Regie-Größe Dimiter Gotscheff ist tot
Dimiter Gotscheff: "Radikal und politisch tief denkender Regisseur und Mensch"
Foto: Alina Novopashina/ DPABerlin - Der gefeierte Regisseur Dimiter Gotscheff ist in der Nacht von Samstag auf Sonntag nach kurzer schwerer Krankheit gestorben. Das gab das Deutsche Theater Berlin (DT) am Sonntag auf seiner Homepage sowie auf Twitter bekannt. Der gebürtige Bulgare, der 1962 mit seinem Vater in die DDR zog, wurde 70 Jahre alt.
"Trotz des Wissens um seine Krankheit ist sein plötzlicher Tod ein Schock. Wir sind erschüttert und unsagbar traurig", schreibt DT-Intendant Ulrich Khuon auf der Homepage. "Er hat die Arbeit und das Leben dieses Hauses über viele Jahre hinweg künstlerisch geprägt, als radikal und politisch tief denkender und empfindender Regisseur und Mensch. Darüber hinaus verfügte er über die besondere Gabe einer verschmitzten Doppelbödigkeit und Selbstironie."
Gotscheff wurde am 26. April 1943 als Sohn eines Tierarztes im bulgarischen Parvomei geboren. Gemeinsam mit dem Vater ging er 1962 in die DDR, wo er nach dem Abitur zunächst Tiermedizin, dann Theaterwissenschaften studierte. Seinen Durchbruch als Regisseur feierte er mit Inszenierungen von Heiner Müller, die ihn auch nach Westdeutschland führten. Ab 1986 arbeitete er ausschließlich im Westen, 1993 wurde er Hausregisseur am Schauspielhaus Düsseldorf. Von 1995 bis 2000 machte er Station im Schauspielhaus Bochum unter der Intendanz von Leander Haußmann, bevor er ab 2000 als freier Regisseur Erfolge an den wichtigsten deutschsprachigen Bühnen feierte. Zuletzt arbeitete er schwerpunktmäßig am Hamburger Thalia Theater sowie am DT und der Volksbühne in Berlin.
Gotscheff wurde unter anderem mit dem Kritikerpreis der Berliner Akademie der Künste, dem 3sat-Preis des Berliner Theatertreffens sowie zweifach als Regisseur des Jahres von "Theater heute" ausgezeichnet. Gotscheff hinterlässt seine Frau Almut Zilcher, die als Schauspielerin im Ensemble des DT arbeitet, sowie einen gemeinsamen Sohn.