RTL-Show "Let’s dance!": "Mehr Rumpf!" - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

RTL-Show "Let’s dance!" "Mehr Rumpf!"

Wer hat den Dreh am besten raus? Blümchen oder Schreinemakers, Jenny Elvers oder Katja Ebstein? Seit gestern tanzen sie wieder an: Prominente und Parkett-Profis im Dienst der Quote. Leider führte Moderator Hape Kerkeling schlecht.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Nein, "Hoppel-Heide" war diesmal nicht dabei. Und auch sonst keine Figur von der Fallhöhe der einstigen schleswig-holsteinischen Regierungschefin, die dem Format in der ersten Runde Schlagzeilen beschert hatte. Vielleicht ist das ja auch schon eine Botschaft: Wir brauchen nicht mal mehr Skandal-PR. Für die neue Runde hat RTL tatsächlich eine leidlich sympathische Crew aus Promis gecastet, erneut Hape Kerkeling und Nazan Eckes als Moderatoren verpflichtet und ansonsten nur ein paar Marginalien geändert.



So sitzt statt Eisläuferin Kati Witt diesmal der Musicalstar Ute Lemper in der vierköpfigen Experten-Jury, deren Urteil jeweils gleichwertig mit dem Publikumsvotum am Ende der Show über den Erfolg der Kandidaten entscheidet. Statt acht Paaren gehen diesmal zehn an den Start, und das Finale am 30.6. sollen drei statt zwei Paare bestreiten.

Ach ja, und anders als beim vergangenen Wettbewerb musste schon in der Auftaktsendung jemand gehen. Während erwartbare Wackelkandidaten wie der hüftsteife Guildo Horn ("Ich hab’ Atmung") und der schwergewichtige Komiker Markus Majowski offensichtlich die Herzen rührten, Ex-Fußballer Giovane Elber und Sängerin Katja Ebstein sogar regelrecht zu begeistern wussten, mussten nach Langsamem Walzer beziehungsweise Cha Cha Cha Ex-"Blümchen" Jasmin Wagner, Margarethe Schreinemakers und Jenny Elvers-Elbertzhagen ums Weiterkommen zittern. Letzterer blieb es verwehrt.

Das Procedere, bei dem die Paarungen aus Promis und ihren professionellen Tanztrainern am Ende im Scheinwerferlicht verharren müssen, während die Ergebnisse bekannt gegeben werden, erinnert dabei verstärkt an den Voting-Wahnsinn bei "DSDS" – wobei überhaupt multiple Synergieeffekte mit der gerade zu Ende gegangenen Superstar-Suche erzielt werden konnten.

So fand die zweieinhalbstündige Liveshow nicht nur an gleicher Stelle, dem Kölner Coloneum, statt; der vor neun Tagen gekürte "DSDS"-Gewinner Mark Medlock durfte seinen Siegertitel "Now or never" vortragen, was er in einer merkwürdigen, wohl von Entspanntheit zeugenden Hockstellung absolvierte.

Solche Synergien – die hauseigenen Schauspieler Susan Sideropoulos ("GZSZ") und Eralp Uzun ("Alle lieben Jimmy") durften sich übers Parkett lavieren – freuen natürlich die Senderverantwortlichen und fügen sich harmonisch ins Konzept der langfristigen konservativen Markenpflege, das RTL-Chefin Anke Schäferkordt und ihr Unterhaltungschef Tom Sänger seit langem propagieren. Statt Krawall und Skandalen à la "Dschungelshow" möchte man die Zuschauer derzeit lieber mit Wettkämpfen an sich binden, deren Muster und Ablauf ihnen sicher vertraut sind.

Witzereißer statt Schrittmacher

Der etwas restaurative Appeal des Ganzen schien dabei auch auf den allgemein so vielgelobten Moderator Kerkeling abgefärbt zu haben: Anders als im ersten Durchgang, wo er noch mit kessen Sprüchen ("Ein Duell, auf das Sie sich freuen können: Heide Simonis gegen den langsamen Walzer") aufgewartet hatte, blieb er blass. Seine Kalauer bewegten sich meist auf dem Niveau müder Namenswitzchen. Kostprobe: "Sie war mal ein Blümchen, jetzt ist sie ein stolzer Jasmin." Oder: "Jenny Elvers-Elbertzhagen, das ist ja ein langer Name, ich dachte schon, wir müssten überziehen. Aber das holen wir mit Ben wieder rein." Nun ja.

Für etwas Farbe sorgten allein die Kommentare von Kampfrichter Joachim Llambi, der seine Rolle als Bohlen-artiger Bösewicht offenbar zusehends zu genießen scheint – wenngleich er sie gestern ein wenig übertrieb: So durchgängig miesepetrig fielen seine Urteile, meist zwischen zwei und vier (von zehn möglichen) Punkten rangierend, aus, dass die Kandidaten backstage einmal gar vereint Sprechchöre gegen ihn skandierten. Kurioses wusste oft auch Ute Lemper beizusteuern: Egal, ob sie energisch "mehr Rumpf!" anmahnte oder gar forderte, "da muss mehr dunkle Autorität von unten reinkommen" – ihre Urteile hatten Unterhaltungswert.

Insgesamt aber dürften Ermüdungserscheinungen das größte Risiko für den Erfolg des Formats darstellen – nicht der Tänzer wohlgemerkt, sondern des womöglich bald Voting-übersättigten Publikums, das neben "DSDS" schließlich gerade auch den Eurovision Song Contest überstanden hat und auf ProSieben noch mit Heidi Klum "Germany’s next Top-Model" suchen soll. Der Zuschauer kann schließlich immer noch selbst bestimmen, wann er eine Pause macht. Die RTL-Matadore indes müssen bereits am nächsten Samstag wieder ran: Dann bittet die Pepe Lienhard Band zu Quickstep und Rumba.