Sieben Hügel Mehr Licht!
Typisch Berlin: Nicht kleckern - klotzen! Keine simple Ausstellung, nein, "7 Hügel - Bilder und Zeichen des 21. Jahrhunderts" will mehr sein: eine Wissensshow mit Erlebnisfaktor 2000, interaktiv, auf der Höhe der Zeit. Ein Mega-Event, das nicht nur die Leistungen der Geschichte Revue passieren lässt, sondern auch einen Ausblick in die Zukunft wagt.
Da gibt es natürlich viel Pathos und extremen Aufwand, geht es doch um die Kardinalfragen der Menschheit: um das ewige Woher, Wohin und wie viel Zeit einem noch bleibt. Fragen, die sich im Martin-Gropius-Bau jeder stellt, der schnurstraks gen Lichthof eilt, weil dort, im "Kern", die Antworten lauern: der Code des Lebens, das Zelleninnere, kosmischer Teilchenflug, Erkenntnisse der subatomaren Physik und das Neueste aus den Laboren für Künstliche Intelligenz: fußballspielende Computerhündchen etwa. Doch die SONY-Stars geben sich erst wieder nach 17 Uhr die Ehre. Bleiben zwei Stunden für das Spektakel, Zeit genug, um sich in dem blinkenden, raunenden Halbdunkel treiben zu lassen, in dem es penetrant nach Gummi stinkt. Wo ist er nun, der Kern des Ganzen?
Filmarchitekt Ken Adam hat seinen Part effektvoll inszeniert. Eine gigantische Doppelhelix windet sich durch den umkonstruierten Raum. Röhren und Tunnel, flimmernde Videoflächen. Unübersehbar: Adams Vorliebe für Gun-Metall, kühler Glanz für kühne Bauten. Ein riesiger Globus dreht sich orange-transparent, freie Sicht auf Magmaströme und Vulkane. Daneben rücken Besucher ihre Folienbrillen zurecht, der Video-Trip ins Innere der Zelle muss plastisch sein. Aufgepasst! Ein Metallklotz wird fast zur Stolperfalle. "Ultra-Hoch-Vakuum-Kammer" steht kleingedruckt auf dem schlecht beleuchteten Schild daneben; nichts jedoch darüber, wozu sich diese "Skulptur der Leere" einsetzen lässt. Bezeichnende Didaktik.
Mehr Überblick gefällig? Ein Lift steuert zwei gläserne Plattformen an. Doch oben wie unten: Chaos. Filmausschnitte, binärer Zahlencode und immer wieder tieffliegende Teilchen aus dem Weltall. Blinken und flirren fast wie Silvesterraketen. Woher? Wohin? Ohne Autopilot geht's zu den nächsten Themen: Weltraum, Dschungel, Zivilisation, Wissen, Glauben und Träumen. 8000 m2 Ausstellungsfläche wollen durchschritten sein. Man huscht über knirschende Bambusbrücken und moosweiche Urwaldböden, verharrt aufatmend in meditativ leeren Räumen und stolpert immer wieder über Schwellen. Doch Neugier siegt über Ratlosigkeit. Sie treibt einen zum güldenen Fußabdruck Buddhas, zu blau schimmernden Schmetterlingen, ausgestopften Tigern und Reagenzgläsern mit Nukleinsäure. Nur wenige Schritte trennen die Gutenberg-Bibel von Nietzsches Kugelschreibmaschine und den Mondraketen. Über 2000 Objekte aus allen Epochen und Regionen stehen scheinbar willkürlich zur Ansicht frei.
Zurück also zum Kern des Ganzen, vorbei an unermüdlich arbeitenden Roboterarmen und dem bereits nach einer Woche streikenden BrainLab. Endlich: Einzug der sechs possierlichen Roboterhündchen aufs Bonsai-Fußballfeld. Anpfiff. Aber was ist das? Schiebung! Die Blauen gewinnen, der rote Torhund gibt sich desinteressiert. Mehr Licht für seine Sensoren! Doch dafür hat es nicht gereicht. Allen jahrelangen Recherchen und investierten 28 Millionen zum Trotz.