Schütze Cheney: "Thank you, Jesus" - DER SPIEGEL
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Schütze Cheney "Thank you, Jesus"

Zum Schießen: Vizepräsident Dick Cheney verletzte bei der Wachteljagd einen Freund und lieferte damit amerikanischen Satirikern und Polit-Kommentatoren eine Steilvorlage. Die Hatz auf den unbeliebten Hardliner ist eröffnet.
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"Kennen Sie diese Wochenenden, wo man gelangweilt denkt: Es passiert aber auch überhaupt nichts Komisches mehr?", eröffnete Amerikas Lieblingssatiriker Jon Stewart am Montagabend seine Sendung "The Daily Show". Das Publikum bog sich schon, bevor Stewart auch nur weiterreden - oder, wie er es während der Sendung mehrfach tat - mit zum Himmel gerichteten Blick "Thank you, Jesus" hauchen konnte.

Später ließ sich Stewart von seinem fiktiven "Analytiker für Jagdunfälle des Vizepräsidenten" Rob Corddry aufklären: "Der Vizepräsident steht hinter seiner Entscheidung, auf Harry Whittington zu schießen. Den besten verfügbaren Geheimdienstinformationen zufolge versteckten sich Wachteln im Gebüsch. Und obwohl sich die Wachteln als 78-jähriger Mann entpuppten, besteht Cheney darauf, dass er Mr. Whittington dennoch ins Gesicht geschossen hätte. Nicht zu schießen hätte den Wachteln das Signal vermittelt, Amerika sei schwach."


Jay Leno sagte in seiner "Tonight Show" auf NBC: "Erst heute habe ich über den Vorfall dies in Erfahrung bringen können: Dick Cheney hat den Mann eine halbe Stunde lang gefoltert, bevor er auf ihn schoss." Und David Letterman ätzte in seinen "10 besten Entschuldigungen für den Schuss" unter anderem: "Bis die Demokraten endlich der Medicare-Reform zustimmen, müssen wir für unsere Senioren einige harte Entscheidungen fällen."

Auch die Blogsphäre ging vergnügt mit Cheney Schlitten fahren. Die Publizistin Ariana Huffington veröffentlichte auf ihrer Website huffingtonpost.com ein Bild von Cheney beim Krankenbesuch. Im Bett: Scooter Libby, jener Cheney-Berater, der wegen der offenbar als Abstrafung gedachten Enttarnung der CIA-Agentin Valerie Plame unter Anklage steht. Außerdem kann man sich hier an einem Wachteljagd-Spiel  versuchen: Immer, wenn man den Abzug drückt, dreht sich Cheney zu seinen Mit-Jägern um und schießt.

"Daily Kos" postierte ein Foto auf seiner Website, in dem Cheney mit einigen Honoratioren ein Gewehr bestaunt, ohne zu bemerken, dass er einem Gegenüber bereits den Kopf weggeschossen hat. Der Komiker Bill Maher malte sich ein Szenario aus, in dem Cheney den anwesenden Arzt anweist: "Tun Sie Ihr Bestes." Darauf der Arzt: "Ich stoppe die Blutung." Cheney: "Nein, Sie Idiot. Ich meine, lassen Sie es so aussehen, als wäre die Wunde selbst verschuldet."

Nicht einmal die Mainstream-Nachrichtenmedien konnten sich Sticheleien verkneifen. ABC erinnerte vor dem Bild des Vizepräsidenten, der lächelnd ein Gewehr hält, an einem weiteren Jagdausflug Cheneys mit dem Obersten Bundesrichter Antonin Scalia in 2003, drei Wochen nachdem das Oberste Bundesgericht einer Klage Cheneys gegen die Herausgabe von Sitzungsprotokollen von Treffen mit Spitzenmanagern der amerikanischen Energiewirtschaft stattgegeben hatte.

CNN zeigte ein Foto von Cheney neben einer Abbildung von drei Wachteln mit der Unterschrift "Friendly fire". Und die "Philadelphia Daily News" druckte ein Foto von Cheney mit einem Gewehr in der Hand und der Bildzeile "Deadeye Dick". "Die Jagdsaison ist eröffnet", titelte "USA Today" unter Hinweis auf die Cheney-Witze und druckte auf ihrer Meinungsseite eine Karikatur, in der sich Cheney mit rauchendem Gewehrlauf über ein zum Himmel ragendes Fußpaar beugt und sagt: "Tschuldigung. Ich dachte, Sie wären die Menschenrechte." Der Cartoonist der "Washington Post", Tom Toles, zeichnete ein Bild von Cheney vor einer menschlichen Jagdtrophäe. "Meine Kritiker hätten natürlich verlangt, dass ich mir erst eine richterliche Anordnung besorge", sagt der Vizepräsident.


Und natürlich feixte auch der politische Gegner: "Die CIA hat Mr. Cheney versichert, dass Mr. Whittington tatsächlich ein Fasan ist", stichelte der demokratische Redenschreiber Jeff Nussbaum. Gestern legte sogar der Sprecher des Weißen Hauses, Scott McClellan, auf Cheney an. Dem Hinweis, Präsident Bush halte sich mit dem Footballteam der University of Texas auf der Südwiese des Weißen Hauses auf, ließ er die Bemerkung folgen: "Die Spieler tragen nicht etwa deswegen Orange, weil sie fürchten, dass der Vizepräsident anwesend sein könnte." Und dann, mit Hinweis auf seine Krawatte: "Auch wenn das der Grund ist, warum ich diese Farbe trage."