Schauspielerin Jenny Gröllmann gestorben
Berlin - "Über das ruhige Zusammenspiel zwischen Ulrich Mühe und Jenny Gröllmann werden Stimmung und die verhaltene Spannung des Konflikts überhaupt erst freisetzbar", lobte die "Berliner Zeitung" die Arbeit des Schauspielerpaars anlässlich der Ausstrahlung des Hölderlin-Porträts "Hälfte des Lebens" im Jahre 1985.
Rund 20 Jahre später waren die beiden Darsteller tief entzweit: Mühe, Star des preisgekrönten Stasi-Dramas "Das Leben der anderen", behauptete, seine Ex-Frau sei "inoffizieller Mitarbeiter" (IM) der Staatssicherheit gewesen. Das Berliner Landgericht entschied gegen Mühe, er durfte seine Behauptungen nicht wiederholen.
Ihre kreative Leistung können die Vorwürfe nicht schmälern: Gröllmann, geboren am 5. Februar 1947 in Hamburg, spielte bereits während ihrer Schulzeit in Dresden Theater. Als 14-Jährige debütierte sie in der Titelrolle in Brechts "Die Gesichte der Simone Machard". Nach einem Schauspielstudium war sie seit 1966 Mitglied des Ensembles am Maxim Gorki Theater und brillierte unter anderem in Maxim Vallentins Inszenierung von Gorkis "Wassa Shelesnowa" (1970).
Als Darstellerin selbstbewusster junger Frauen wurde sie zur respektierten Künstlerin: Sie überzeugte in Karl Gassauers Inszenierung von Molières "Die gelehrten Frauen" (1983) ebenso wie in diversen Gorki-Stücken, darunter "Barbaren" und "Die Kleinbürger" (1982).
Ab 1966 arbeitete Gröllmann auch für Film und Fernsehen. Ihr Leinwand-Debüt gab sie als Studentin in Ulrich Theins Kapitel "Die Prüfung" für den Episodenfilm "Geschichten jener Nacht"; in der Folge bewährte sich in den Gegenwartsfilmen der DEFA und des Fernsehens als Darstellerin selbständiger junger Frauen. Ihre erste Hauptrolle erhielt sie in Ingrid Reschkes "Kennen Sie Urban?" nach einem Drehbuch von Ulrich Plenzdorf.
Auch nach der Wende war Gröllmann als Schauspielerin gefragt - zum Beispiel als Anwältin Isenthal in der Erfolgsserie "Liebling Kreuzberg" mit Manfred Krug.
Das reale "Drama Mühe gegen Gröllmann" (SPIEGEL) überschattete ihre letzten Lebensmonate; eine Aussöhnung der beiden Künstler wird es nicht mehr geben. Jenny Gröllmann erlag am Mittwochabend im Alter von 59 Jahren einem Krebsleiden.
dan/dpa