Sparkurs: Kultursenator will "Selbstbefragung Berlins" - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Sparkurs Kultursenator will "Selbstbefragung Berlins"

Die Frage kommt regelmäßig auf den Tisch. Braucht Berlin drei Opernhäuser und kann der Bund nicht eins davon übernehmen? Berlins Kultursenator Flierl (PDS) hat das Fass jetzt wieder aufgemacht und warnt davor, dass alle vier bis fünf Jahre eine Bühne in Berlin pleite geht. Spardebatten will er öffentlich führen - in einem "Forum Kultur".
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Berlin - Der Berliner Kultursenator Thomas Flierl (PDS) hält eine Übernahme der Staatsoper Unter den Linden durch den Bund weiter für denkbar. Vor dem Hintergrund der gegenwärtigen Debatte über die Entflechtung der Kulturförderung von Bund und Ländern sei auch dieses Thema noch nicht vom Tisch, sagte Flierl in einem dpa- Gespräch aus Anlass seiner ersten 100 Tage im Amt. Eine "Berlin- übergreifenden Verantwortung für die Staatsoper" sei durchaus vorstellbar.

Er werde das Thema mit Kulturstaatsminister Julian Nida-Rümelin (SPD) im Gesamtkontext der künftigen Neuordnung der Zuständigkeiten für die Kultur in der Hauptstadt erörtern. Dazu gehöre auch die Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Dabei müssten auch historische Aspekte eine Rolle spielen. Es sei denkbar, dass in einem künftigen "Mehr-Säulen-Modell" der Bundeskulturstiftung auch die Preußen- Stiftung, die Kulturstiftung der Länder, die Förderung zeitgenössischer Kunst und auch der Hauptstadtkulturvertrag berücksichtigt werden könnten, meinte Flierl.

"Es muss eine Lösung geben, die die Länder nicht brüskiert. Berlin muss aber auch auf seine besondere Situation hinweisen. Wir haben jahrzehntelang gesamtstaatliche Aufgaben für die Bundesrepublik und für das geteilte Land übernommen. Die Finanzspritzen sind weg, aber die Aufgaben haben wir immer noch. Diese Frage muss bis hin zu verfassungsrechtlichen Konsequenzen geklärt werden."

Unabhängig von diesen grundsätzlichen Fragen müsse aber auch über die künftige Arbeitsweise vieler Berliner Kultureinrichtungen, zum Beispiel der drei Opernhäuser gesprochen werden. "Ihre Zukunft wird aber nicht unter dem Hammer der Existenzfrage erörtert", betonte der Kultursenator. "Wir müssen über die Traditionen und die gegenwärtigen Leistungspotenziale dieser Häuser reden. Wie kann dieser Bereich konzentriert, kooperativ vernetzt oder auch zusammengeführt werden?" Dabei gehe es um Rechts- und Verwaltungsformen, Personalfragen und tarifvertragliche Aspekte.

Wenn es bei einer strukturellen Unterfinanzierung dieser und anderer Bühnen bleibe, werde allein durch die regelmäßigen Tarifsteigerungen alle vier bis fünf Jahre ein Haus in die Zahlungsunfähigkeit getrieben. Um das zu verhindern, müssten auch die Tarifparteien ihren Beitrag leisten. Das sei keine Drohung, sondern ein Appell und auch eine "Selbstbefragung des Landes Berlin". Diese und andere Fragen will Flierl in einem "Forum Kultur" öffentlich mit den Betroffenen und unter Einbeziehung einer breiteren Fachöffentlichkeit erörtern.