"Schlag den Raab": Blut, Schweiß und Längen - DER SPIEGEL
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"Schlag den Raab" Blut, Schweiß und Längen

Sportskanone schlägt Rechenkünstler: Der Mathelehrer Arvid musste zum Jahresauftakt der Zweikampf-Show "Schlag den Raab" ohne den Jackpot heimreisen. Stattdessen siegte Entertainer Stefan Raab – und stellte in Sachen Show-Marathon eine neue Rekordmarke auf.
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Hamburg - Das Gute zuerst: Stefan Raab hat mit seiner Show "Schlag den Raab" diesmal nur eine halbe Stunde überzogen. Das Schlechte daran: Die Sendung war von vornherein auf über vier Stunden angesetzt und endete deshalb erst um kurz vor ein Uhr am Morgen. Wer es bis dahin aushielt und die unzähligen Werbepausen und Gesangseinlagen überstand, sah einen blutenden Herausforderer und einen jubelnden Raab. Dank seines Erfolgs in der Disziplin "Domino" sicherte er sich den Gesamtsieg an diesem Abend, der Jackpot erhöht sich damit für die nächste Sendung auf zwei Millionen Euro.

Deswegen werden sich wieder Tausende Zuschauer als Gegenkandidat für Raab bewerben, doch hoffentlich schaut sich die Redaktion die Leute vorher diesmal besser an als vor dieser Show. Ausstrahlung, sympathisches Auftreten und Schlagfertigkeit waren bei vier der fünf zur Abstimmung stehenden Bewerber jedenfalls Fehlanzeige, in ihren Augen glitzerten stattdessen nur die Euro-Zeichen. So setzte sich bei den Zuschauern folgerichtig Arvid durch, Gesamtschullehrer aus Hamburg und der Einzige des Quintetts, der vor Verbissenheit nicht von der Showtreppe fiel.

Seine Fächer in der Schule: Politik, Mathe und Sport. Beim Kopfrechnen ließ er Raab keine Chance; auch als es darum ging, einen Mann aus dem Publikum mit verschiedenen Gewichten abzuwiegen, siegte er dank seiner genau ausgezählten und ausgeklügelten Taktik. So lag er nach neun Disziplinen vorn, weil er auch beim Flippern, Mau Mau und dem Langsam-Radfahren das bessere Ende für sich hatte.

Durchtrainiert gegen pummelig

Der 39-Jährige wähnte sich schon auf der Siegerstraße, doch die Hoffnung auf das neue Eigenheim schwand in den nächsten Disziplinen dahin. Dabei hätte er als durchtrainierter Sportlehrer eigentlich Vorteile gegen den energiegeladenen, aber doch immer leicht pummelig wirkenden Raab haben müssen. Doch weder beim Skispringen ins Wasser noch beim Degenfechten hatte er eine Chance.

Zur Blamage geriet sein Auftritt beim Fußballtennis, als er kaum einen Ball übers Netz brachte. "Jetzt kann mir nur noch eine Schach-Partie helfen", sagte er, doch nach Domino war Schluss. Raab legte die längere Strecke von Steinen. Da musste der Herausforderer nicht mal lange nachrechnen: Wer fünf Disziplinen in Folge verliert, kann den Jackpot vergessen. Auch der Mitleidsbonus half nicht: Beim Eisklettern hatte sich der Unglücksrabe einen Eispickel ins Gesicht geschlagen und musste später sogar während einer Werbepause genäht werden. Blut und Schweiß flossen, aber nicht das erhoffte Geld.

Über zwei Million Euro darf sich nun vielleicht der Kandidat in der nächsten Show im April freuen. Wäre nett, wenn Raab und seine Mannen auch an die Zuschauer denken und sich bis dahin neuen Schwung holen. Zu viel Langeweile in einer Show kann sich auch Tausendsassa Raab auf Dauer nicht leisten. Die Mitmachmomente wie beim Raten von Plattencovern oder Kopfrechnen zündeten höchstens im Stundentakt. Der Rest: alles irgendwo schon mal gesehen. Es wird Zeit für neue Spiele. Immerhin: Das Entsetzen im Gesicht von Raab kurz vor der Landung beim Skispringen ins Wasser sollte einen festen Platz als Videoclip bei "TV Total" kriegen. Das macht ihm so schnell keiner nach.

Moderator ohne Unterhaltungswert

Verbal kam Raab jedoch nur schwer aus der Winterpause und konzentrierte sich stattdessen auf den Wettstreit. Warum der Moderator der Sendung immer noch Matthias Opdenhövel heißt, muss mit persönlichen Beziehungen oder fehlenden Ausstiegsklauseln zu tun haben. Kompetenz oder Unterhaltungswert sucht der Zuschauer bei ihm jedenfalls vergeblich. Vielleicht lässt man einfach mal Kommentator Frank Buschmann vor die Kamera, dann kommt wenigstens Emotion ins Spiel.

Aber wahrscheinlich hat Buschmann einfach keine Lust auf fast fünf Stunden Moderation am Stück. Und für die Zuschauer außerhalb des "TV-Total"-Fanclubs ist das Limit längst erreicht.

Wem vor langen Live-Sendungen nicht bange ist, der sollte nächste Woche bei Thomas Gottschalks "Wetten, dass?" reinschauen. Zu Gast: Stefan Raab. In Sachen Zuschauerquote hat Gottschalk immer noch die Nase voraus. Im Show-Marathon setzt Raab mittlerweile die Maßstäbe.

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