Auktion: Schindlers Liste unterm Online-Hammer
Abschrift von Schindlers Liste Museumsdirektor sieht Verkauf bei Ebay skeptisch
Krakau - Es gibt noch genau vier Exemplare: Zwei Abschriften der berühmten Schindler-Liste befinden sich in der Holocaust-Gedenkstätte Jad Vaschem in Jerusalem, die dritte in einer US-Gedenkstätte - und eine vierte kann jetzt über Ebay ersteigert werden. Startpreis: Drei Millionen US-Dollar. Das sieht der Krakauer Museumsdirektor Michal Niezabitowski skeptisch. Zwar habe das Dokument große historische Bedeutung. "Aber es ist keine drei Millionen Dollar wert", sagte er im polnischen Rundfunk.
Das Dokument, das jetzt quasi von jedem solventen Interessenten ersteigert werden könnte, umfasst 14 Seiten. 801 Namen werden darin aufgeführt, jeweils mit Geburtsjahr und Beruf. Ausstellungsdatum ist der 18. April 1945. Mit der Liste soll der Industrielle Oskar Schindler versucht haben, Juden vor der Ermordung in den Vernichtungslagern der Nazis zu bewahren. Schindler hatte während des Zweiten Weltkriegs insgesamt 1200 jüdische Häftlinge, die er häufig nur zum Schein als Zwangsarbeiter für seine Fabrik in Krakau von der SS angefordert hatte, gerettet.
Der Verkäufer ist eine Auktionsagentur aus Kalifornien, der Standort des Artikels wird mit Israel angegeben. "Diese überaus seltene originale Schindler-Liste ist die einzige jemals auf dem Markt angebotene", heißt es in der Artikelbeschreibung bei Ebay. Bisher blieben Gebote aus. Die Auktion läuft noch bis zum 28. Juli.
"Das Problem ist, dass die Originalliste nicht mehr existiert", sagte Museumsdirektor Niezabitowski weiter. "Hier will jemand die Legende verkaufen." Die zum Verkauf stehende Liste sei eine von insgesamt sieben Abschriften, die während der Evakuierung der Emaillefabrik angefertigt worden waren.