Salgado-Ausstellung: Volle Kanne Kaffee - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Salgado-Ausstellung Volle Kanne Kaffee

Von wegen kalter Kaffee! Der weltberühmte Fotograf Sebastião Salgado hat sechs Jahre lang die Arbeit von Kaffeebauern fotografiert und zeigt die Fotos jetzt in Berlin. Ein wenig trägt auch sein Vater Schuld daran.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Zuerst kam die Kaffeedose. Und jetzt kommt – Gott sei Dank – die Ausstellung, und es klärt sich einiges. Aber zuerst war die limitierte Dose da. Eine Dose aus der Illy-Kollektion mit dem Foto von Kaffeebauern bei der Ernte auf einer brasilianischen Kaffeeplantage. Und gestaltet hatte sie Sebastião Salgado.

Eine Dose von Salgado? Dem brasilianischen Fotografen, der weltweit seit Jahren mit großartigen und eindringlichen Schwarz-Weiß-Aufnahmen das Leben von armen, hungernden und ausgebeuteten Menschen, insbesondere aus der sogenannten Dritten Welt, dokumentiert? Kaum vorstellbar. Warum so einer eine Dose mit einem seiner Fotos gestaltet, fragt man sich - und sucht Antwort auf der Homepage von Illycaffè.

"Schönheit und Geschmack" seien unzertrennlich, und "das Gute sei stets auch schön", und in diesem Sinne trage Illycaffè aktiv zur Förderung zeitgenössischer Kunst bei. Natürlich nicht nur mit Dosen, sondern indem man internationale Künstler und Ausstellungen unterstütze. James Rosenquist zum Beispiel, der den Illy-Schriftzug und auch eine Dose entworfen hat, oder Robert Rauschenberg, Julian Schnabel, Jeff Koons und Marina Abramovic.

Oder eben Sebastião Salgado. Siebzig Künstler haben immerhin schon für Illycaffè Tassen gestaltet, nur drei eine Kaffeedose.

Beim Weiterzappen durch die Illy-Homepage klärt sich einiges. Denn die Firma erläutert, dass sie "in den kaffeeanbauenden Ländern in erster Linie die Kaffeebauern unterstützt". Das passt schon eher zu Salgado. Man sei stolz auf "Illycaffès Einsatz für nachhaltige Entwicklung im Kaffeeanbau und in der Produktion", denn Illy kaufe seit 15 Jahren "aus Fairness ausschließlich direkt bei den Erzeugern zu einem nachhaltigen Preis, der den Kaffeebauern Gewinne garantiert".

In Kooperation mit Salgado wurde 2002 ein Fotoprojekt gestartet, das die Arbeit und den Kaffeeanbau auf den Plantagen in Brasilien, Indien, Äthiopien, Guatemala und in Kolumbien dokumentiert, unterschiedliche Kulturen zeigt, und die Bauern und deren Umfeld porträtiert. Und innerhalb dieses Projekts ist eben auch die Dose entstanden. Und natürlich die Ausstellung.

Seit 2002 ist Salgado dafür jedes Jahr in eines der fünf Länder gereist und hat das Leben der Kaffeebauern und die großartigen Landschaften der Anbaugebiete fotografiert. Seine schwarz-weißen Bilder zeigen, wie Kaffeekirschen mit der Hand von den Büschen gepflückt oder in einigen Ländern maschinell geerntet werden, wie die Früchte gesäubert, gewaschen, getrocknet und geschält werden oder aber in der "natürlichen" Methode 20 Tage vor der maschinellen Schälung in der Sonne trocknen. Er hat dokumentiert, wie die Bohnen gesiebt und damit selektiert werden, denn je größer die Kaffeebohne, desto teurer ist sie.

"In Principio" heißt die Ausstellung mit 60 Aufnahmen, und die Fotoreportagen sollen eine "Hommage an die Kaffeebauern" sein, die sich Illy zum 75. Geburtstag der Firma schenkt. Dass ausgerechnet Salgado dafür ausgewählt wurde, ist weder Zufall noch erstaunlich, denn in der Biografie des gebürtigen Brasilianers spielt die Kaffeeproduktion eine große Rolle.

Salgados Vater verdiente das Geld für seine kinderreiche Familie im brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais als Organisator des Kaffeetransports entlang der Küste, und Salgado selbst hat Anfang der siebziger Jahre als promovierter Wirtschaftswissenschaftler in London ein paar Jahre lang für die International Coffee Organization gearbeitet, bevor er 1973 als Fotojournalist zu arbeiten begann.

Natürlich hat Salgado 2002 zuerst für "In Principio" in Brasilien fotografiert, sogar in Minas Gerais, wo er aufwuchs. Und vielleicht sind dabei nicht nur das Dosen- und die Ausstellungsfotos entstanden, sondern auch die Bilder für die Website des brasilianischen Umweltprojekts "Instituto Terra" , für das er sich seit längerem engagiert. Alle Fotos auf deren Seite stammen nämlich von ihm, seiner Frau Lélia Deluiz Wanick und von Roberto Koch.


Ausstellung Sebastião Salgado. In Principio. Eine fotografische Reise auf den Spuren des Kaffees. Berlin. C/O Berlin.  6.9.-5.10., Eröffnung am 5.9., 19 Uhr, Tel. 030/28 09 19 25.