Sitcom "Pastewka" Der freundliche Herr Flitzpiepe
Wenn Prominente große Elektronikfachmärkte und Kaufhäuser aufsuchen, um dort ihre neue DVD vorzustellen und Autogramme zu geben, kann das zweierlei bedeuten. Entweder handelt es sich dabei um einen sicheren Hinweis auf den Karriereabstieg, der nur noch mit persönlicher Präsenz bei den verbliebenen Fans hinausgezögert werden kann. Oder der Termin ist mit Bastian Pastewka. Dann ist das Gegenteil der Fall.
Denn Bastian Pastewka hat eine Mission. Am Donnerstag in Hamburg, heute in Köln, am Montag in Berlin. Gerade ist sein mit Oliver Kalkofe und Oliver Welke gedrehter Kinofilm "Neues vom Wixxer" auf DVD erschienen, dazu die zweite Staffel der sehr feinen Sitcom "Pastewka", die am Freitag bei Sat.1 in die dritte Runde geht und in der der ehemalige Mann von der "Wochenshow" sich quasi selbst spielt: den bekannten Komiker Bastian Pastewka, der zielsicher jedes Fettnäpfchen ansteuert, das man für ihn aufgestellt hat. So etwas will beworben werden, sonst findet es ja niemand zwischen all den Comedy-Massenproduktionen, den Ermittlersoaps und Rateshows.
Lichtblick im Comedy-Einerlei
"Mich wundert es nicht, dass sich junge Zielgruppen ihre Serien immer öfter auf DVD oder im Netz besorgen", sagt der 35-Jährige. "Und ich muss in diesen Tagen öfters für den Fall 'Pastewka' mahnend erinnern: Es gibt auch noch etwas, das sich Sendeplatz nennt. Im Fernsehen! Freitags, um viertel nach neun kommen Sie, staunen Sie!"
Das allererste, was man über Bastian Pastewka wissen sollte, ist: Er ist fernsehsüchtig. Zeichnet sich massenhaft Programme auf dem Festplattenrekorder auf, schaut die nachher sogar noch an und das ist das Schöne! ärgert sich genauso über schlechte Sendungen wie alle anderen Zuschauer: "Ich bin ja auch Publikum!", sagt er und analysiert: "Das deutsche Fernsehen langweilt derzeit, weil es so erwartbar geworden ist: Keine Familienkomödie mehr ohne den 'Millionär' im Titel, kein Sonntagabend ohne irische Küstenlandschaft à la Rosamunde Pilcher und am Freitag wird der Arzt vom Wörthersee gerufen." Der Unterschied zu anderen Zuschauern: Pastewka hat die Möglichkeit, das Fernsehen, das er mag, selbst zu machen.
Seine Sat.1-Serie, die eigentlich bei RTL laufen sollte, dort aber nicht gewollt wurde, ist einer der wenigen Lichtblicke im deutschen Comedy-Einerlei. Sie wärmt nicht zum hundertsten Mal alte Gags auf oder bringt Sketche vom Fließband. Stattdessen beobachtet Pastewka mit seinem Co-Autor Chris Geletneky sehr genau die kleinen Tücken des Alltags, erzählt Geschichten vom Warten in der Kinoschlange, beim Personalausweisbeantragen oder am Drive-In-Schalter. Und er lässt sich selbst da durch stolpern, ohne Angst, sich richtig zum Deppen zu machen: "Alles, was ich im wahren Leben an schlechten Eigenschaften habe, versuche ich in der Serie zu vergrößern. Figuren, denen es permanent gut geht, kann ich in deutschen Sitcoms nicht mehr sehen."
TV-Realität absurder, als sich jede Sitcom ausmalen könnte
Nebenbei wischt er dem Fernsehen ordentlich eins aus. Für die zweite "Pastewka"-Staffel hat er die Panelshow "Wie wird's witzig" erfunden, in der immer dieselben Comedians sitzen, um immer dieselben Gags zu reißen, und selbst sehr genau wissen, wie überflüssig das ist. "Es ging da weniger darum zu sagen: Schaut mal, das böse Fernsehen mit seinen langweiligen Konzepten. Denn die kommen ja nur zustande, wenn Komiker wie die Lemminge hinterherlaufen und sich in jede neue Panelshow setzen." Oder sich auch nicht für den dümmsten Dokusoap-Verschnitt zu schade sind, wie bei dem ebenfalls für die Serie erfundenen "Kessler drillt Promis" mit Pastewkas Kumpel Michael Kessler, der Kollegen im Fernsehen fit schleifen sollte.
In der dritten Staffel wird es solche Momente leider seltener geben. Ganz einfach, weil die TV-Realität viel absurder ist, als man sich das für eine Sitcom ausdenken könnte. Vor einem Jahr wäre so etwas wie "Das große Promi-Pilgern" bei "Pastewka" noch als Gag durchgegangen. Jetzt läuft es bei ProSieben.
Dennoch dürfte auch die dritte Staffel genug Futter für Fernsehjunkies bieten. In einer Episode, verrät Pastewka, lädt Til Schweiger ihn ein, in einem großen Event-Movie mitzuspielen, wie sie nach "Dresden", der "Sturmflut" und der "Luftbrücke" gerade so en vogue sind. Eigentlich sei ja nur noch ein deutsches Großereignis übrig, das noch nicht verfernsehfilmt wurde: "Der autofreie Sonntag"! Schweiger soll Willy Brandt spielen, Jan Josef Liefers ist Walter Scheel und Heino Ferch ist für die Rolle des Hans Dietrich Genscher eingeplant; die üblichen Verdächtigen also. Für solche Witze auf Kosten des eigenen Mediums möchte man Pastewka am liebsten mal ganz fest drücken.
"Oh Mann, du bist von gestern"
Schön auch, dass Sat.1 mitspielt, obwohl die Quoten der zweiten Staffel nicht überragend waren. Das mag auch daran gelegen haben, dass der Sat.1-"Fun Freitag" so langsam sein Rentenalter erreicht hat. Schade, dass dem Sender wieder kein anderer Platz für "Pastewka" eingefallen ist. Der gibt sich trotzdem solidarisch: "Sat.1 hat diese Serie von Anfang an geliebt und protegiert. Und dass der Sender dann noch über den Humor verfügt, sich über eigene Stars lustig zu machen, zeigt, dass 'Pastewka' dort gut aufgehoben ist." Und eine der wenigen Sendungen, die im Programm noch glänzen.
Vielleicht klappt es ja sogar mit einer vierten Staffel. Aber soweit ist die Planung noch nicht. Fragt sich bloß: Was macht Pastewka eigentlich, wenn "Pastewka" vorbei ist? "Manchmal habe ich Angst: Oh Mann, du bist von gestern! So eine Comedy-Flitzpiepe der Neunziger. Wie will man das im Jahr 2007 noch erklären?", fragt der Mann, der in der "Wochenshow" der Jogginganzugträger Ottmar Zittlau war, danach Reisereportagen für RTL machte und eine Sketchserie, in der kein Wort gesprochen wurde. Als nächstes steht eine Weihnachtsshow mit Anke Engelke an und für 2008 dreht Pastewka mit Christoph Maria Herbst ("Stromberg") in guter öffentlich-rechtlicher Tradition einen Weihnachtsvierteiler nur eben für Sat.1.
"Ich wünsche mir einfach, dass die Leute sich nicht an mich gewöhnen", sagt er. Eigentlich besteht derzeit kein Anlass zur Sorge. Mal sehen, wie das mit den Autogrammstunden läuft.
"Pastewka", ab 2. November immer Freitags, 21.15 Uhr, Sat1