"Rolling Stone": Das US-Musikmagazin sucht einen Käufer - DER SPIEGEL
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US-Musikmagazin Der "Rolling Stone" sucht einen Käufer

Gerade feierte das US-Musikmagazin seinen 50. Geburtstag - nun soll der "Rolling Stone" veräußert werden. Finanzen und Image hatten stark gelitten, nachdem über eine Vergewaltigung berichtet wurde, die es nicht gab.
Der "Rolling Stone" im Jahr 2008. Auf dem Cover: der damalige Präsidentschaftskandidat Barack Obama
Der "Rolling Stone" im Jahr 2008. Auf dem Cover: der damalige Präsidentschaftskandidat Barack Obama

Der "Rolling Stone" im Jahr 2008. Auf dem Cover: der damalige Präsidentschaftskandidat Barack Obama

Foto: imago
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Bekannt wurde der "Rolling Stone" nicht nur als Magazin für Rockmusik und alternative Kultur, sondern auch als Hort experimenteller Autoren wie Hunter S. Thompson - jetzt sucht die Musikzeitschrift, die 1967 von dem Berkeley-Studenten Jann Wenner in San Francisco gegründet wurde, einen Käufer.

Wenner, der die Zeitschrift mittlerweile mit seinem Sohn Gus führt, sagte der "New York Times", dass die Zukunft für einen familiengeführten Verlag düster aussähe. "Es gibt Herausforderungen, die wir nicht alleine stemmen können", fügte er hinzu. Also müssten sie der Entwicklung voraus sein.

Elementare journalistische Grundregeln missachtet

Der "Rolling Stone" hatte zwischendurch mit Recherchen für internationales Aufsehen gesorgt. 2010 etwa führte ein Artikel in dem Heft zur Absetzung von Stanley A. McChrystal, dem damaligen US-Oberbefehlshaber in Afghanistan. Image und Finanzen hatten zuletzt jedoch enorm gelitten, nachdem der "Rolling Stone" 2014 über eine angebliche Massenvergewaltigung auf einem Universitätsgelände berichtet hatte. Eine Untersuchung ergab, dass das Magazin elementare journalistische Grundregeln bei der Recherche und der Veröffentlichung des Artikels missachtet hatte. Die von der angeblichen Zeugin geschilderte Vergewaltigung gab es nicht.

Der "Rolling Stone" und eine seiner Reporterinnen mussten die Geschichte später nicht nur zurücknehmen und sich entschuldigen, sondern auch drei Millionen Dollar Entschädigung wegen des Artikels zahlen. Die Vizedekanin der fraglichen Universität in Virginia hatte sogar 7,5 Millionen Dollar Entschädigung gefordert. Ihr war in dem Beitrag vorgeworfen worden, den Vorfall aus Furcht um den guten Ruf der Elite-Uni vertuscht zu haben.

Gründer Wenner hofft, weiterhin eine Rolle zu spielen

Im letzten Jahr hatte der "Rolling Stone", von dem es seit 1994 auch eine deutsche Ausgabe gibt, bereits einen Anteil von 49 Prozent an BandLab Technologies, ein Singapurer Start-up, verkauft. Dieses wird von Kuok Meng Ru, dem Sohn des weltgrößten Palmölhändlers Kuok Khoon Hong, geführt. Zunächst blieb unklar, ob er seinen Anteil auf eine Mehrheit aufstocken will.

Dieses Jahr trennte sich die Familie Wenner bereits von dem Promimagazin "US Weekly" und der Modezeitschrift "Men's Journal". Sie gingen an den Konzern American Media, der auch eine Reihe von Boulevardtiteln veröffentlicht. Ob das Unternehmen auch am "Rolling Stone" Interesse bekundet hat, war zunächst nicht bekannt.

Der heute 71-jährige Gründer Wenner betonte, er hoffe, weiterhin eine Rolle bei dem Magazin spielen zu können. Letztlich sei das aber eine Entscheidung des neuen Eigentümers.

bsc/afp