Rolling-Stones-Weltpremiere Die Berlinale rockt
Berlin - Weltpremiere mit den Rolling Stones: Mit einem Kurzfilm über die legendäre Rockband ist am Donnerstag die Berlinale gestartet. Neben dem Regisseur kamen Mick Jagger, Keith Richards, Ron Wood und Charlie Watts an den Potsdamer Platz - und verliehen der einstündigen Gala kurz vor Schluss den nötigen Schwung, als sie im Saal mit Beifallsstürmen begrüßt wurden.
"Sie beschämen uns", sagte Jagger und dankte Festivalchef Dieter Kosslick dafür, dass mit "Shine a Light" erstmal ein Dokumentarmusikfilm ein Filmfestival eröffnen dürfe: "Deswegen freuen wir uns, hier zu sein." Der Film bringe ihm auch Neues, da man das Zusammenspiel der Musiker beobachten könne: "Ich habe das so selbst noch nie gesehen." Man könne auch sagen: "Das ist ein Konzertabend, der für immer eingefangen wurde." Auf die Frage, ob die Stones vom Film finanziell profitieren, lachte der mittlerweile 64-Jährige: "Natürlich, der Film ist sehr nützlich."
Kosslick überreichte Scorsese und Jagger je eine kleine Ausgabe des Berlinale-Bären als Andenken - weil ihr Film außer Konkurrenz im Wettbewerb läuft. Die Ehrengäste verließen den Saal schon nach wenigen Minuten noch vor der Vorführung der Dokumentation.
Kosslick sprach angesichts des Eröffnungsfilms von der "Erfüllung eines Wunsches" und einem "großartigen Moment". Die Berlinale falle in diesem Jahr generell weniger politisch aus - sondern stehe mit 17 Filmen ganz im Zeichen der Musik: Neben den Rolling Stones und Madonna mit ihrem Regiedebüt "Filth and Wisdom" gibt es auf der Berlinale auch Rap aus Uganda und irakischen Heavy Metal.
Für musikalische Vielfalt steht auch Patti Smith, die im Zentrum der Filmbiografie "Dream of Life" steht. Die 61-Jährige würdigte die Berlinale vor der Eröffnungsgala als "intelligentes und respektiertes Festival". Deshalb sei sie "sehr stolz darauf, dass er hier in Berlin gezeigt wird", sagte Smith - die selbst im Berlinale-Palast ihre schwarze Sonnenbrille nicht abnahm.
Zur Berlinale-Eröffnung kamen unter anderem auch Hannelore Elsner, Corinna Harfouch, Heike Makatsch und Henry Hübchen sowie Regisseurin Doris Dörrie. Gast auf dem roten Teppich war auch US-Schauspielerin und Oscar-Preisträgerin Goldie Hawn ("Der Club der Teufelinnen") - obwohl sie mit keinem Film vertreten ist und nur nach Berlin gereist ist, um sich Festivalfilme anzuschauen.
Bei der Vorstellung der Internationalen Jury um den griechischen Regisseur Constantin Costa-Gavras, der 1990 den Goldenen Bär für "Music Box" gewonnen hatte, betraten nur sechs Filmschaffende die Bühne. Die dänische Regisseurin Susanne Bier und die französische Schauspielerin Sandrine Bonnaire hatten kurz vor der Eröffnung überraschend aus beruflichen beziehungsweise familiären Gründen ihre Teilnahme an der Wettbewerbsjury abgesagt. Dafür durften Costa-Gavras und Jury-Kollegin Diane Kruger ("Das Vermächtnis des geheimen Buches") anstelle von Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) und Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) die Berlinale eröffnen.
Bis 17. Februar werden bei den Filmfestspielen 384 Filme aus 59 Produktionsländern gezeigt. 77 sind deutsche Produktionen oder mit deutscher Beteiligung entstanden. Im Wettbewerbsprogramm werden 26 Werke gezeigt, von denen 21 um den Goldenen und die Silbernen Bären konkurrieren. Erwartet wird Hollywood-Prominenz wie Daniel Day-Lewis, Natalie Portman, Scarlett Johansson, Penelope Cruz und Ben Kingsley.
plö/ddp