Sony-Center: Eröffnung mit Udo und Buletten - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Sony-Center Eröffnung mit Udo und Buletten

Mit einem schillernden Fest und viel Prominenz ist in Berlin das Sony-Center eröffnet worden. Mit der Einweihung des 1,5 Milliarden Mark teuren Projekts ist mehr als zehn Jahre nach dem Mauerfall der größte Teil des Potsdamer Platzes fertig gestellt.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Berlin - Der Bundeskanzler wäre sicherlich auch lieber bei der Eröffnung gewesen. Doch Gerhard Schröder, der einer der Redner des Abends hätte sein sollen, musste absagen und mit den Energieversorgern über den Atomausstieg verhandeln. Den Gastgeber Sony plagten dagegen kaum Energiesorgen. Zur Eröffnung tauchte eine Licht- und Musikperformance die 2500 Gäste aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Medien unter dem riesigen Zeltdach aus Glas und Stoff in alle Farben des Regenbogens.

Eislaufstar Kati Witt war unter den prominenten Gäste - doch sie gab sich weniger als Promi, denn als Nachbarin. Manchmal sei sie schon genervt gewesen von dem Baulärm, sagte Witt, die ein paar hundert Meter weiter eine Plattenbauwohnung besitzt. "Aber es ist unheimlich schön geworden."

Die Berliner hatten den Stadtteil schon während der Berlinale im Februar in Besitz genommen, aber für diesen einen Abend gehörte das Sony-Center allein der geladenen Gästeschar. Der Weltkonzern Sony feierte eine elegante Party mit einer kulinarischen und musikalischen Reise um die Welt. Köstlichkeiten aus allen Kontinenten mitsamt der unvermeidlichen Berliner Bulette wurden angeboten. Zu einer Performance versammelten sich japanische Trommler, spanische Flamenco- und irische Stepptänzer im Herzstück des Areals, dem 4000 Quadratmeter großen "Forum".

Besonders Sony-Chef Norio Ohga, der als Vater des Stadtteils gilt, strahlte vor Glück ganz unjapanisch. Der gelernte Opernsänger und ehemalige Berliner Musikstudent dirigierte zum Auftakt die Berliner Philharmoniker in der benachbarten Philharmonie - ein in Erfüllung gegangener Lebenstraum. Innenminister Otto Schily (SPD), der den Kanzler vertrat, erwies sich als Lokalpatriot und hieß alle willkommen. Und Stararchitekt Helmut Jahn konnte sich den ganzen Abend kaum von seiner Videokamera trennen. "So feierlich wird es nie wieder sein."

Auch für Berlin erfüllte sich mit diesem Datum ein Stück des hauptstädtischen Traums: Der größte Teil des Potsdamer Platzes, der einst für sein gesellschaftliches Leben weltberühmt war und zu Zeiten der deutschen Teilung nur ödes Grenzland war, ist fast fertig. Großinvestoren wie DaimlerChrysler und Sony engagierten sich nach der Wende und bauten Wohnungen, Büros, Läden, Restaurants und Kinos. Sony hat dabei klare Schwerpunkte gesetzt. Das Thema Film wird großgeschrieben: Im Filmhaus werden Film- und Fernsehakademie, Mediathek und Marlene-Dietrich-Sammlung unterkommen. Die Konzern- Europazentrale residiert hier und auch die Musiktochter zieht ein.

Dem spätesten Gast des Abends, so schien es, waren alle Höhepunkte der Feier ziemlich egal. Udo Lindenberg kam nach Mitternacht, in Begleitung einer jungen Dame, die sich als "Cousine" präsentierte. Der Panikrocker lümmelte sich in die VIP-Lounge und sagte lapidar: "Ich musste eben erst noch ein bisschen trinken." Dann schwärmte der Hanseat von dem Ort, von der Architektur und überhaupt - und gab dem neuen Stadtteil gleich das erste Berliner Flair.

Katja Bauer