"Schlag den Star" Effenberg macht den Tiger
Man kann ja froh sein, dass der Notarzt nicht kommen musste. So fertig war die Frau! Als der Typ, der im Zuschauerraum hinter ihr saß, für den Gegner klatschen wollte, verbot sie ihm das mit einer flinken Handbewegung. "Meine Nerven liegen blank", gestand sie schon zu Beginn der Sendung. Und mittendrin nochmal: "Ich krieg' gleich'n Kreislaufkollaps."
Vermutlich war Claudia Effenberg vom Zusehen im Publikum erschöpfter als ihr Mann. Der absolvierte vorne auf der Bühne sein Spiel ohne lästige Gefühlsregungen, verzichtete auf allzu große Risiken - und wurde dafür mit dem Sieg belohnt, nachdem sein Herausforderer im letzten Spiel gleich drei Mal von den aufeinander gestapelten Bierkästen fiel. Am Ende sagte Stefan Effenberg zu seinem Gegner: "Respekt!" Und seine Frau zu ihrem "Tiger": "Ich liebe dich."
Ach herrjeh, so viel Fairness und Unterstützung gibt's sonst bloß bei den Pfadfindern - und seit Stefan Raab schon wieder eine neue Show eingefallen ist, eben auch im Abendprogramm von ProSieben.
Wobei: Ganz neu ist die Idee zu "Schlag den Star" natürlich nicht. Die Sendung ist eine abgewandelte Version der Marathon-Show "Schlag den Raab", bei der der Herr Moderator sonst persönlich gegen Übersportler antritt, die scharf darauf sind, ProSieben um ein halbes Milliönchen für die Familienkasse zu erleichtern. In der abgewandelten Version, wie sie von Raabs Team ursprünglich fürs britische Fernsehen entwickelt wurde, wird statt des Moderators ein Promi ins Spiel geschickt.
Erfolgreiche Promi-Variante
Und weil das in Großbritannien so gut funktioniert hat, probiert's ProSieben jetzt auch hier - und zwar mit abwechslungsreicher Besetzung: Nach Effenberg tritt in der kommenden Woche Boris Becker an, danach folgen Wigald Boning und Stefan Kretzschmar. Alles unterschiedliche Typen, weil es auch bei "Schlag den Star" auf ganz verschiedene Fähigkeiten ankommt. Es bringt überhaupt nichts, ein großartiger Sportler zu sein, wenn man nicht auch ein bisschen was über Geografie weiß oder beim Bowlen die Pins nicht trifft.
Hat auch Effenberg gemerkt, der am Freitagabend gegen den 34-jährigen Containerbrückenfahrer Oliver antrat, der die Chance hatte, bei einem Sieg 50.000 Euro mit nach Hause zu nehmen (ProSieben muss ja sparen). Das hat zwar nicht geklappt, aber jetzt kommt die Kohle - wie beim Original - in den Jackpot, was den Kandidaten in der kommenden Woche freuen dürfte.
Wie bei "Schlag den Raab" ist es auch in der Promi-Variante ein bisschen Zufall, ob die Sendung spannend wird oder früh auf einen vorhersehbaren Sieg hinausläuft. Dabei hat "Schlag den Star" den Vorteil, dass es früher spannend wird, weil in zwei Stunden statt 15 nur 9 Spiele gespielt werden können und sich Niederlagen schon relativ früh doch noch in Siege verwandeln lassen. Das einzig Dumme ist, dass sich ab einem gewissen Zeitpunkt voraussagen lässt, wer gewinnen wird - man muss bloß wissen, dass die Sendung aufgezeichnet ist und wann die nächste Sendung beginnt, weil sich dann leicht kombinieren lässt, dass ein Rückstand nicht mehr aufgeholt werden kann.
Mitzittern mag man da nicht
Es ist erstaunlich, wie viel das ausmacht: So richtig mitzittern mag man da nicht mehr. Und niemand muss mehr bis ein Uhr nachts vor der Glotze hängen, um herauszufinden, wer gewinnt.
Der Anreiz, zuzusehen, wie sich die Promis im Wettkampf schlagen, bleibt trotzdem. Immerhin erfordert es einen gewissen Mut, sich da auf die Bühne zu stellen - weil ja der Herausforderer nichts zu verlieren hat, der Promi aber mindestens so was wie "seine persönliche Ehre" (wie Raab es formulierte).
Effenberg musste sich wenigstens nicht um so was wie einen guten Ruf sorgen und spielte einfach drauflos, unterlag letztlich nur im Tierfühl-Spiel und beim Quiz, entschied aber das Würfeln und das Putten nur knapp für sich, was die Angelegenheit doch noch ganz reizvoll machte. Auch wenn der "Tiger" im Schlussspiel dann auf den Bierkisten hing wie ein Kätzchen im Baum, das auf die Feuerwehr wartet - oder zumindest darauf, dass der Gegner früher abstürzt.
Irritierende Werbe-Gags
In Sachen Ehrgeiz kam Effenberg zu keiner Zeit an seinen Gastgeber heran, der sich sonst über jedes verlorene Spiel ärgert als sei ihm ein Amboss auf den Fuß gefallen. Als Moderator hielt sich Raab derweil angenehm zurück, was ein bisschen ungewohnt ist, wenn man ihn sonst bei "TV total" sieht - aber für "Schlag den Star" war's genau richtig.
Es wäre für Raabs neuesten Showableger also ein Auftakt nach Maß gewesen, hätte ProSieben sich nicht selbst dazwischen gepfuscht - und nach einer Werbepause eine Sondersendung seiner Nachrichten "Newstime" gezeigt, in der der Moderator berichtete, in New York sei ein Kind geboren worden, das innerhalb kürzester Zeit altere. Wissenschaftler würden sich jetzt mit dem unerklärlichen Fall beschäftigen. Nachher stellte sich heraus, dass die vermeintliche Nachricht bloß ein Werbe-Gag für eine neue Mystery-Serie war, die der Sender in der kommenden Woche starten will. Der wirkte allerdings derart echt, dass sich im Forum des Senders die ersten Zuschauer äußerten, sie seien danach entweder zu verdutzt oder zu verärgert gewesen, um zuzugucken, wie es mit Effenberg und den Bierkisten weiterging.
Mit solchen Peinlichkeiten tut sich der Sender keinen Gefallen - außer natürlich, ProSieben ist inzwischen alles recht, um neue Serien bekannt zu machen, auch wenn dafür die eigenen Nachrichtenmoderatoren ins Lächerliche gezogen und die Zuschauer verärgert werden müssen.