Robert Stadlober: Premiere "Private Peaceful" - DER SPIEGEL
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Stadlober-Premiere: Gewehrkugeln und Horror

Foto: Isabell Koch/ Hamburger Kammerspiele

Theaterstück "Private Peaceful" Soldat Stadlober

Robert Stadlober zieht in den Kampf. Der Schauspieler führte Co-Regie, spielt die Ein-Personen-Performance "Private Peaceful" zum Thema Erster Weltkrieg und verausgabt sich dabei heroisch.
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Theaterdonner: Es beginnt mit dem Tod. Auf einen Soldaten wird geschossen, er fällt getroffen zu Boden, zuckt und stirbt. Kriegsalltag? Nicht ganz, denn der junge Krieger fällt durch die Kugeln der eigenen Leute, ein Kriegsgericht hatte so entschieden. Danach beginnt die Rückblende, man taucht ein in das kurze, traurige Leben von Tommo, dem Soldaten.

An den Hamburger Kammerspielen feierte das englische Stück "Private Peaceful" deutsche Erstaufführung, und mit Robert Stadlober hatte sich ein Kino- und TV-Star dieses Stoffes angenommen, der eigentlich vor Aktualität brennen sollte, aber dann doch nur fahl flackerte - was nicht an den Bemühungen Stadlobers lag, sondern eher am Text, der über die 90-Minuten-Distanz zu wenig Spannung entwickelte.

Dabei warf Stadlober einiges in die Waagschale: Er spielte fast komplett allein, führte Co-Regie und spulte eine Darsteller-Choreografie ab, die alle Möglichkeiten der kleinen Kammerspielbühne nutzte. Der Fehler: Es war alles von Beginn an ein wenig zu klar.

Tödliche Konflikte

Wenn ein Stück "Private Peaceful", also etwa "Soldat Friedlich" heißt, so tönt das einigermaßen plakativ. Dass sich hier ein sehr junger Mensch in tödlichen Konflikten befindet, als Opfer falscher Vorstellungen von Ehre und Pflichten fürs Vaterland sein Leben aufbietet und schon verloren hat, ist binnen Minuten klar. Der blutjunge Soldat Tommo Peaceful stirbt in den Wirren des Ersten Weltkrieges kraft Justiz, weil er einen sinnlosen Befehl verweigert hat und seinen verwundeten Bruder Joe schützen wollte.

Eine Geschichte, die der britische Autor Michael Morpurgo 2003 als Jugendbuch veröffentlichte, und diese Zielrichtung merkt man auch der Theaterfassung an, die nach der Bearbeitung von Simon Reade bereits 2004 in Bristol uraufgeführt wurde. Den Krieg als täuschende Verführung zu entlarven, das Militär als Institut, um Menschen zu brechen und zu brauchbaren Tötungswerkzeugen zu machen, das ist ebenso ehrenwert wie richtig, aber die bloße Darstellung des Schreckens gelingt bestenfalls ästhetisch,nicht analytisch.

Linear erzählt und als Rückblende gebaut, erzählt das Stück seine Geschichte und tappt dabei in die Dramaturgiefalle: Man wartet auf den Schluss, während sich Stadlober abmüht, dem armen Soldaten so viel Profil wie möglich zu geben. Dabei assistiert ihm der erfindungsreiche Musiker Andreas Spechtl, wie Stadlober Österreicher und vor allem mit seiner Indierock-Band Ja, Panik bestens bekannt. Spechtl, im Hintergrund der Bühne wie ein DJ mit Elektronik, Turntable, Mischpult und Percussion agierend, hat einen Klang-Soundtrack erschaffen, der sich wie eine tönende Haut über die Bühnenpräsenz von Stadlober legt. Dessen körperliche Performance wird zunehmend ebenso wichtig wie die Textpräsentation, was dem Stück mehr als guttut. Ebenso helfen die hinzugefügten historischen Tagebucheinträge und Briefzitate, die wie plötzliche Abgründe aufbrechen und die Irritation erzeugen, die der Text nicht ganz bewerkstelligen kann.

Großer Soundtrack von Andreas Spechtl

In beinahe stillen Momenten, wenn Stadlober/Peaceful über die Geräusche der fliegenden Gewehrkugeln sinniert, die den nahenden Tod verkünden, wird der Horror fast greifbar, weil der Tod plötzlich eine sinnliche Dimension gewinnt. Man merkt, was mit diesem Duo Stadlober/Spechtl noch möglich gewesen wäre. Vielleicht hätte auch Co-Regisseur Martin Dueller seinen Hauptdarsteller mehr führen sollen, als ihm - so sportlich und souverän er auch die Bühne beherrscht - alle Manierismen durchgehen zu lassen. Gern greift sich Stadlober das Mikrofon und spielt damit den Entertainer. Was Wunder, schließlich ist er auch viel und gern mit seiner Band Gary unterwegs. So wurde es ein allzu friedlicher Soldat.

Konditionsstark und textfest

Technisch jedenfalls legte Robert Stadlober diese Performance beeindruckend sicher hin. Von Premierennervosität war nichts zu spüren, textfest und konditionsstark brachte er sein Stück über die Ziellinie. Kein Vergleich zu Stadlobers eher harmlos-hilfloser Darstellung von "Romeo und Julia" im Deutschen Schauspielhaus Hamburg, als ihn 2004 Jana Schulz locker an die Wand spielte. Robert Stadlober ist als Schauspieler erwachsen geworden, nun immerhin auch schon 33 Jahre, aber von Stimme und Statur ein Kraftpaket. Man wünscht ihm noch bessere Texte und festere Regie. Dann wäre ihm womöglich noch mehr Beifall sicher als die freundlich-frenetische Resonanz nach dieser Kammerspiel-Premiere.

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