Sängerstreit Wagner verweist Vorwürfe ins "Reich der Fabel"
Bayreuth - Im Bayreuther "Sängerkrieg" hat Festspielchef Wolfgang Wagner die jüngsten Vorwürfe des Sängers Hans Sotin zurückgewiesen. Der Vorwurf, er sei "feige" und "kneife", sei unwahr, schrieb Wagner in einem am Montag veröffentlichten Brief. Sotin sei aufgrund von Differenzen mit dem Dirigenten Christoph Eschenbach aus eigener Entscheidung von den Festspielen zurückgetreten. Der Sänger sei nicht dazu gedrängt oder genötigt worden, schrieb Wagner.
Sotin hatte kurz vor Beginn der 89. Richard-Wagner-Festspiele seine Rolle als Gurnemanz im "Parsifal" zurückgegeben. In einem Interview mit der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" hatte der Künstler, einer der dienstältesten Sänger in Bayreuth, den Festivalchef vor einigen Tagen kritisiert. In dem Streit um ihn und die ebenfalls ausgeschiedene Sopranistin Waltraud Meier sehe er ein "Zeichen einer Krise" der Festspiele, sagte Sotin.
Diese Behauptung verwies Wagner "ins Reich der Fabel". Völlig absurd sei zudem die Behauptung, die Weggänge seien durch eine "vermeintliche Nervosität" des Festspielleiters verursacht worden, weil es um Wagners Position und seine Nachfolgeregelung gehe. "Nicht allein, dass die Dinge im Falle Hans Sotins absolut nichts mit denen im Falle Waltraud Meiers zu tun haben, darüber hinaus eine ursächliche Verknüpfung mit der Nachfolgereglung gewaltsam zu konstruieren, lenkt von den wahren Sachverhalten ab und stellt sie von den Füßen auf den Kopf", schrieb Wagner. Gegen solche üble Nachrede werde er sich zu wehren wissen. Die Äußerungen seien eine "große menschliche Enttäuschung" für ihn.