"Schlag den Raab": Auf ihn mit Gebrüll - DER SPIEGEL
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"Schlag den Raab" Auf ihn mit Gebrüll

Eine Blondine im Ring und jede Menge alberne Spiele: In der siebten Ausgabe der Blödel-Show "Schlag den Raab" kämpfte ein weiblicher David gegen den Goliath-Entertainer. Doch neben satanischen Versen und Metzger-Gebrüll ging es dann auch um die Wurst.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Möchte man Stefan Raab sein? Hm. Schon wieder hat dieser Malefizkerl sein zwischenzeitlich nach ganz Europa verkauftes und mit dem Deutschen Fernsehpreis 2007 ausgezeichnetes Sendeformat "Schlag den Raab" gewonnen, was eigentlich zum Mäusemelken ist, denn letztes Mal hatte ihn der Gegenkandidat, ein Polizist, doch tatsächlich übertrumpft, und man hatte Raab die Niederlage so gegönnt!

Doch am Samstag war er bereits um 0.15 Uhr fertig mit der armen Sonja, der einzigen Frau der fünf Bewerber, und als solche doppelt und dreifach exponiert. Sonja Bartelt, die Gegenkandidatin in der siebten Show, 33 Jahre, ebenfalls Polizistin und irgendwie sympathisch, strotzte vor Potential: Gleich beim ersten Spiel schrie das schmale, anscheinend nur aus zähen Muskeln und dicken Nerven bestehende Etwas so laut ins Mikro, dass es einen halben Dezibel mehr aufzeichnete als bei Raabs aus tiefster Metzgersbrust kommendem Gebrüll, und gewann das Wettschreien, genau wie das lustige "Wer ist das?"-Spiel, bei dem Stefan und Sonja um die Wette Fotos von Prominenten aus Film, Fernsehen und Politik erkennen mussten.

Prima, dachten alle, die Zuschauer hofften auf David gegen Goliath, auf Raabs Gesicht, wenn die dünne Blondine den TV-Plagegeist tatsächlich schlagen würde, die Quotenzähler und Produzenten auf neue Rekorde im Marktanteilbereich – je spannender und länger sich eine solche Live-Show gestaltet, desto besser ist es für die Quoten.

Doch schon bei Spiel 3, dem "Autoball", das aus zwei Kleinstwagen und einem Riesenball auf einem Spielfeld mit zwei Toren bestand, konnte Raab mit Kaltschnäuzigkeit punkten: Als ob er den ganzen Tag nichts anderes machen würde, schmetterte der blaue (Stefans) Wagen dem roten einen Ball nach dem anderen in die Kiste und zog vom Leder wie die deutschen Frauen bei der WM gegen Argentinien.

Die Kunst des Rückwärtshörens

Beim Reaktionsspiel, das aus dem schnellen Ausschlagen kurz aufleuchtender Felder einer überdimensionalen Tastatur bestand, half ihm zudem die günstigere Physis: Die nette, unaufgeregte Beamtin musste mühselig in die Luft springen, um an Tasten zu kommen, auf die Raab mit seinem Gardemaß problemlos kloppen konnte.

Auch beim "Kubb", einem aus Skandinavien stammenden merkwürdigen Gesellschaftsspiel, bei dem die gegnerischen Mannschaften mit teigrollenähnlichen Wurfhölzern ein paar Holzklötze umwerfen müssen, lag Raab vorn. Und ebenso bei "Kisum". Das ist, wie der Name verrät, die Kunst, ein rückwärts gespieltes Musikstück zu erkennen – und toll ausgefuchst von der Raab-Redaktion, ausgerechnet einen Ozzy Osbourne-Song mit in die Auswahl zu nehmen. Denn schließlich waren es Black Sabbath, Ozzys alte Band, die seitenweise satanistische Grußbotschaften auf ihren Schallplatten versteckten, die man nur beim Rückwärtshören (und mit sieben Promille oder 23 Joints intus) verstehen konnte. Das Verstecken von Rückwärts-Botschaften scheint jedenfalls Osbournes Begehr nicht mehr zu sein, und so klang sein "Dreamer" falschherum einfach nur genauso quäkig wie richtigherum.

Kampf ums Wurstgewicht

Stefan und Sonja kletterten in Spiel 9 mit Todesverachtung auf "Den Pfahl", der zehn Meter hoch in der nieseligen Nacht aus dem Boden ragte und leicht schaukelte, und stellten sich dort oben auf wie diese unglaublichen Hochbauindianer – manch einem wird allein bei der Vorstellung schummerig. Raab war der erste, der sich schwindelfrei auf dem winzigen Holzfleckchen aufbaute und 30 Sekunden durchhielt, und so wurde es für Sonja, die – wahrscheinlich aus doch irgendwo versteckten Gentlemangefühlen – einen relativ charmanten, zurückhaltenden Raab erlebte, immer schwieriger.

Das zehnte Spiel, bei dem die Kandidaten taktisch so gewitzt an einer Wurst herumschnippeln mussten, dass sie bei jedem Wiegen mehr Wurstgewicht auf die Fleischwaage legen konnten als der andere, konnte sie zwar für sich entscheiden. Doch Raab gewann das Matchspiel 13 "Kofferpacken", entließ die schneidige Landjägerin ohne einen Pfennig nach Hause, und sitzt jetzt bis zum nächsten "Schlag den Raab" auf den 500.000 Euro Preisgeld.

In der siebten Ausgabe seiner Show hat er somit zum vierten Mal gewonnen – dieses relative Gleichgewicht wirkt sich natürlich wieder auf die Publicity aus, denn wenn er immer gewinnen würde, hätte irgendwann niemand mehr den Schneid, sich ihm zu stellen, und wenn sein Siegesstern sinken würde, guckte keiner mehr zu. So dagegen bewerben sich im Vorfeld jeder Sendung Hunderttausende von Menschen, und die Quoten in den werberelevanten Gruppen sind ohnehin utopisch – offenbar tun teilweise um die 70% der jungen Fernsehgucker an ihren Samstagabenden nichts lieber, als das Großmaul beim Nischensport anzufeuern.

Möchte man also Stefan Raab sein, Geld, Gebiss und Glück zuhauf haben, nachts auf Pfählen stehen, Frauen boxen und jeden Abend Fernsehzoten reißen, in der Hoffnung, dass es mal wieder eine bis zur öffentlichkeitswirksamen Anzeige bringt? Nä. Viel zu anstrengend.

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