Rechtschreibreform: Jetzt streiten die Lehrer - DER SPIEGEL
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Rechtschreibreform Jetzt streiten die Lehrer

Politiker, Verbände, Verlage - alle diskutieren über die Rechtschreibreform. Nun mischen auch die Lehrer kraftig mit und fordern eine teilweise Rückkehr zur alten Schreibweise.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg - Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Josef Kraus, sprach sich am Wochenende für eine teilweise Rückkehr zur alten Rechtschreibung aus. Besonders scharf kritisierte er die neue Zusammen- und Getrenntschreibung. "Ich prophezeie den Tag, an dem wir in der Schule kein benotetes Diktat mehr durchsetzen können." Andere Berufsverbände von Lehrern und Philologen widersetzten sich den Überlegungen, die Rechtschreibreform wieder rückgängig zu machen.

Der Deutsche Elternverein will dagegen ebenfalls zurück zur alten Schreibweise. "Es darf nicht sein, dass es zu einem Nebeneinander verschiedener Haus-, Verlags-, Schul- und Behördenorthografien kommt, aus denen sich jeder wie im Supermarkt das passende Produkt aussucht", sagte die Vorsitzende Heidemarie Mundlos.

Lehrer-Verbandschef Kraus bezeichnete die Rechtschreibreform als nicht eindeutig und mit vielen Geburtsfehlern behaftet. "Völlig wirr" nannte er die Zusammen- und Getrenntschreibung. "Da blickt auch der erfahrene Deutschlehrer nicht mehr durch. Da würde ich sagen: zur alten Regelung zurück."

Kraus forderte zudem eine "verbindlichere und exaktere Kommasetzung". "Wir sind jetzt in einer Situation, dass "Schule zum Rechtschreib-Elfenbeinturm wird", sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". "Wir lehren in der Schule etwas, was über kurz oder lang außerhalb der Schule niemand mehr praktiziert."

Die Vorsitzenden des Bundesverbandes der Lehrer und Lehrerinnen an beruflichen Schulen, des Deutschen Philologenverbandes und des Verbandes Bildung und Erziehung, Günter Besenfelder, Heinz Durner und Ludwig Eckinger, erklärten dagegen: Eine Rücknahme der Rechtschreibreform sei für Lehrer und Schüler, die mit dem neuen Regelwerk überwiegend positive Erfahrungen gemacht hätten, nicht akzeptabel. Lehrer und Schüler bräuchten klare und einheitliche Regeln als verlässliche Grundlagen für den Unterricht und für die Bewertung des Schreibens in der Schule. Durch das Hin und Her würde die Arbeit der Lehrenden "unerträglich erschwert".

Reich-Ranicki gegen neue Rechtschreibung

Auch der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki wandte sich gegen die neue Rechtschreibung. "Ich rate allen, vorläufig in der alten Orthographie zu schreiben", sagte der 80-Jährige in der "Bild"-Zeitung. Er selbst verwende nur die alten Regeln. Die reformierte Rechtschreibung sei chaotisch und enthalte sinnlose und überflüssige Schreibweisen."Ich möchte keinen Klassiker in neuer Rechtschreibung lesen", sagte Reich-Ranicki, der auch in der ZDF-Literatur-Sendung "Das Literarische Quartett" auftritt.