Scholl-Latour bei Gabi Bauer: Wie man "al-Qaida" richtig intoniert - DER SPIEGEL
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Scholl-Latour bei Gabi Bauer Wie man "al-Qaida" richtig intoniert

Angesichts der Irak-Krise schlägt einmal mehr die Stunde Peter Scholl-Latours. Der rasende Reporter zwischen Orient und Okzident erzählte im Talk mit Gabi Bauer erneut von tausendundeiner Nacht und der unvermeidlichen Apokalypse. Der Krieg kommt, da ist sich die ewige TV-Kassandra sicher.
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Niemand kann den arabischen Namen des islamistischen Terrornetzwerks al Qaida so fachlich korrekt, beeindruckend authentisch und hingebungsvoll aussprechen wie Peter Scholl-Latour, der Allah-sei-mit-uns der deutschen Publizistik. Wer al Qaida nicht richtig intonieren kann, so viel ist klar, darf überhaupt nicht mitreden und hat im mittelöstlich-südostasiatischen Krisenbogen schon gar nichts zu melden. Niemand auch kann so wunderschön und im sanften Wellenschlag der Wortmelodie jene Märchen aus tausendundeiner Nacht erzählen, die allesamt in der Apokalypse enden. Und niemand ist so in der Welt der Kriege und Katastrophen zu Hause wie Scholl-Latour, der lebenslange Globetrotter, ein wahrer Gentleman des Weltgeists, der stets ein Kamerateam dabei hat. Nur zu Dokumentationszwecken - und falls Nachfragen kommen.

Am Vorabend eines möglichen Irak-Krieges schlägt wieder die Stunde des fast 79 Jahre alten Haudegens: Im ZDF präsentiert er derzeit eine vierteilige "Chronik" unter dem Titel "Kampf dem Terror - Kampf dem Islam?" (heute Abend: "Amerikas Ritt auf dem Drachen"), und gestern nacht stand er in der ARD auch noch Gabi Bauer Rede und Antwort.

Über Scholl-Latours suggestivem Singsang zwischen Orient und Okzident, Mohammed, Jesus und den Kreuzrittern, das zeigte jedenfalls der dritte Feature-Teil ("Der Flächenbrand"), geht so manche Wahrheit verloren. Da kommt das immerhin demokratisch regierte Indien sehr viel schlechter weg als die "islamische Republik" Pakistan, da wird die Befreiung Osttimors von indonesischer Herrschaft als Teil einer US-imperialistischen Strategie dargestellt, deren "eifrigste Helfer", die Australier, eben nicht zufällig zu den Opfern des Terroranschlags auf Bali wurden. Irgendwie verständlich: Die indonesischen Moslems mussten sich nach der Schmach der Vertreibung aus Osttimor ja irgendwie rächen.

"Ich war in Vietnam, während sich George W. Bush gedrückt hat"


Dazu kämen noch die halbnackten Touristen an den Stränden des südostasiatischen Krisenbogens, eine unerträgliche Provokation der gläubigen Muslime. Zudem, so Scholl-Latour, gebe es eben keine Urlaubsidylle mehr, nachdem George W. Bush den Krieg gegen das Böse erklärt hat. 1,3 Milliarden Muslime, das hat Scholl-Latour in persönlicher Befragung herausgefunden, stünden nun gegen den "stählernen Koloss der amerikanischen Weltmacht". Ein standesgemäß gruseliger Cliff-Hanger der TV-Kassandra. Fortsetzung folgt.

Der Zuschauer musste nun blitzschnell zur ARD und "Gabi Bauer" schalten, um sich doch noch eines etwas Besseren belehren zu lassen. Nein, Scholl-Latour sei kein einäugiger Anti-Amerikaner, der die islamische Welt schönredet und korrupte Diktatoren verteidigt, nur weil sie der "Pax Americana" trotzen. "Ich war in Vietnam, während sich George W. Bush gedrückt hat", sagt er Gabi Bauer trotzig ins Gesicht. "Da lasse ich mir keinen Anti-Amerikanismus anhängen."

Zwar wurde er prompt den einschlägigen Zuschauererwartungen gerecht und prophezeite zuverlässig "Der Krieg kommt" - inklusive einem Zusatz aus seiner persönlichen Lebenserfahrung: "Man kann auch in der Hitze Krieg führen" -, doch er sprach auch vom "schrecklichen Terror" des Saddam-Regimes. Libyen und Syrien seien allerdings kaum besser als der Irak. Den Amerikanern gab er immerhin in einem Punkt Recht: Die Gefahr der Weitergabe von Massenvernichtungswaffen an Terroristen sei durchaus real. Gleichwohl befand auch er, dass die amerikanische Kriegsstrategie mit einer akuten Terrorgefahr nicht zu begründen sei. Zudem sei der Irak schwach wie nie. Sein tiefes Misstrauen gilt den von George W. Bush angekündigten "Beweisen". Doch auch der nahezu allwissende Drachenkundler Scholl-Latour fand keine Antwort auf Gabi Bauers entscheidende Frage, was denn jenseits der äußerst wünschenswerten Verhinderung des Krieges zu tun sei, um den extrem hochgeschaukelten Konflikt zu lösen.

Gut gehen kann es jedenfalls nicht. "Wie lebt sich's als Pessimist?" fragte Gabi Bauer zum Schluss mit provokantem Lächeln. Einen alten Wüstenfuchs aber kann das nicht erschüttern. Fast so genussvoll, wie er auch hier wieder "al Qaida" intonierte, gab Scholl-Latour zurück: "Kassandra hatte Recht. Troja ist gefallen."

Bleibt nur die bange Frage: Wie heißt Troja heute?

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