meinung •S.P.O.N. - Fragen Sie Frau Sibylle Hat Gott als System versagt?
Wallbergkapelle in Bayern: Gott könnte vom Konsum verdrängt werden
Foto: © Michaela Rehle / Reuters/ REUTERSHeute möchte ich mit Ihnen über Gott reden. Also ich rede. Sie machen sich so Ihre Gedanken, wie immer.
Es gibt neben Teilchenphysik nur wenige Fachbereiche, die mich weniger interessieren und über die ich weniger weiß, als über die Religion. Jede.
Was ich mir, aufgrund meiner Faulheit mich zu informieren, immer unter Religion vorgestellt habe, ist, dass sie irgendwann nötig war, um die Menschen zu kontrollieren, zu regulieren, sie von Mord und Drogen abzuhalten. Eine Art Selbstregulativ. Durchaus sinnvoll in einer Zeit, in der es noch keine vernünftigen Gymnasien gab.
Später wurde die Religion immer wieder wunderbar missbraucht, von einer Art Gesetz und Philosophie wandelte sie sich zum Mittel der Unterdrückung, der Geschlechtertrennung. Heute beschreiben einfache Gemüter Gott gerne als: den Herrscher. Etwas wildere Geister erklären vage: Ich glaube an eine übergeordnete Kraft, die unsere Erde lenkt. Ich meine, sie erschaffen hat, ich meine... Damit meinen sie meist, dass es unerträglich wäre, wenn der Mensch so wäre wie die Tiere, die er in sich schiebt. Geboren, um zu sterben und dazwischen ein paar Würste verputzen.
Ein System von Gut und Böse
Das waren die low- und mittelprächtigen Ansätze, es muss aber noch philosophische Metaebenen geben, denn es gibt zu viele hochintelligente Theologen, Rabbis, Imame - und dass alle dasselbe meinen, wenn sie Gott meinen, liegt nahe. Vermutlich dasselbe wie ich, ich würde gerne mit Ihnen über Gott reden.
Ich stelle mir darunter die Metapher für das Gute vor. Die Moral in jedem Menschen. Die unter einem Haufen schlechter Eigenschaften begraben liegt, bei sehr vielen Menschen. Gott, das ist das Bewusstsein ein Teil zu sein, der ohne die anderen Teile unbedeutend ist. Gott ist das, was einen einhalten lässt, wenn man jemandem ins Gesicht schlagen will. Wenn man das Geld, das einem an der Kasse falsch herausgegeben wurde, einstecken möchte. Ist, was einen umkehren lässt, wenn man sieht, dass jemand auf der Straße hinfällt, oder einen nicht fremdgehen lässt, weil es einfach scheiße ist. Er ist Xavier Naid... kleiner Scherz.
Es ist der gute Teil, der mit dem Bösen kämpft und früher, als es kein Google gab, mussten eben einfache Gesetze her, um eine Ahnung von Gut und Böse zu geben. Heute ist es ein wenig unübersichtlicher geworden. Nein, ihr Pappnasen vom IS - der ab heute "Die mit dem kleinen Pimmel" heißt - töten ist nicht gut. Es ist das Böse gewinnen lassen. Elend bringen ist das Böse. Ihr werdet in der Hölle schmoren, in der Unendlichkeit, die ihr mit den größten Schmerzen eures vergangenen Lebens verbringen werdet.
Schnell Schaum vom Mund wischen und weiter in meinem rührend naiven, fast wagneresken Aufsatz der Suche. Das Beten schien mir immer sinnvoll als eine Art Meditation der Menschen, die an einen Gott glauben. Kirchen, Synagogen, Moscheen als Tempel der kurzfristigen Analyse des eigenen Standpunktes. Die großen Bücher der Weltreligionen irrelevant, weil sie unter Ausschluss der Hälfte der Menschheit entstanden sind.
Ja. So erkläre ich mir das mit dem Gott, und frage mich, bei ein paar Milliarden, die an das Gute in sich glauben, beten, um es zu festigen: Warum gibt es so viel Mist auf der Welt? Hat das System Gott versagt und ist Konsum nicht vielleicht doch der bessere Weg? Wie immer freue ich mich auf Ihre zahlreichen Anregungen, um die Welt besser zu verstehen.