie und Theater am Kurfürstendamm, Martin Woelffer. In den fünfziger Jahren hatte Juhnke unter Woelffers Großvater seine Bühnenkarriere begonnen. Die Stücke "Sonny Boys", "Ein besserer Herr" und "Plaza Suite" gehörten zu seinen größten Erfolgen am Kurfürstendamm.
Der Liedermacher Konstantin Wecker sagte, trotz aller Rückfälle hätten die Menschen immer zu Harald Juhnke gehalten. Das hinge auch damit zusammen, dass Juhnke stets authentisch und ehrlich gewesen sei, meinte Wecker. Als Kollege sei der Entertainer immer sehr herzlich gewesen.
Der 101-jährige Johannes Heesters zeigte sich über den Tod von Harald Juhnke tief bestürzt: "Ich bin sehr, sehr traurig. Ich habe einen guten Freund verloren, nicht nur einen fabelhaften Kollegen." Heesters hatte geplant gehabt, Juhnke in naher Zukunft in seinem Pflegeheim bei Berlin zu besuchen.
Er schwanke zwischen Erschütterung und Erleichterung, sagte ein weiterer ehemaliger Schauspiel-Kollege Juhnkes, Wolfgang Spier. "Es ist für ihn sicher eine Erlösung, glaube ich. Und ich nehme an, auch für seine Familie." Zusammen mit Grit Boettcher und Juhnke inszenierte Spier in den 70er Jahren die Sketchreihe "Ein verrücktes Paar".
Der Kabarettist Hans Jürgen Diedrich bezeichnete Harald Juhnke als einen "dollen Kollegen". Diederich war lange Jahre Ensemblemitglied der "Münchner Lach- und Schiessgesellschaft" um Dieter Hildebrandt. "Wir haben in zahlreichen Fernsehsendungen zusammen gespielt, und es hat immer viel Spaß gemacht." Mit Blick auf Juhnkes Erkrankung, meinte Diedrich: "Gott sei Dank, dass er es geschafft hat."
Bundespräsident Horst Köhler würdigte Harald Juhnke in einem Kondolenzschreiben an die Familie des Toten als "begnadeten Entertainer", der es auf einzigartige Weise verstanden habe, das Publikum auf charmante Art zu unterhalten.
"Wer ihm im Theater oder im Film etwas zutraute, ihn als Künstler ernst nahm, erlebte den sensiblen, brüchigen und hochgestimmten Charakterdarsteller Harald Juhnke. Zart konnte er sein und zerbrechlich in seinem Spiel, mitreißend und rührend" zitiert die dpa Kulturstaatsministerin Christina Weiss.
Der SPD-Vorsitzende Franz Müntefering sagte, Witz, Humor und sein unverwechselbares Berlinerisch hätten Harald Juhnke für viele Jahre zu einem der beliebtesten Schauspieler Deutschlands gemacht.Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe wies darauf hin, dass Juhnke "in Zeiten der deutschen Teilung auch im Osten Deutschlands ein angesehener Künstler" gewesen sei. Das habe sich dann auch 1989 bei Juhnkes erstem Auftritt nach Mauerfall in Cottbus bestätigt
Walter Momper trauerte um den "begnadeten Volksschauspieler und Entertainer von hohem Rang". Der frühere Bürgermeister und heutige Parlamentspräsident von Berlin sagte über Juhnke: "Er war eine hochsensible Persönlichkeit, manchmal zu sensibel für diese Welt." Die Stadt Berlin habe ihn geliebt und werde ihn nicht vergessen.
Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, sagte, er sei "zutiefst betroffen". Harald Juhnke sei "ein Berliner mit Leib und Seele" gewesen. Die Stadt verneige sich vor einem ihrer größten Söhne. "Mit Harald Juhnke verlieren wir den letzten großen Berliner Volksschauspieler seiner Generation. Er hat es geschafft, seine Fans zu begeistern, und dies trotz seiner schweren Alkoholerkrankung."
Ein "deutscher Sinatra" sei Harald Juhnke gewesen, sagte der Intendant des WDR, Fritz Pleitgen. "In seinem Spiel wie in seiner Biographie verschmolzen Tragik und Komik zu jener menschlichen Größe und Glaubwürdigkeit, für die ihn sein Publikum liebte." Schonungslos offen, so Pleitgen, habe Juhnke in dem Fernsehfilm "Der Trinker" einen Teil seiner eigenen Geschichte gespielt.
"Seine Persönlichkeit hatte Brüche - er war überaus sensibel und zugleich einer der ganz Großen der Branche", würdigte der NDR-Intendant Jobst Plog den Entertainer. Mit dem NDR hatte Juhnke lange Zeit für verschiedene Fernsehprojekte zusammengearbeitet. Der Sender zeigt am Samstag um 22.00 Uhr den Film "Vor Sonnenaufgang" aus dem Jahr 2000. Darin ist Harald Juhnke in seiner letzten großen Rolle zu sehen.