Rezept für Groundnutsoup mit Kelewele - DER SPIEGEL
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Ghanaische WM-Küche: Fremd, aber lecker

Foto: Peter Wagner

WM-Küche aus Ghana Gib dem Jogi Pfeffer!

Wenn die Fußballer des Vorrundengegners Ghana der DFB-Elf ordentlich Kontra geben, könnte das an ihrem gehaltvollen, scharfen Eintopf liegen. Die "Groundnutsoup mit Kelewele" schmeckt fremdartig. Aber superlecker.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Es gibt bestimmt viele Gründe, nach Ghana zu reisen. Die lokale Küche dort, zumindest jenseits der Touristengebiete, gehört leider eher nicht dazu. Kurzgebratenes wie Steaks oder Schnitzel ist weitgehend unbekannt (und auch unbeliebt), und wenn - selten genug - Gemüse jenseits von Tomaten (Auberginen und Okra) zum Einsatz kommt, wird es so lange mit dem Ziegen-, Hammel- oder Geflügelfleisch gekocht, bis es völlig zerfallen ist. Milch oder Milchprodukte sind wegen der Hitze kaum verbreitet, dafür sorgen umso mehr scharfe Pfeffer und vor allem Chilis für Würzung und Desinfektion.

Passend zum Vorrundenspiel gegen Ghana steht eines der beliebtesten Nationalgerichte dieses Landes im Golf von Guinea auf der "Tageskarte": Die Groundnutsoup ist ein typischer Vertreter afrikanischer Küche, die mit einem einzigen Topf als Kochgeschirr auskommt (oder auskommen muss), in dem nach und nach die Komponenten der Speise zubereitet werden. Groundnuts sind nichts anderes als Erdnüsse - die einzigen Nüsse, für deren Ernte man sich bücken muss, weil sie an flachen Pflanzen direkt über dem Boden wachsen. Sie sind wegen ihrer geringen Ansprüche an Boden und Feuchtigkeit überall auf der Welt, also auch in Afrika, ein willkommener Lieferant für pflanzliche Eiweiße und Fette.

Die Groundnutsoup wird in vielen Originalrezepten ohne frische Nüsse und nur mit dem gut haltbaren Fertigprodukt Erdnussbutter (in einer ungesüßten Variante) zubereitet, schmeckt aber um Klassen besser, wenn man sich die Arbeit macht, die Nüsse frisch aus den Schalen zu pulen, zu hacken und vor dem Mixen goldbraun anzubraten - was man mit demselben Topf erledigen kann, in dem das gesamte Gericht gekocht wird.

Fufu, Banku oder doch lieber Kelewele?

Wenn der Hühner-Erdnusseintopf, der in Ghana auch vegetarisch oder mit anderen Fleischsorten mindestens einmal die Woche kredenzt wird, ein bisschen sämiger einkocht, kann man ihn ohne weitere Beilagen essen. Und wenn in Westafrika irgendetwas zu saucigen Gerichten gereicht werden soll, ist das entweder der von uns bereits zur letzten WM in Südafrika in der "Tageskarte" zubereitete Fufu (Maniokbrei), Banku (in Maisblättern gegarte Knödel aus Maismehl) oder Kochbananen in vielerlei Gestalt. Zur heutigen "Groundnutsoup" gibt es die als Kelewele: dicke, in Öl knusprig ausgebratene Kochbananenpommes. Immerhin ist Ghana mit mehr als dreieinhalb Millionen Tonnen weltweit der zweitgrößte Produzent von Kochbananen.

Wichtigste Gewürze in diesem Eintopf sind scharfe, klein geschnittene Chilischoten und der ebenfalls aus Westafrika stammende Senegalpfeffer (in schlechter alter Tradition immer noch als Mohrenpfeffer bekannt). Dieser ist botanisch gesehen zwar kein echter Pfeffer, seine länglichen braunen Schoten geben aber ein harziges, leicht scharfes Aroma ab, das typisch für die Küchen Ghanas und seiner Nachbarn Guinea, Elfenbeinküste, Togo, Liberia oder Burkina Faso ist. Ein Aroma, das in europäischen Nasen sehr fremdartig, auf jeden Fall aber stark gewöhnungsbedürftig wirkt.

Dieser Pfeffer ist einerseits zu weich für Pfeffermühlen, aber die länglichen Schoten sind auch zu strohig für den Mörser. Am besten zermahlt man sie im Mixer oder Blitzhacker und entfernt das dabei entstehende Stroh. Das Pulver riecht und schmeckt ungewöhnlich, ist in normaler Dosierung aber eine schöne aromatische Ergänzung zu dem Hühnchen-Erdnuss-Tomatengeschmack des Eintopfes und dominiert ihn weniger als die scharfen Chili.

Wer sich nicht ganz sicher ist, wie scharf er diese Speise würzen will, sollte bei Verwendung von Chilisorten wie der afrikanischen Bischofsmütze (ein Glockenchili, der in Portugal und seinen ehemaligen Kolonien Peri-Peri genannt wird) oder der ersatzweise einsetzbaren Sorten Habanero und Scotch Bonnet zunächst nur einen Teil der gehackten Schote in den Eintopf rühren und nach der Hälfte der Garzeit entscheiden, wie viel noch zugegeben werden kann.

Auf jeden Fall ist die Groundnutsoup eine überraschend lecker schmeckende Alternative zu den - wegen der späten Anpfiffzeiten dieser WM ja hoch im Spiel stehenden - mitternächtlichen Currys oder Gulaschsuppen. Und notfalls macht sie auch am frühen Abend ein heißes Match noch heißer.

Rezept für Groundnutsoup mit Kelewele (Hauptgericht für 4 Personen)

Vorbereitungszeit: 10 Minuten
Zubereitungszeit: 60 Minuten
Schwierigkeitsgrad: sehr einfach

Zutaten

Groundnutsoup
1 Brathuhn (oder 4 Hühnerschenkel)
3 EL Palmöl (oder Erdnussöl)
2 Zwiebeln
2 Strauchtomaten
400 g geschälte Dosentomaten
1 scharfe Chili (z.B. Peri-Peri oder Habanero)
100 g frisch gepulte Erdnusskerne ohne Haut
100 ml Geflügelfond (oder -Brühe)
4 EL ungesüßte Erdnussbutter
15 Stangen Senegalpfeffer (Mohrenpfeffer, Kumbapfeffer oder Kanipfeffer)
300 ml Geflügelfond (oder Brühe)
500 ml Wasser
1,5 TL feines Meersalz

Kelewele
4 reife Kochbananen
2 EL Erdnussöl
1 Prise Salz

Zubereitung

Groundnutsoup
Das Huhn oder die Hühnerschenkel gründlich unter fließendem Wasser abwaschen, trocken tupfen, das Huhn grob in sechs bis acht Teile zerkleinern. Das Öl in einem Bräter sehr heiß werden lassen, die Hühnerteile von allen Seiten darin drei Minuten anbraten. Das Huhn aus dem Bräter nehmen, die Erdnüsse mittelgrob hacken und kurz im Erdnussöl goldbraun braten. Die Nüsse entnehmen, die Zwiebeln häuten, in mittelgroße Würfel schneiden und bei mittlerer Temperatur fünf Minuten anschwitzen. Die Tomaten häuten und klein würfeln, zu den Zwiebeln geben. Die Dosentomaten halbieren und zusammen mit der Dosenflüssigkeit zugeben, gut umrühren. Chili (Schutzhandschuhe tragen, Schneidebrett und Messer danach gut abspülen) waschen, klein schneiden, zusammen mit den Hühnerteilen zugeben und bei kleiner Flamme köcheln lassen.

Die Erdnüsse zusammen mit 100 ml Fond im Mixer fein mixen, die Erdnussbutter zugeben und eine Minute mixen. In den Bräter einrühren. Senegalpfeffer in einem Blitzhacker fein mahlen, die dabei entstandenen Fäden entfernen und zusammen mit dem restlichen Fond und dem Wasser in den Bräter geben. Bei mittlerer Hitze mit geschlossenem Deckel 60 Minuten köcheln lassen, ab und zu umrühren, am Ende mit Salz abschmecken.

Kelewele
Die Bananen schälen und in längliche Stücke schneiden, die etwas dicker als Pommes frites sind. In dem Öl langsam goldgelb ausbacken, salzen.

Anrichten

Den Erdnusseintopf und die Bananenfritten getrennt zum Selbernehmen servieren.

Küchen-Klang

In Nähe der Grenze zu Ghana im Süden von Burkina Faso ist der Balafonvirtuose Mamadou, ein Sprössling der bis in das 11. Jahrhundert zurückreichende Griot-Familie Diabaté, aufgewachsen. Sein Oktett "Percussion Mania" pflegt diese Tradition der Griots, in deren Kunst Musik, Tanz und Geschichtenerzählen gleichberechtigt sind. Auf der aktuellen CD "Masaba Kan" (Jazzhaus Records) treiben sich Mamadous afrikanisches Xylophon, Ngoni (eine Spießlaute), Djembe, Dundun (eine Basstrommel) und diverse Talking Drums in wilden Verfolgungsjagden nicht nur durch die aktuelle Rhythmuswelt Westafrikas - Mamadou wagt auch höchst gelungene Ausflüge in den Jazz und afro-kubanische Sounds.

Getränketipp

In West-Afrika wächst kein Wein, und der würde zum scharfen Erdnusseintopf auch weit weniger passen als ein kühles Bier - wenn gerade keine der westafrikanischen Sorten Star, Klub, Stone oder Gulder* zur Hand ist, tut es ein anderes mildes Lager. Zumal die alkoholfreien Nationalgetränke - Asaana (Maiswein) oder Lamujii (Ingwerwein) - hierzulande noch schwieriger zu bekommen sein dürften.


*Bezugsquelle:
Afrikanische Biersorten im Onlineshop.