Salzburger Festspiele: Mortiers Abschiedsprogramm ade? - DER SPIEGEL
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Salzburger Festspiele Mortiers Abschiedsprogramm ade?

Das Sommerprogramm des Festspiel-Intendanten Gerard Mortier für 2001 steht auf wackligen Füßen. Einige Künstler haben schon jetzt abgesagt, befürchtet werden nun auch Absagen von Sponsoren.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Salzburg - Der scheidende Intendant Gerard Mortier hat das Programm für die Salzburger Festspiele 2001 weitgehend fixiert, die Realisierung aber bleibt unsicher. Einige der vorgesehenen Künstler haben bereits Absagen angekündigt, darunter der Regisseur Christoph Marthaler und der Dirigent Sylvain Cambreling, bestätigte das Festspielbüro. Das Festival befürchtet auch die Absage von Sponsoren. Die amerikanische Avantgarde-Förderin Betty Freeman, entschlossene Unterstützerin Mortiers, hat bereits ihren Rückzug von 2001 an mitgeteilt.

Nachdem Mortier das Sommerfestival aus politischen Gründen vorzeitig schon im kommenden Herbst verlassen wird, liegt die Realisierung der Vorhaben beim Kuratorium. Nach Einschätzung von Mortiers Nachfolger Peter Ruzicka ist das Gremium, dem er als kooptiertes Mitglied angehört, "unter großer Kraftanstrengung" in der Lage, die vorerst intendantenlose Saison 2001 selbst zu betreuen. Festspiel-Präsidentin Helga Rabl-Stadler teilte als Ergebnis einer Kuratoriumssitzung am Mittwochabend mit, man werde eine der von Mortier programmierten Opern-Neuinszenierungen streichen müssen.

Währenddessen liefern sich der scheidende Intendant und die bleibende Präsidentin ein Scharmützel um politische Stellungnahmen. Mortier hatte, begleitend zu seiner Pressekonferenz über seinen vorzeitigen Abgang aus politischen Gründen, am Eingang des Festspielhauses einen Text der österreichischen Schriftstellerin Marlene Streeruwitz angebracht. In ihrem Artikel "Alles, was falsch ist" greift sie den neuen Bundeskanzler Wolfgang Schüssel wegen der Koalition mit Jörg Haiders FPÖ heftig an. Rabl-Stadler forderte Mortier auf, das "Schüssel-Pamphlet" zu entfernen. Sie respektiere, dass Mortier die Regierung als Feind betrachte, am Festspielhaus sollten jedoch nur Künstler zu Wort kommen, die mit den Festspielen etwas zu tun hätten.