Reichstag: Haacke-Projekt startet nächste Woche - DER SPIEGEL
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Reichstag Haacke-Projekt startet nächste Woche

Der Konzeptkünstler Hans Haacke will schon kommende Woche mit der Durchführung seines Kunstwerks im Reichstag beginnen. Viele Parlamentarier überlegen bereits, welche Erde sie aus ihrem Wahlkreis mitbringen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Berlin - Die ersten Erdtransporte würden in dem Holztrog zunächst in der Mitte zwischen den Buchstaben "Der Bevölkerung" aufgeschüttet, sagte Haacke am Donnerstag in Berlin. Am Vorabend hatte der Bundestag nach einer lebhaften Debatte mit einer hauchdünnen Mehrheit von zwei Stimmen für das umstrittene Erd-Projekt gestimmt.

Ein Abgeordneter aus Solingen zum Beispiel wolle Erde aus dem Garten eines Hauses mitbringen, das von den Nazis abgefackelt worden ist. Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin denke daran, Erde aus dem Umkreis von Carlo Schmid, einem der Väter des Grundgesetzes, nach Berlin zu bringen. Erneut wies der Künstler in diesem Zusammenhang Vorwürfe zurück, sein Kunstwerk stehe in der Nähe der "Blut und Boden"-Rituale der Nationalsozialisten. "Das ist keine 'Blut und Boden"-Erde, das ist "Verfassungs-Erde", sagte Haacke.

Die Zahl der Erdlieferungen von den Abgeordneten sei für das Gesamtkonzept des Kunstwerks unerheblich, sagte Haacke. In dem mit Erde gefüllten Holztrog sollen künftig Pflanzen frei wachsen können. Gärtner seien nicht zugelassen. "Vielleicht wird das der einzige Urwald, den es in der Bundesrepublik gibt", meinte der Künstler.

Über das Abstimmungsergebnis sei er sehr glücklich. Er habe nicht erwartet, das sein Projekt angenommen wird. Die Debatte sei ein Zeichen dafür, wie sich heute das Verhältnis von Kunst und Politik verändert habe. Haacke erhält für das Projekt ein Honorar von knapp 300.000 Mark.

Die Bundestagsabgeordneten hatten am Mittwochabend bei einer namentlichen Abstimmung mehrheitlich einen von der CDU/CSU-Fraktion initiierten Gruppenantrag gegen die Errichtung des Kunstobjekts abgelehnt. 260 Abgeordnete sprachen sich dabei für die Erd-Installation aus, 258 lehnten sie ab.