Schleichwerbung Star-Moderatoren im Visier?
"Ist so etwas koscher und wenn ja, wollen wir das?", fragte sich der ARD-Vorsitzende Thomas Gruber unlängst im Interview mit dem Nachrichtenagentur "Focus". Die Frage zielte auf die Kooperation der ARD mit Produktionsfirmen von TV-Stars. Geht es nach Gruber, soll überprüft werden, ob Moderatoren wie Sabine Christiansen, Jörg Pilawa oder Reinhold Beckmann ihre kostspieligen Sendungen auch in Zukunft selbständig herstellen dürfen.
NDR-Intendant Jobst Plog war sichtlich überrascht, als er von dem Vorhaben Grubers erfuhr. Er habe "erst der Presse entnommen", dass das Thema auf der Agenda der kommenden Intendantentagung am 12. und 13. September stehen soll. Für den NDR-Intendanten ist eine Überprüfung der Verträge "nicht verständlich", wie er der "Süddeutschen Zeitung" erklärte. Wenn man in Konkurrenz stehe und die Spitzenklasse der Moderatoren haben wolle, müsse man bereit sein, Marktpreise zu zahlen.
"Wir haben diese Form der Zusammenarbeit mit einigen herausgehobenen Stars auch gewählt, weil wir nicht wussten, ob deren Formate Erfolg haben würden", sagte Plog. Protagonisten wie Sabine Christiansen hätten eigene Redaktionen aufgebaut und so für den Sender das wirtschaftliche Risiko übernommen.
Plog betonte außerdem, die Verträge mit Beckmann zum Beispiel seien von allen Rundfunkräten der ARD geprüft worden. Auch die investierte Summe sei öffentlich gemacht worden. Niemand habe an dem Prozedere Anstoß genommen, es gebe nichts zu "skandalisieren".
Ob Grubers Vorstoß eine Skandalisierung der laufenden Praxis oder eine klärende Maßnahme ist, darüber wird spätestens beim Gipfeltreffen der ARD-Vorderen entschieden. Wie hatte Gruber Anfang des Monats dem SPIEGEL gesagt: "Wir wollen zu einer klaren Linie, was geht und was nicht."